Einschusslöcher als Erinnerung an den jahrelangen Krieg

Lateinamerika will Friedensprozess in Kolumbien fortführen

Dienstag, 04. Oktober 2016 | 06:38 Uhr

Die Regierungen Lateinamerikas unterstützen die weiteren Bemühungen um den Friedensprozess in Kolumbien. Das Nein zum Friedensabkommen bei der Volksbefragung am Sonntag dürfe nicht als Zeichen einer Ablehnung des Friedens an sich gedeutet werden, heißt es in einer am Montag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung der Außenminister von Brasilien, Mexiko, Argentinien, Chile, Uruguay und Paraguay.

Die Minister lobten den Willen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla, am Waffenstillstand festzuhalten, sowie den Aufruf von Präsident Juan Manuel Santos an alle politischen Parteien, gemeinsam einen einheitlichen Weg zum Frieden auszuarbeiten.

Auch Ecuadors Staatschef Rafael Correa sprach sich gegen eine Neuauflage des Konflikts aus. “In Kolumbien hat das Nein gesiegt, aber alle behaupten, sie wollen den Frieden”, schrieb Correa auf seinem Twitter-Account. Venezuelas Präsident Nicolas Maduro sicherte seinem Kollegen Santos volle Unterstützung in den weiteren Friedensbemühungen im Nachbarland zu. “Der Frieden in Kolumbien ist auch der Frieden in Venezuela”, erklärte Maduro.

Santos kündigte einen neuen nationalen Dialog über die Friedensbemühungen an. Er habe den Chefunterhändler der Regierung, den früheren Vize-Präsidenten Humberto de la Calle, darum gebeten, “so schnell wie möglich” Gespräche zu führen, sagte Kolumbiens Präsident am Montag in einer Fernsehansprache. De la Calle hatte zuvor seinen Rücktritt angeboten. In den neuen Verhandlungen sollten “alle notwendigen Themen” angesprochen werden, um eine Einigung zu erzielen und damit “den Traum jedes Kolumbianers, den Krieg mit der FARC zu beenden, zu erfüllen”, sagte Santos.

Am Sonntag hatte die kolumbianische Bevölkerung völlig überraschend in einem Referendum den Friedensvertrag abgelehnt, den Regierung und Rebellen nach jahrelangen Verhandlungen in Havanna geschlossen hatten. Eine denkbar knappe Mehrheit von 50,21 Prozent stimmte mit Nein, 49,78 Prozent votierten mit Ja.

Auch die linke Guerillaorganisation FARC hält trotz der Ablehnung bei dem Referendum an dem Abkommen fest. “Die FARC stehen treu zu dem, was wir beschlossen haben”, sagte FARC-Chef Rodrigo “Timochenko” Londono am Montag in Havanna. “Die FARC-Einheiten im ganzen Land werden sich weiterhin an den Waffenstillstand halten.”

Die EU hält ebenfalls ihre Unterstützung für den Friedensprozess aufrecht. Das sagte die grüne Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Ulrike Lunacek, im Gespräch mit der APA. Lunacek ist Teil einer zwölfköpfigen EU-Delegation, die das Referendum in Kolumbien begleitet hat. Sehr optimistisch ist Lunacek aber nicht. “Im Ja-Lager herrschen Schock und Trauer “, sagte die nach eigenen Angaben selbst enttäuschte Lunacek nach der Volksabstimmung vom Sonntag. “Wir müssen unterstützen, dass Frieden kommt. Das wird schwierig, aber es geht nur so”, betonte sie.

Von: APA/dpa/ag.