Bilder der Verwüstung in kasachischer Metropole Almaty

Laut Staatsfernsehen 164 Tote bei Unruhen in Kasachstan

Sonntag, 09. Januar 2022 | 14:08 Uhr

Bei den schweren Unruhen in der autoritär regierten, zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Kasachstan sind offiziellen Angaben zufolge 164 Menschen getötet worden. Das berichtete das Staatsfernsehen am Sonntag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Zudem sind laut offiziellen Angaben mehr als 2.200 Menschen in den vergangenen Tagen verletzt worden. Die Behörden hatten zuletzt von insgesamt mehr als 40 Getöteten gesprochen, darunter auch 16 Sicherheitskräfte.

Allein in der Millionenstadt Almaty, wo besonders viele gegen das Regime auf die Straße gingen, sollen laut dem Gesundheitsministerium 103 Menschen ums Leben gekommen sein – darunter zwei Kinder. Rund 1.100 Menschen hätten dort um medizinische Hilfe ersucht, meldete das Staatsfernsehen unter Berufung auf die Behörden. Demnach wurden am Sonntag 719 Patienten in Krankenhäusern behandelt. Der Zustand von 83 Menschen wurde als “ernst” bezeichnet. Die Behörden gaben keine Details zu der Art der Verletzungen an. Unabhängige Informationen gibt es auch weiterhin nur spärlich.

Die Unruhen in der an China und Russland grenzenden Ex-Sowjetrepublik dauern seit einer Woche an. Staatspräsident Kassym-Schomart Tokajew hatte Polizei und Armee am Freitag angewiesen, “ohne Vorwarnung” auf Demonstranten zu schießen, die er als “Terroristen” und “Banditen” bezeichnete.

Unmut über gestiegene Treibstoffpreise an den Tankstellen in dem öl- und gasreichen Land schlug in Proteste gegen die Staatsführung um. Neben vielerorts friedlichen Demonstrationen kam es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen. Die Behörden sagen, die Lage sei mittlerweile unter Kontrolle. Wie das Präsidialbüro nach einer weiteren Krisensitzung mitteilte, dauern die Einsätze gegen Demonstranten aber an. “Es werden Maßnahmen ergriffen, um Terroristen ausfindig zu machen und festzunehmen.”

Es seien mittlerweile fast 6.000 Menschen festgenommen worden, darunter viele Ausländer, hieß es weiter. Tokajew behauptete, Demonstranten würden auch aus dem Ausland unterstützt. Die Justizbehörden nahmen Ermittlungen gegen die Festgenommenen wegen diverser Vergehen auf.

Eine Reihe strategischer Einrichtungen stehe unter Bewachung des von Russland geführten Militärbündnisses OVKS, hieß es weiter. Um welche Einrichtungen es sich handelt, blieb offen. Tokajew hatte die Verbündeten um Unterstützung gebeten. Allen voran Russland hat Soldaten in sein Nachbarland im Süden geschickt.

Während der Unruhen seien 16 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden, hatte das kasachische Innenministerium am Sonntagvormittag mitgeteilt. Zudem seien rund 1.300 Polizisten, Soldaten und weitere Angehörige der Sicherheitsbehörden bei den Zusammenstößen verletzt worden.

Den Festgenommenen werde unter anderem Zerstörung von mehr als 100 Einkaufszentren oder Bankgebäuden zur Last gelegt, sagte der amtierende Innenminister Erlan Turgumbajew dem TV-Sender “Chabar 24”. Während der Unruhen seien etwa 400 Fahrzeuge zerstört worden, die meisten davon Polizeiwagen.

Die Behörden bemühten sich unterdessen, im Land wieder etwas Normalität herzustellen. Dazu sei etwa die Versorgung auch entlegener Regionen mit Grundnahrungsmitteln gesichert worden, teilte das Handelsministerium am Sonntag nach Angaben der Agentur TASS mit. Auch die Versorgung mir Kraftstoff und Flüssiggas sei angelaufen, hieß es aus dem Energieministerium.

Tokajew hatte den Ausnahmezustand verhängt und das OVKS um Hilfe gebeten. Die OVKS-Mitglieder wollen am Montag über das weitere Vorgehen in einer Video-Konferenz beraten, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Sonntag in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Die Ausschreitungen in Almaty haben einem Bewohner zufolge schwere Verwüstungen hinterlassen. “Heute ist die Situation in der Stadt relativ ruhig”, sagte ein vor Ort lebender Journalist der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag am Telefon. “Gestern Abend habe ich noch selbst Schüsse gehört.” Viele Lebensmittelgeschäfte seien geplündert worden. “Bankfilialen, Bankautomaten – alles ist kaputt.” Vor Bäckereien, die den Betrieb wieder aufgenommen hätten, bildeten sich lange Schlangen, sagte der 50-Jährige.

Weiterhin funktioniere das Internet in der Millionenstadt im Südosten des autoritär geführten Landes nicht. Immer wieder war auch die Mobilfunkverbindung in den vergangenen Tagen unterbrochen. Menschen in anderen Landesteilen und im Ausland hatten oft vergeblich versucht, Angehörige und Bekannte in Almaty zu erreichen. Am Freitag seien rund 2.000 Demonstranten an seinem Haus vorbeigezogen, erzählte der Journalist, der unweit des Stadtzentrums wohnt. Einige hätten Stöcke in den Händen gehalten, Gewalt habe er aber nicht beobachtet.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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12 Kommentare auf "Laut Staatsfernsehen 164 Tote bei Unruhen in Kasachstan"


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Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
18 Tage 18 h

Alma Ata ist fast 3.200 km Luftlinie entfernt von Moskau. Aus dem Stadtgebiet von Alma Ata kannst Du aber zu Fuß nach China laufen (was aber nicht immer ratsam ist). Was um alles in der Welt haben die Russen da verloren?
Sie sollen ihre Panzer und ihre grünen Männchen einpacken und mit dem Völkermord an den Kasachen aufhören.

quilombo
quilombo
Superredner
18 Tage 17 h

mal was vom OVKS gehört? Kasachstan hat die Verbündeten zu Hilfe gegen die gewaltätigen Terroristen gerufen, es sind nicht nur Russen gekommen, sondern auch die anderen Bündnispartner, Tadschiken, Kirgisen, Weißrussen und Armenier. Sie sind vollkommen legal im Land. Ihre Aufgabe ist es nicht Demonstrationen zu unterdrücken, sondern den bewaffneten Terror. Immerhin wurden schon 95 Polizisten ermordet.

quilombo
quilombo
Superredner
18 Tage 17 h

außerdem sind es von Almaty bis zur chinesischen Grenze 3500 km. Du brauchst nicht laufen, aber wenn du unbedingt zu Fuß nach China willst, dann schafft du es vielleicht in 3 einhalb Monaten.
Viel Glück.

Chrys
Chrys
Superredner
18 Tage 14 h

@ quilombo

da wird wohl irgendwo etwas nicht stimmen.
Kasachstan grenzt sowohl an Russland als auch an China. Die Grenze zu Russland ist mehr als 6000 KM lang während die zu China etwas mehr als 1500 KM ist.

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
18 Tage 13 h

@quilombo
wir wissen nicht genau welche Angaben genau stimmen , es werden sicherlich viele Nachrichten zensuriert . Ich glaube aber kaum das die Protestierenden alles Terroristen sind und wenn der Präsident befiehlt sie ohne Vorwarnung zu erschießen ist wohl alles gesagt , das kann und darf man nicht schönreden , das sind schlimme Zustände ! Putin unterstützt dieses autoritäre Regime , das ist keine Hilfe !

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
17 Tage 17 h

@Quilombo: Alma Ata ist sowohl hart an der Grenze nach Kirgisistan, zur Mongolei als auch zu China. Ich gebe Dir natürlich recht: dieser Teil Chinas ist muslimisch, mit Massenmord der Chinesen an ihren ethnischen Minderheiten. Schau Dir noch einmal die Karte an. Beim Wandern südöstlich von Alma Ata siehst Du die Bunker die die Russen seit den 1950er Jahren gegen die sozialistischen Brüder gebaut haben. Auch Putin traut den Chinesen nicht, während die Chinesen keine Angst vor den Russen haben.

himmelblau
himmelblau
Grünschnabel
18 Tage 18 h

Putin wird immer älter und immer Besitzergreifender.
Er will skrupellos alles diktieren und das schlimmste daran ist ERDOGAN dieser Kommunist, der an allen Ecken Konflikte schürt um EUROPA zu destabilisieren.

quilombo
quilombo
Superredner
18 Tage 17 h

ha ha ha, weißt du schon, was Kommunismus ist?? Anscheinend nicht, denn Erdogan einen Kommunisten zu nennen, ist reichlich paradox

quilombo
quilombo
Superredner
18 Tage 16 h

Putin wird immer besitzergreifender? Putin hat mit Kasachstan, Weißrußland, Kirgisistan, Armenien und Tadschikistan ein Bündnis. Wenn einer dieses Bündnises ruft, dann helfen die anderen. Alle 5 Mitgliedstaaten sind derzeit in Kasachstan und helfen dort den Terror zu bekämpfen.
Das hat mit Putin persönlich überhaupt nichts zu tun.
Aber wer ist denn in Wirklichkeit besitzergreifend? Es sind wohl die Usa und die Nato, welche 900 Militärbasen in der Welt haben, und ein Land nach dem anderen zu beherrschen suchen.

InFlames
InFlames
Tratscher
18 Tage 15 h

@quilombp
Geht das schon wieder los???
Nato und USA sind nicht für jeden umgefallenen Reissack schuld, auch wenn dein Weltbild offensichtlich nichts anderes hergibt!!!
Die sind sicher keine Heiligen ABER dass du auch bei offensichtlich wiederrechtlichen Aktionen des Kreml dann immer sofort die Nato und die Amerikaner ins Spiel bringst verdient sich nur das Prädikat LÄCHERLICH!!! Du solltest dein Dasein als Putin-Fanboy doch mal etwas überdenken (überarbeiten).

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
18 Tage 20 h

Die Toten sind überwiegend Kasachen, sie Mörder sind Russen und die von ihnen unterstützten Oligarchen und Staatsverbrecher. Die Demonstranten waren keineswegs junge Leute, sondern Menschen aus allen Altersgruppen die die Nase voll haben.
Was enorm steigen wird ist der Hass auf alle Russen im Land.

Peerion
Peerion
Tratscher
18 Tage 18 h
Historisch gesehen ist Kasachstan nach Stammeszugehörigkeit in drei Zhuzes (Clans) unterteilt. Der Westen Kasachstans gehört zum Junior Zhuz. Das ist eine gängige Definition, es ist wirklich wie ein Stiefsohn im Verhältnis zum Senior und Middle Zhuz. N. Nasarbajew ist ein Vertreter des Clans, der dem Senior Juz angehört. Die weitere Entwicklung der Ereignisse wird weitgehend vom Verhalten der Ältesten dieser Zhuzes bestimmt. Der amtierende Präsident Tokajew gehört ebenfalls dem Senior Juz an. Doch die Clans der mittleren und jüngeren Zhuz haben unter N. Nasarbajew an Einfluss verloren, obwohl sich im Westen des Landes, dem Lehnsgebiet der jüngeren Zhuz, die wichtigsten… Weiterlesen »
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