Karadzic' Haftstrafe wurde sogar erhöht

Lebenslang für bosnischen Ex-Serbenführer Karadzic

Mittwoch, 20. März 2019 | 17:29 Uhr

Gut 20 Jahre nach dem Völkermord in Srebrenica ist der politisch Hauptverantwortliche, der bosnische Ex-Serbenführer Radovan Karadzic (73), zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das verkündeten die Richter des internationalen Gerichtshofs MICT am Mittwoch in Den Haag. In erster Instanz war Karadzic noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist endgültig.

Die Richter verurteilten den früheren Psychiater für Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er Jahren. Er sei schuldig wegen Mordes, Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime. Außerdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo sowie den Völkermord in Srebrenica zu verantworten. In der Hauptstadt kamen während des Krieges rund 11.450 Menschen ums Leben, darunter 1.600 Kinder. Karadzic wird auch die Geiselnahme von UNO-Soldaten angelastet.

1995 hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic die damalige UNO-Schutzzone überrannt und dann rund 8.000 bosniakische (muslimische) Männer und Burschen ermordet. Karadzic war erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien als alternativer Heiler entdeckt und an das Gericht ausgeliefert worden.

Insgesamt wurde Karadzic in zehn von elf Anklagepunkten schuldig gesprochen, in einem Völkermord-Anklagepunkt, der sich auf sieben bosnischen Gemeinden bezieht, wurde Karadzic aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Urteilsverkündung wohnten in Den Haag zahlreiche Vertreter von Opferfamilien bei, die Familienangehörigen des Angeklagten waren nicht zugegen.

Die Hoffnungen vieler Familienangehöriger von Kriegsopfern aus Srebrenica und anderen Teilen Bosnien-Herzegowinas sind am heutigen Mittwoch in Erfüllung gegangen. Das rechtskräftige Urteil gegen Karadzic sei ein “großes Ereignis für Bosnien und alle seine Bürger und namentlich für die Familien der Opfer”, meinte Nermin Niksic, Chef der Sozialdemokratischen Partei (SDP), in einer ersten Reaktion gegenüber bosnischen Medien.

In Potocari, der Gedenkstätte für die Opfer des Srebrenica-Massakers, wo die Urteilsverkündung von deren Familienangehörigen verfolgt wurde, soll totale Stille geherrscht haben, als der Berufungssenat seine Entscheidung verkündete. Danach habe es Tränen und Applaus gegeben, berichtete das Internetportal “Klix.ba”. Mit Applaus wurde das rechtskräftige Urteil demnach auch im großen Saal des Stadtrates von Sarajevo begrüßt, wo seine Verkündung sowohl von Angehörigen der Kriegsopfer wie auch zahlreiche Studenten und Professoren verfolgt wurde

Von: APA/dpa