Zschäpe wegen zehn Morden angeklagt

Lebenslange Haft für Rechtextremistin Zschäpe gefordert

Dienstag, 12. September 2017 | 14:46 Uhr

Im Mordprozess um die deutsche Terrorgruppe NSU hat die Anklage eine lebenslange Freiheitsstrafe für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe gefordert. Außerdem solle das Gericht die besonderer Schwere der Schuld feststellen und eine anschließende Sicherungsverwahrung anordnen, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer in seinem Plädoyer. Überraschend wurde ein weiterer der fünf Angeklagten festgesetzt.

Das Oberlandesgericht München ordnete in der Verhandlung am Dienstag an, den als mutmaßlichen Unterstützer der rechtsextremen NSU angeklagten Andre E. in Gewahrsam zu nehmen. Der Senat will am Mittwoch über einen Antrag der deutschen Bundesanwaltschaft auf Untersuchungshaft entscheiden.

Wenn das Oberlandesgericht München dem Antrag Diemers folgt, wäre eine vorzeitige Haftentlassung Zschäpe nach 15 Jahren ausgeschlossen. Die 42-Jährige habe sich als Mitglied einer terroristischen Vereinigung des zehnfachen Mordes, zahlreicher Mordversuche durch zwei Bombenanschläge sowie mehrerer Raubüberfälle schuldig gemacht, sagte Diemer. Jeder Mord und jeder Bombenanschlag rechtfertige schon für sich allein eine lebenslange Strafe.

Insgesamt ließe sich für die von Zschäpe begangenen Taten 14 Mal eine lebenslange Strafe verhängen, dazu kämen verschiedene Einzelstrafen zwischen sechs und neun Jahren Haft, sagte der Ankläger. Zschäpe verfolgte Diemers Worte ohne erkennbare Regung, die Ellenbogen auf den Tisch und das Kinn auf die Hände gestützt.

Zschäpe sei “ein eiskalt kalkulierender Mensch”, sagte Diemer. Menschenleben hätten bei der Durchsetzung ihrer verbrecherischen Ziele keine Rolle gespielt. Zschäpe zeige “eine Menschen- und Staatsfeindlichkeit, die es unumgänglich macht, die besondere Schwere der Schuld festzustellen”. Hinzu komme eine besondere Gefährlichkeit Zschäpes, was eine Sicherungsverwahrung nach einer Haftstrafe erforderlich mache.

Eine möglichst lange Strafe könne auch sicherstellen, dass für Zschäpe ausreichend Zeit zur Läuterung und die Allgemeinheit vor ihr geschützt bleibe. Bisher gebe es keinerlei Anzeichen für eine Läuterung Zschäpes, betonte der Bundesanwalt.

“Die Angeklagte ist für ihr Verhalten in vollem Umfang strafrechtlich verantwortlich”, sagte der Bundesanwalt. Zschäpe sei zwar den Ermittlungen zufolge nicht selbst an den Tatorten anwesend gewesen, jedoch wegen ihres Wirkens im Hintergrund mitverantwortlich für die Taten ihrer beiden Gefährten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die sich das Leben nahmen. Es gebe zudem keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit Zschäpes infolge einer psychischen Störung. Zschäpe hatte sich in dem Prozess eine passive Rolle im dem Trio zugeschrieben.

Für den mitangeklagten mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben forderte die Anklage wegen Beihilfe zum Mord zwölf Jahre Haft. Wohlleben soll die Waffe beschafft haben, mit der der NSU neun Morde beging. Für den zweiten Beschaffer der Pistole vom Typ Ceska, Carsten S., forderte die Anklage drei Jahre Jugendhaft. S. hatte als einziger Angeklagter von Anfang an umfassend ausgesagt. Ohne seinen Beitrag wäre nach Angaben der Bundesanwaltschaft keine so umfassende Aufklärung möglich gewesen. Er habe “ganz entscheidend” beigetragen, erklärte Diemer die geringe Strafforderung.

Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft der Gruppe, die sich Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) nannte, zehn Morde, drei Bombenanschläge und 15 bewaffnete Raubüberfälle in den Jahren 1998 bis 2011 zu. Den Ermittlungen zufolge töteten Zschäpes Gefährten Böhnhardt und Mundlos neun Männer türkischer und griechischer Abstammung sowie eine Polizistin.

Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios. Böhnhardt und Mundlos nahmen sich bei der Enttarnung der Gruppe 2011 das Leben. Mit einem Urteil wird frühestens in einigen Wochen nach den Plädoyers der Nebenkläger und Verteidiger gerechnet. Der seit mehr als vier Jahren andauernde Prozess zählt zu den umfangreichsten der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Von: APA/ag.

Kommentare

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16 Kommentare auf "Lebenslange Haft für Rechtextremistin Zschäpe gefordert"


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stief
stief
Grünschnabel
11 Tage 15 h

Wos de in Deitschn Stoot schun gekoschtet hot🙈unglaublich..

ivo815
ivo815
Universalgelehrter
11 Tage 14 h

10 Menschenleben

Lingustar
Lingustar
Superredner
11 Tage 13 h

@ivo815  DIE???  Dem deutschen Staat 10 Menschenleben???? Dummschwätzer !!!

ivo815
ivo815
Universalgelehrter
11 Tage 13 h

@Languste dass du auf dem rechten Auge blind bist, musst du nicht täglich unter Beweis stellen

nikolaus
nikolaus
Tratscher
11 Tage 11 h

@Lingustar für dich waren das logisch keine Menschen! Waren ja keine Deutsche!

gapra
gapra
Tratscher
11 Tage 11 h

@Lingustar Wer hier dumm “schwätzt”, erschließt sich aus Ihren Einlassungen meist von selbst.

krakatau
krakatau
Superredner
11 Tage 14 h

Wenn sie “Migrantin” wäre hätte sie scher eine Belobigung erhalten

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
11 Tage 12 h

Wenn du etwas Hirn hättest, würdest du nicht so einen Unsinn schreiben.
Also dumm gelaufen für euch beide.

Lingustar
Lingustar
Superredner
11 Tage 12 h

Gottseidank hat sie ja nur einen DDR-Migrations-Hintergrund, denn ansonsten würde es echte probleme geben, da die Anderen ja mit richterlichem Segen in Deutschland morden und totschlagen dürfen, da das ja mit deren Religion und Weltanschauung im Einklang steht!! Es ist schlichtweg zum kotzen !!

gapra
gapra
Tratscher
11 Tage 11 h

@Lingustar Schlichtweg zum Kotzen sind Ihre Kommentare.

nikolaus
nikolaus
Tratscher
11 Tage 11 h

@Lingustar nutze die gelegenheit die braune unterhose vom hitler zu ersteigern !

witschi
witschi
Universalgelehrter
11 Tage 14 h

am brutalsten war schon der mord an der jungen polizistin. lebenslang ist noch zu wenig

Waltraud
Tratscher
11 Tage 14 h

Ein anderes Urteil erwarte ich auch gar nicht. Es ist nicht in Ordnung, wie diese Frau sich öffentlich in Szene setzen durfte, die Verhandlungen auf irgendeine Art und Weise gestört, bzw. hat verschieben lassen. Man sollte ihr keine Beachtung mehr geben, ab in den Knast. Lebenslänglich sollte auch wirklich lebenslänglich sein.

Lingustar
Lingustar
Superredner
11 Tage 13 h

Gottseidank hat sie nur DDR-Migrations-Hintergrund, sonst hätte es echte Probleme gegeben… denn die Anderen dürfen in Deutschland ja mit richterlichen Genehmigungen morden und totschlagen, da dies ja mit deren Religion und Weltanschauung im Einklang steht.

Mistermah
Mistermah
Superredner
11 Tage 11 h

Krank solche Menschen…

zombie1969
zombie1969
Superredner
10 Tage 14 h

Dass B. Zschäpe einer radikalen, menschenverachtenden Ideologie anhängt, aus der heraus die Morde letztendlich begangen worden sind, ist unbestritten. Wer B. Zschäpe dafür den Rest ihres Lebens weggesperrt sehen möchte, dem ist zum Vergleich einmal folgender Beitrag vom Deutschlandfunk zu empfehlen, in dem über die Resozialisierung von Jihadisten nachgedacht wird.
http://www.deutschlandfunk.de/deutsche-extremisten-zweite-chance-fuer-dschihadisten.886.de.html?dram:article_id=299597

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