Die Behörden bereiten Überführung seiner Leiche nach Deutschland vor

Leiche des von Abbu Sayyaf getöteten Deutschen gefunden

Samstag, 04. März 2017 | 22:18 Uhr

Nach der Ermordung des deutschen Seglers Jürgen Kantner durch die philippinische Islamistengruppe Abu Sayyaf ist seine Leiche gefunden worden. Soldaten hätten die Leiche am Samstagabend in der Abu-Sayyaf-Hochburg Sulu gut tausend Kilometer südlich von Manila entdeckt, teilte die Armee mit. Die Behörden bereiten nun die Überführung der Leiche nach Deutschland vor.

Die Armee bemühe sich nach der Entdeckung von Kantners Leiche darum, “ihm die anständige Beerdigung zu gewähren, die er verdient”, erklärte Armeesprecher Edgard Arevalo. Die Leiche werde in der Leichenhalle eines Militärkrankenhauses in Sulu aufbewahrt, bis die Behörden die notwendigen Papiere für die Überstellung ausgestellt hätten.

Die deutsche Bundesregierung hatte am Montag bestätigt, dass der entführte 70-jährige Deutsche von Abu-Sayyaf-Kämpfern “barbarisch ermordet” worden sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einer “abscheulichen Tat”. Das US-Unternehmen Site, das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisiert ist, hatte zuvor mitgeteilt, ein Video von Abu Sayyaf zeige, wie einer der Geiselnehmer den Deutschen enthaupte.

Kantner war fast vier Monaten zuvor während einer Fahrt mit seinem Segelschiff entführt worden. Auf seiner Jacht wurde damals die Leiche seiner offenbar erschossenen Partnerin Sabine Merz gefunden.

In einem Mitte Februar veröffentlichten Video drohte Abu Sayyaf mit Kantners Enthauptung. Darin sagte der 70-Jährige selbst, sollte seinen Entführern nicht binnen zwölf Tagen das geforderte Lösegeld in Höhe von umgerechnet knapp 570.000 Euro gezahlt werden, werde er getötet. Kantner bat die Bundesregierung in der Videobotschaft eindringlich um Hilfe.

Nach dem Bekanntwerden von Kantners Tod entschuldigte sich der philippinische Präsident Rodrigo Duterte dafür, die Hinrichtung nicht verhindert zu haben. Zugleich rechtfertigte er die Weigerung seiner Regierung, Lösegeld an Abu Sayyaf zu zahlen, weil dies die Islamistengruppe gestärkt hätte.

Kurz vor Kantners Ermordung hatte die philippinische Armee mutmaßliche Stellungen von Abu Sayyaf bombardiert. Nach der Hinrichtung gab es weitere Kämpfe zwischen den Islamisten und der Armee. Dabei wurden nach Armeeangaben 14 Islamisten getötet und 18 Soldaten verletzt.

Kantner und seine Partnerin Merz hatten sich im Jahr 2008 schon einmal 52 Tage in der Gewalt somalischer Piraten befunden, bevor sie freikamen. Angeblich flossen damals rund 445.000 Euro Lösegeld. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP aus dem Jahr 2009 sagte Kantner, obwohl er wisse, dass es gefährlich sei, in bestimmten Gewässern zu segeln, könne er davon nicht lassen.

Abu Sayyaf hat der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen. Die philippinische Gruppe verübt seit Jahrzehnten in den Dschungel-Gebieten im Süden des Landes Entführungen. Dabei wurden wiederholt Geiseln umgebracht, wenn die Forderungen der Entführer nicht erfüllt wurden.

Zur Zeit sollen noch mindestens 19 Ausländer und sechs philippinische Geiseln in der Gewalt der Gruppe sein. Entführungen sind eine wichtige Einnahmequelle für Abu Sayyaf.

Von: APA/ag.

Kommentare

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5 Kommentare auf "Leiche des von Abbu Sayyaf getöteten Deutschen gefunden"


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StreetBob
Grünschnabel
20 Tage 1 h

Warum isch unter den Entführten nia ein Rambo, ein Texas Ranger, ein Dolph Lundgren oder…. um realistischer zu bleiben; eine als Touristen getarnte Marines Gruppe, de mol so ricjtig den draufhau mochen kennen und des Geschwür von innen aufraumen??? Warum wohl…🤔 Do weart woll epper nit Geld im Spiel sein…. woas man’s??

Sag mal
Grünschnabel
19 Tage 18 h

Er Ruhe in Frieden.Wieder ein unschuldiges Opfer.Und die Schuldigen laufen gesund umher..

denkbar
Superredner
19 Tage 18 h

Dieser Mord, aber auch der an seiner Frau Sabine Merz, (die übrigens Zooparkdirektorin in Thüringen war, eine klasse Frau) ruft auf markabre Weise in Erinnerung, wie bestialisch und kalt Abu Sayyaf immer wieder vorgeht. Es muss alles unternommen werden, um diese äußerst gefährliche Gruppe zu zerschlagen, die angeblich noch an zwei Dutzend Geiseln in ihrer Gewalt hat.

enkedu
Universalgelehrter
19 Tage 19 h

…Islamisten getötet und Soldaten verletzt…

Das mit der Wahrheit ist so was komisches, im Krieg ist sie sowieso das erste Opfer.

zombie1969
Tratscher
19 Tage 8 h
Hoffentlich schlägt das philippinische Militär hart zurück und zieht jeden, plus die Hintermänner, zur Rechenschaft. Auch wenn man unbedingt die sozialen, ökonomischen, religiösen und geopolitischen Hintergründe des Terrorismus konstruktiv lösen muss, ist gegenüber denen, die bereits den Weg des Terrors beschritten haben, keinerlei Rücksicht oder Gnade gezeigt werden darf. Wobei noch ein Unterschied besteht zwischen den wirklich Armen und Ungebildeten aus Somalia, Afghanistan oder den Philippinen, deren Existenz ohne jede wirkliche Chance ist und dem Abschaum aus Europa, der zum Daesh (IS) strömt. Letzterer ist nämlich gross geworden in einer offenen Gesellschaft, die Chancen jenseits von Kriminalität bietet, wenn man… Weiterlesen »
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