Welle der Gewalt droht

Libysche Islamisten versuchen Comeback

Sonntag, 16. Oktober 2016 | 13:05 Uhr

In einer Nacht- und Nebelaktion haben Islamisten in Libyen versucht, wieder an die Macht zu gelangen. Nach Berichten vom Samstag drangen Milizen des früheren Ministerpräsidenten Khalifa al-Ghweil in den alten Sitz des Parlaments in der Hauptstadt Tripolis vor. Ghweil rief die von der UNO unterstützte Einheitsregierung von Ministerpräsident Fayez al-Sarraj auf, die Arbeit einzustellen.

Seine Regierung sei zurück, verkündete Ghweil in dem Parlamentsgebäude. Befürchtete Zusammenstöße blieben nach Angaben von Augenzeugen aber auch am Sonntag aus. Sarraj verurteilte den Putschversuch und ordnete die Festnahme der Politiker an, die Parallelstrukturen schaffen wollten. Beobachter sprachen von einem neuerlichen Rückschlag für die internationalen Bemühungen, Libyen nach fünf Jahren Chaos und Bürgerkrieg zu einen.

Die Europäische Union und der UNO-Libyen-Gesandte Martin Kobler warnten vor einer neuen Spirale der Gewalt in Libyen. Bis März herrschte Ghweil in Tripolis. Die EU wirft ihm vor, den Friedensprozess zu blockieren.

In dem nordafrikanischen Land amtiert seit März eine international unterstützte Einheitsregierung. Sie hat aber nur einen Teil des Landes unter Kontrolle. Neben den Islamisten und der Einheitsregierung beansprucht auch eine Führung im ostlibyschen Tobruk die Macht im Land für sich.

Darüber hinaus ist auch die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) in Libyen aktiv. In ihrer Hochburg Sirte stehen die Jihadisten, die noch vor einigen Monaten einen Küstenstreifen von etwa 300 Kilometer Länge kontrollierten, aber kurz vor einer Niederlage. Nach Angaben der Führung der Militäroperation eroberten Kämpfer von Anti-IS-Milizen am Sonntag das Viertel Al-Manar im letzten Stadtteil, den die Terrormiliz noch hält.

Von: APA/dpa

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