Skripal und seine Tochter wurden bewusstlos auf dieser Bank gefunden

London beantragt UNO-Sicherheitsratssitzung zum Fall Skripal

Donnerstag, 12. April 2018 | 18:12 Uhr

Nach der Bestätigung seiner Erkenntnisse zum Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal durch unabhängige Experten hat Großbritannien eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrats zu dem Thema beantragt. Die Sitzung solle voraussichtlich in der kommenden Woche stattfinden, verlautete am Donnerstag von der britischen Vertretung bei den Vereinten Nationen.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hatte zuvor die Erkenntnisse der britischen Behörden zu dem bei dem Anschlag verwendeten Nervengift bestätigt. Die Zusammenfassung des OPCW-Reports geht aber nicht darauf ein, woher die nun bei dem Attentat auf Skripal und seine Tochter Julia genutzte Substanz stammen könnte.

Die britische Regierung hatte die internationalen Chemiewaffenexperten der OPCW gebeten, in dem Fall zu ermitteln. Der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter waren am 4. März im südenglischen Salisbury vergiftet worden.

Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Die britische Regierung macht daher Moskau für den Giftanschlag verantwortlich, Russland weist jede Verantwortung zurück. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten.

Das Auswärtige Amt in Berlin begrüßte es am Donnerstag, dass London in dem Fall die OPCW eingeschaltet hatte und damit “für ein größtmögliches Maß an Transparenz” sorge. Großbritannien habe der Bundesregierung auf der Grundlage auch der chemischen Analyse des Giftes “detailliert dargelegt, weshalb die Verantwortung Russlands sehr wahrscheinlich ist und es keine plausible alternative Erklärung gibt”, erklärte ein Ministeriumssprecher. Russland sei nun aufgerufen, “endlich eine konstruktive Rolle einzunehmen und die offenen Fragen zu beantworten”.

Der unabhängige Bericht über das bei dem Attentat verwendete Nervengift weist einem deutschen Chemiewaffenexperten zufolge auf ein staatliches Labor als Hersteller hin. Das könne aus dem in dem Report festgestellten hohen Reinheitsgrad des Kampfstoffes und aus den nur geringen Verunreinigungen geschlossen werden, sagte der Chemiker und Toxikologe Ralf Trapp am Donnerstag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

“Es wurde Arbeit investiert in die Reinigung des Kampfstoffes”, erläuterte Trapp den Report. Das sei typisch für Substanzen aus einem staatlichen Labor oder staatlichen Programm, sagte der Experte, der als Berater auch für die OPCW und die Vereinten Nationen tätig war. Zwar weist ein hoher Reinheitsgrad auf ein staatliches Labor hin, aber dieser könnte bei der Suche nach den Drahtziehern des Anschlags auch ein Nachteil sein: Denn Verunreinigungen können Experten helfen, die Ursprungsquelle des Nervengifts herauszufinden.

Russland wies die Ergebnisse der Chemiewaffenexperten zum Fall des vergifteten Ex-Agenten Skripal zurück. Russland akzeptiere keinerlei Ermittlungsergebnisse, so lange Moskau keinen Zugang zu den Untersuchungen Großbritanniens und der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erhalte, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Donnerstag Agenturen zufolge.

Die OPCW hatte zuvor einen Bericht veröffentlicht, worin sie den Einsatz des Nervengiftes Nowitschok gegen Skripal und seine Tochter Julia bestätigt. Die Experten lieferten aber keine Hinweise auf die Täter oder Drahtzieher. Großbritannien beschuldigt Russland, hinter dem Giftanschlag zu stecken. Moskau weist das zurück.

In dem OPCW-Bericht gebe es keine Hinweise, wie, wo und unter welchen Umständen Proben genommen wurden, kritisierte Sacharowa. Dies werfe bei russischen Experten Fragen auf. Sie bekräftigte aber Russlands Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Skripal und seine Tochter waren vor knapp sechs Wochen bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury gefunden worden. Julia Skripal war kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen worden und befindet sich nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt. Er ist seiner Tochter zufolge ernsthaft krank. Auch sie selbst leide noch unter den Folgen der schweren Vergiftung.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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9 Kommentare auf "London beantragt UNO-Sicherheitsratssitzung zum Fall Skripal"


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Gredner
Gredner
Superredner
7 Tage 5 h

Aha, die OPCW bestätigt also, dass sie nicht weiss, welches Gift eingesetzt wurde und von wem. Aber die Russen sind schuld!

Waltraud
Waltraud
Superredner
6 Tage 22 h

Gredner

Und was sagt uns das? Wenn man die Russen für etwas verantwortlich machen will, kann man sie ja nicht in die Aufklärung eines Falles mit einbeziehen.

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
7 Tage 5 h

Die Frage ist nicht wer das Ei gemacht hat, sondern wer es ins Nest gelegt hat.

Waltraud
Waltraud
Superredner
7 Tage 3 h

Orschgeige

Dreimal darfst du raten.

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
7 Tage 6 Min

@Waltraud
Der Osterhase?

Waltraud
Waltraud
Superredner
6 Tage 22 h

@Orschgeige

Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.

Orschgeige
Orschgeige
Tratscher
6 Tage 20 h

@Waltraud

Nein den Du meinst, das ist der Hase vom Walde.

Wolke
Wolke
Grünschnabel
6 Tage 22 h
Erschreckend, wie sehr die ganzen Massenmedien darauf gepolt sind, die westliche Bevölkerung kriegsgeil zu machen. Und es ist auch erschreckend, wie einfach das ist: Von ganz oben werden gezielt gefärbte Schlagzeilen in die wenigen Nachrichtenagenturen eingegeben, jede größere und kleiner Medienplattform kopiert es blind und schon ist die Bevölkerung eines ganzen Kontinents gehirngewaschen. Ich hatte vor einiger Zeit bei einem Artikel durch Email-Nachfrage versucht herauszufinden, wer sich für den Text und Inhalt jenes Artikel letztlich verantwortlich zeichnet – keine Chance, das herauszufinden, man wird kreuz und quer weiterverwiesen. Früher stand unter Artikeln noch der Name des recherchierenden Journalisten, der bei falscher Veröffentlichung hätte… Weiterlesen »
Waltraud
Waltraud
Superredner
6 Tage 13 h

wolke

Nicht die westliche Bevölkerung, die westlichen Politiker.

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