Die britische Regierung macht Putin für den Anschlag verantwortlich

London macht Putin für Nowitschok-Anschlag verantwortlich

Donnerstag, 06. September 2018 | 19:59 Uhr

Die britische Regierung hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich für den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Skripal verantwortlich gemacht. Die Verantwortung liege “letzten Endes” bei Putin, weil er der Präsident des Landes ist und seine Regierung “den Militärgeheimdienst kontrolliert, finanziert und steuert”, sagte der britische Staatssekretär für Sicherheitsfragen, Ben Wallace.

Der russische Geheimdienst arbeite nicht auf eigene Faust, argumentierte Wallace. Die Verbindungen des Dienstes reichten über das Verteidigungsministerium und den Generalstab “bis in den Kreml und das Büro des Präsidenten”, sagte er am Donnerstag in der BBC.

Die USA, Deutschland, Frankreich und Kanada stellten sich unterdessen hinter die jüngsten Erkenntnisse der britischen Ermittler zum Giftanschlag. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Staats- und Regierungschefs der vier Staaten sowie Großbritanniens hieß es, sie hätten “volles Vertrauen in die britische Einschätzung”, dass die beiden Tatverdächtigen Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes waren und “dass diese Operation mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf hoher Regierungsebene gebilligt wurde”.

Die westlichen Verbündeten fordern Russland in der Erklärung auf, sein Nowitschok-Programm gegenüber der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen “vollständig offenzulegen”. Weiter heißt es, es seien bereits “gemeinsame Maßnahmen” ergriffen worden, um die Aktivitäten des russischen Militärgeheimdienstes “durch die umfangreichste kollektive Ausweisung verdeckter nachrichtendienstlicher Agenten, die je stattgefunden hat, entscheidend zu stören”.

Am Vortag war bekannt geworden, dass die britische Polizei zwei Mitarbeiter von Russlands Militärgeheimdienst per Haftbefehl sucht. Die Männer seien Mitglieder des russischen Militärgeheimdienstes GRU und hätten bei dem Giftanschlag höchstwahrscheinlich im Auftrag der russischen Regierung gehandelt, sagte Premierministerin Theresa May am Mittwoch im Parlament.

Die russische Regierung hatte erwidert, ihr seien die Männer nicht bekannt. Sie sprach von einer “Provokation”. Russland will nur nach einer offiziellen Anfrage aus Großbritannien suchen. Man könne nur juristische Schritte einleiten, wenn bei den Ermittlungen Moskau nach bilateralen und internationalen Regeln eingebunden werde, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Tass zufolge.

Skripal und seine Tochter Julia waren im März in der südenglischen Stadt Salisbury durch das in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok schwer verletzt worden und nur knapp dem Tode entronnen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Nervengift an die Haustür der Skripals geschmiert wurde.

Von: APA/ag.