UNO warnt vor Bürgerkrieg im Sudan

Luftangriff mit 22 Toten: UNO warnt vor Bürgerkrieg im Sudan

Sonntag, 09. Juli 2023 | 09:52 Uhr

Von: APA/Reuters/AFP

Nach einem Luftangriff auf ein Wohnviertel in Khartum mit Dutzenden zivilen Todesopfern hat die UNO vor einem “völligen Bürgerkrieg” im Sudan gewarnt. Das nordostafrikanische Land stehe “am Rand eines völligen Bürgerkriegs, der potenziell für die ganze Region destabilisierend ist”, erklärte ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres am Sonntag. Zuvor waren “22 Tote und eine große Zahl an Verletzten unter Zivilisten” bei dem Luftangriff am Samstag gemeldet worden.

Die sudanesische Armee hatte das Viertel Dar al-Salam in Omdourman, einem Vorort von Khartum, laut dem örtlichen Gesundheitsministerium aus der Luft beschossen. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte im Online-Netzwerk Facebook ein Video, auf dem leblose Körper zu sehen waren. Demnach waren auch Frauen unter den Opfern. Der Mann, der die Aufnahmen machte, versichert in dem Video, die Bewohner des Viertels hätten “22 Tote gezählt”.

Die paramilitärische RSF-Miliz unter der Führung von Mohamed Hamdan Daglo, die gegen die Armee von Sudans Militärmachthaber Abdel Fattah al-Burhan kämpft, sprach von mindestens 31 Todesopfern und zahlreichen Verletzten.

Seit Mitte April wird der Sudan von Gefechten zwischen der Armee und der RSF-Miliz erschüttert. Fast 3.000 Todesopfer wurden seither gezählt, die tatsächliche Opferzahl dürfte aber weit höher sein. Fast drei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach UN-Angaben sind 25 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen wegen der Kämpfe schutz- und hilfsbedürftig – mehr als die Hälfte der Bevölkerung.

Guterres’ Sprecher Farhan Haq warf den Konfliktparteien am Sonntag “ein völliges Fehlen an Respekt vor humanitären Rechte und der Menschenrechte” vor. Die UNO setzt in dem Konflikt auf die Vermittlung der regionalen Wirtschaftsgemeinschaft Intergovernmental Authority on Development (Igad). Ein Igad-Vertreter teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, al-Burhan und Daglo seien zu Vermittlungsgesprächen eingeladen worden, bisher habe aber keine der Konfliktparteien reagiert.

Die Kämpfe drohen das Land in einen Bürgerkrieg zu ziehen. Vermittlungsversuche blieben bisher ohne Erfolg. Mehr als 2,9 Millionen Menschen mussten angesichts der Kämpfe ihre Häuser verlassen, mehr als 700.000 von ihnen sind in Nachbarländer geflohen.

Beobachter fürchten eine Destabilisierung der gesamten Region. Nach Angaben von Hilfsorganisationen kam es zuletzt auch zu einer “alarmierenden Zahl” von Vergewaltigungen und Entführungen von Frauen und Mädchen.

Die Kämpfe waren im Zuge eines Machtkampfes zwischen Armee und RSF im Zusammenhang mit einem international unterstützten Plan für den Übergang zu einer Zivilregierung ausgebrochen. Saudi-Arabien und die USA versuchen in dem Konflikt zu vermitteln.