Waffenruhe

Luftwaffe fliegt trotz Waffenruhe Angriffe in Süd-Syrien

Sonntag, 08. Juli 2018 | 16:11 Uhr

Bei Verstößen gegen die vereinbarte Waffenruhe im Süden Syriens sind laut Aktivisten mehrere Zivilisten getötet worden. Während Zehntausende Vertriebene auf dem Heimweg in die Region waren, wurden am Sonntag nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bei Luftangriffen der Regierungsarmee auf den Ort Al-Mayadin nahe der jordanischen Grenze drei Zivilisten getötet.

Bei einem Luftangriff auf den von Rebellen kontrollierten Teil der Provinzhauptstadt Daraa wurde nach Angaben der Beobachtungsstelle ein weiterer Zivilist getötet. Rebellen hätten nahe Al-Mayadin einen Regierungskonvoi angegriffen und dabei mehrere Soldaten getötet, sagte der Chef der oppositionsnahen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle steht den Regierungsgegnern nahe, ihre von Aktivisten vor Ort stammenden Angaben können nur schwer überprüft werden.

Ein Vertreter der Rebellen bestätigte, es habe Schusswechsel zwischen beiden Seiten gegeben. Eigentlich sollten im Rahmen der Waffenruhe Oppositionskämpfer und ihre Familien in von Rebellen kontrollierte Gebiete im Norden des Landes gebracht werden, da die Regierung nun weite Teile des Südens kontrolliert. Das sei erst einmal um etwa zwei Tage verschoben worden, sagte der Rebellen-Vertreter.

Regierung und Rebellen im Süden des Landes hatten die Waffenruhe am Freitag nach Verhandlungen unter russischer Vermittlung mit sofortiger Wirkung vereinbart. Die Rebellen müssen demnach ihre Waffen abgeben, ihre Kämpfer abziehen und die Kontrolle der Grenze zu Jordanien der Regierung überlassen.

Nach der Verkündung der Waffenruhe hatten sich mehr als 60.000 vertriebene Menschen auf den Weg nach Hause gemacht, teilte die Beobachtungsstelle mit. Nach UNO-Angaben vom Sonntag hielten sich nur noch 150 bis 200 Vertriebene an der Grenze zu Jordanien auf. Der UNO-Koordinator für humanitäre Hilfe in Jordanien, Anders Pedersen, sagte in Amman jedoch, dass im Südwesten Syriens weiterhin zahlreiche Binnenflüchtlinge seien.

Die syrische Armee ging seit dem 19. Juni mit Unterstützung russischer Kampfflugzeuge in einer großen Offensive gegen Rebellen im Süden des Landes vor. Nach UNO-Angaben wurden seither mehr als 320.000 Menschen in die Flucht getrieben. Mehr als 160 Zivilisten wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle getötet.

Die Rückeroberung der südlichen Provinz Daraa wäre für den syrischen Machthaber Bashar al-Assad ein wichtiger, auch symbolisch bedeutsamer Sieg. In der Provinz im ländlichen Süden des Landes begannen im März 2011 die Proteste gegen Assad. Sie weiteten sich zu einem landesweiten Konflikt aus, in dessen Verlauf seither mehr als 350.000 Menschen getötet wurden.

Von: APA/ag.