Klare Worte des französischen Präsidenten

Macron nennt Nationalismus in Europa die neue “Lepra”

Donnerstag, 21. Juni 2018 | 17:54 Uhr

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die anti-europäische Stimmung in Teilen der EU als neue “Lepra” bezeichnet. Er übte bei einem Besuch im bretonischen Quimper am Donnerstag scharfe Kritik an “dem wieder auflebenden Nationalismus und den geschlossenen Grenzen, die einige vorschlagen”.

Der französische Staatschef äußerte sich wenige Tage vor dem Sondergipfel mit Deutschland und anderen Ländern zur Flüchtlingspolitik am Sonntag in Brüssel. In seiner mehr als eineinhalbstündigen Rede zur Zukunft Frankreichs und der EU sagte Macron, die Verachtung für die europäische Idee mache sich “wie die Lepra fast überall in Europa breit, selbst in Ländern, in denen wir dachten, dass ihr Wiederauftreten unmöglich ist”.

“Befreundete Nachbarn sagen die schlimmsten Dinge, und wir gewöhnen uns daran”, kritisierte Macron weiter. “Unsere wirtschaftlichen, politischen, journalistischen Eliten haben eine immense Verantwortung”, mahnte er unter Applaus.

Macron wandte sich in der Migrationsdebatte aber gleichzeitig gegen “Besserwisser”, die meinten, man könne alle aufnehmen. “Schauen sie sich die französische Gesellschaft an mit ihren Rissen”, sagte Macron in der Bretagne, die traditionell als europafreundlich gilt.

Macron begrüßte bei seinem Besuch in der Bretagne auch den Beschluss von US-Präsident Donald Trump, Einwandererfamilien an der US-mexikanischen Grenze nicht mehr zu trennen. “Es war die richtige Entscheidung”, sagte Macron. Trump hatte zuvor ein entsprechendes Dekret unterzeichnet. Es führt dazu, dass Kinder von illegal Eingewanderten nun zusammen mit ihren Eltern inhaftiert werden.

Macron sagte, das Problem der Einwanderung müsse “menschlich und effizient” gelöst werden. Die US-Praxis zur Trennung von Familien war weltweit scharf verurteilt worden, ein französischer Regierungssprecher nannte sie “schockierend”.

Die US-Behörden behandeln illegal ins Land kommende Menschen seit Monaten systematisch als Gesetzesbrecher und nehmen sie in Haft. Da Kinder eigentlich nicht mit ihren Eltern inhaftiert werden dürfen, wurden die Familien auseinandergerissen. Nach Angaben des US-Heimatschutzministeriums wurden seit Anfang Mai mehr als 2.300 Kinder von ihren Eltern getrennt.

Von: APA/ag.