Macron will im Juni eine Parlamentsmehrheit erringen

Macron-Partei präsentiert Kandidatenliste für Parlamentswahl

Donnerstag, 11. Mai 2017 | 19:40 Uhr

Die Bewegung des künftigen französischen Staatschefs Emmanuel Macron setzt bei der Parlamentswahl im Juni auf zahlreiche Politik-Neulinge. Von den bisher 428 Kandidaten komme mehr als jeder Zweite aus der Zivilgesellschaft und sei noch nie in ein politisches Amt gewählt worden, sagte der Generalsekretär von “En Marche”, Richard Ferrand, am Donnerstag in Paris.

Den prominenten Ex-Premierminister Manuel Valls lässt Macron jedoch nicht als Kandidat für die Parlamentswahlen zu. Demnach erfüllt der Sozialist nicht alle Voraussetzungen der Bewegung für eine Kandidatur, weil er schon dreimal Abgeordneter war. “En Marche!” werde in Valls’ Wahlkreis aber keinen Gegenkandidaten aufstellen, sagte Ferrand bei der Vorstellung einer vorläufigen Kandidatenliste. Man schlägt einem ehemaligen Premierminister nicht die Tür vor der Nase zu (…)”.

Valls hatte am Dienstag angekündigt, bei der Parlamentswahl für Macrons Bewegung antreten zu wollen. Im Lager des neu gewählten Präsidenten war das allerdings nicht mit Begeisterung aufgenommen worden: Valls ist nicht nur eng mit der Amtszeit des unpopulären Staatschefs Francois Hollande verknüpft. Der 54-Jährige gilt auch als Alphatier, das sich nur schwer unterordnen dürfte.

Genau die Hälfte der am Donnerstag vorgestellten Kandidaten sind Frauen. Insgesamt 52 Prozent aller bisher bestimmten Personen waren vorher nicht politisch aktiv. Nur fünf Prozent der Kandidaten seien Abgeordnete der bisherigen Nationalversammlung. Das bedeute “die Rückkehr der Bürger ins Herz unseres politischen Lebens”, sagte Ferrand. Die Kandidaten wurden aus 19.000 Bewerbern ausgewählt.

Unter den Kandidaten sind unter anderen der bekannte Mathematiker Cedric Villani, frühere Anti-Korruptions-Richter und der Präsident eines französischen Rugby-Clubs.

Der Mitte-Links-Politiker Macron hatte am vergangenen Sonntag mit klarer Mehrheit die europafeindliche Rechtspopulistin Marine Le Pen geschlagen. Am Sonntag wird der 39-Jährige als jüngster Präsident aller Zeiten das Amt von Hollande übernehmen. Macron will eine Parlamentsmehrheit erringen, um regieren zu können. Bisher ist “En Marche!” überhaupt nicht in der Volksvertretung präsent. Die Wahl zur Nationalversammlung findet am 11. und 18. Juni statt. Vor den Wahlen will sich die Gruppe in “La Republique en Marche” umbenennen. Einer Umfrage des Instituts Opinionway/SLPV zufolge kann sie auf 249 bis 286 der 577 Sitze in der Nationalversammlung hoffen.

Das Wahlkampfteam Macrons bereitete sich mit falschen Dokumenten und E-Mail-Konten auf Hackerangriffe vor, um die Hacker zu verwirren. Ein Sprecher von “En Marche!” bestätigte auf dpa-Anfrage entsprechende Informationen der internationalen Ausgabe der “New York Times” vom Donnerstag.

“En Marche” hatte Ende vergangener Woche unmittelbar vor der Stichwahl mitgeteilt, Ziel eines groß angelegten Hackerangriffs geworden zu sein. Es habe sich um eine “massive und koordinierte” Attacke gehandelt. Erbeutete E-Mails, Verträge sowie andere interne Dokumente gelangten ins Internet. Die französische Justiz nahm Vorermittlungen auf.

Von: APA/dpa/ag.

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