Hitziges Duell der beiden Kandidaten

Macron und Le Pen lieferten sich hitziges TV-Duell

Donnerstag, 04. Mai 2017 | 14:49 Uhr

Die französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron und Marine Le Pen haben sich wenige Tage vor der Stichwahl ein hitziges TV-Duell geliefert. Dabei wollten sowohl Le Pen als auch Macron am Mittwochabend um die vielen noch unentschlossenen Wähler werben. Die Fernsehdebatte zwischen den beiden Wahlrunden ist in Frankreich traditionell einer der wichtigsten Wahlkampfmomente.

Die Rechtspopulistin von der Front National attackierte den sozialliberalen Ex-Wirtschaftsminister scharf und bezeichnete ihn als Kandidaten der “wilden Globalisierung”, der “sozialen Brutalität” und des “Krieges aller gegen alle”. Macron entgegnete, Le Pen verbreite “Lügen” und “Unsinn”. Außerdem verkörpere sie den “Geist der Niederlage” und zeichne ein negatives Bild von Frankreich. Er wolle dagegen auf den Erfolgen und der Stärke Frankreichs aufbauen.

Die Stichwahl am Sonntag gilt als Schicksalsabstimmung für Europa, weil Le Pen ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft Frankreichs anstrebt und im Euro-Land Frankreich wieder eine nationale Währung einführen will. Der Ex-Wirtschaftsminister Macron könnte laut jüngsten Umfragen auf 59 bis 60 Prozent der Stimmen kommen, Le Pen lag zuletzt bei 40 bis 41 Prozent. Das von den Sendern France 2 und TF1 übertragene TV-Duell war das einzige direkte Aufeinandertreffen der beiden Finalisten.

Macron bezichtigte Le Pen der Lüge und warf ihr vor, die “echte Erbin” der “Partei der extremen Rechten Frankreichs” zu sein. Le Pen bemüht sich seit Jahren, ihrer Front National eine gemäßigtere Außendarstellung zu verschaffen. Le Pens Versprechen, die Kaufkraft der Franzosen zu stärken, seien nicht finanziert, sagte Macron. “Sie werden entweder die Steuern erhöhen oder die Schulden erhöhen.” Die von Le Pen geforderte Absenkung des Rentenalters auf 60 Jahre koste 30 Milliarden Euro: “Das ist nicht finanzierbar.”

Le Pen hielt dagegen, sie wolle Milliarden bei den Ausgaben für die Europäische Union und für die Einwanderung einsparen. “Ich gebe den Franzosen ihr Geld zurück.” Die 48-Jährige warf Macron mehrfach vor, wegen seiner Zeit als Berater des sozialistischen Amtsinhabers Francois Hollande und als Wirtschaftsminister von 2014 bis 2016 für Fehlentwicklungen mitverantwortlich zu sein. Zudem griff sie Macron wegen seiner Vergangenheit als Investmentbanker an. Ihm fehle der “Nationalgeist”.

Laut einer Umfrage hat Macron im TV-Duell deutlich besser als seine Kontrahentin Marine Le Pen abgeschnitten. 63 Prozent der befragten Zuschauer hätten den sozialliberalen Kandidaten Macron überzeugender gefunden, berichtete der Sender BFMTV in der Nacht zum Donnerstag. 34 Prozent fanden die Rechtspopulistin Le Pen überzeugender. Das Institut Elabe hatte im Auftrag des Senders 1314 Zuschauer der zweieinhalbstündigen Debatte befragt.

Auch eine am Donnerstag veröffentlichte Wahl-Umfrage sieht Macron voran. Bei der Befragung des Instituts Opinionway hat er mit 61 Prozent die Nase vorne, Le Pen kann demnach nur mit 39 Prozent rechnen. Macron tritt unabhängig von den traditionellen Parteien an und hatte den ersten Wahlgang am 23. April mit 24 Prozent gewonnen, Le Pen kam auf 21,3 Prozent.

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte in einem Interview mit dem “Neuen Volksblatt”, er gehe davon aus, dass Macron die Wahl gewinnen wird. “Und ich halte es auch für sinnvoll, wenn Frankreich sich einsetzt, um die EU zum Positiven zu verändern und nicht, um sie zu zerschlagen.” Doch stimme er “nicht in allen Sachfragen” mit Macron überein, so Kurz in dem der APA im Voraus übermittelten Gespräch.

“Er steht auch für die Sozialunion, die ich ablehne. Es kann nicht funktionieren, dass wir die Sozialsysteme in Europa schlagartig auf das gleiche Niveau bringen. Wie soll das funktionieren? Soll das bedeuten, dass wir in Österreich auf rumänische Niveaus absinken oder dass man in Rumänien dann doppelt so viele Sozialleistungen bekommt? Wenn ja, wer soll das bezahlen?”, fragte der ÖVP-Politiker.

Nach einer Andeutung der Rechtspopulistin Marine Le Pen über ein mögliches “Offshore-Konto auf den Bahamas” hat der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron Strafanzeige gestellt. Die Anzeige gegen Unbekannt lautet unter anderem auf “Fälschung” und “Verbreitung einer Falschnachricht”, wie das Umfeld des parteilosen Ex-Wirtschaftsministers am Donnerstag mitteilte.

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete umgehend Vorermittlungen ein. Le Pen hatte beim TV-Duell mit Macron am Mittwochabend angedeutet, ihr Rivale könnte ein heimliches Auslandskonto besitzen: “Ich hoffe, dass man nicht herausfinden wird, dass Sie ein Offshore-Konto auf den Bahamas haben.” Macron warf ihr umgehend Verleumdung vor.

Nach Angaben aus Macrons Umfeld war diese “Fake News” zunächst von einem anonymen Nutzer im Onlineforum “4chan” gepostet worden und machte dann in den sozialen Netzwerken die Runde. Verbreitet wurden die Angaben demnach unter anderen von Anhängern von US-Präsident Donald Trump und von Nutzerkonten mit Verbindungen zu den russischen Medien Sputnik und RT. Demnach zirkulieren Dokumente mit einer gefälschten Unterschrift Macrons.

Von: APA/AFP/dpa