Das ölreiche Land leidet unter einer Wirtschaftskrise

Maduro mobilisiert nach Hubschrauberangriff Streitkräfte

Mittwoch, 28. Juni 2017 | 19:30 Uhr

Ein rätselhafter Hubschrauberangriff auf das Oberste Gericht von Venezuela hat die schwere politische Krise in dem Land weiter verschärft. Ein gestohlener Polizeihubschrauber, der von einem Ex-Polizisten gesteuert wurde, feuerte nach Angaben von Präsident Nicolas Maduro am Dienstag mehrere Granaten auf das Gerichtsgebäude in Caracas.

Maduro sprach von einem “terroristischen Angriff” und einem Putschversuch. Er versetzte die Armee in Alarmbereitschaft.

Der Helikopter habe zwei Granaten über dem Gerichtsgebäude in der Hauptstadt abgeworfen, sagte Maduro in einer Rede. Eine der Granaten sei nicht explodiert. Verletzte habe es nicht gegeben. Der Hubschrauber sei zudem über das Innenministerium und das Justizministerium geflogen, sagte Maduro weiter. Auf das Innenministerium seien 15 Schüsse abgefeuert worden.

“Ich habe die gesamten Streitkräfte aktiviert, um den Frieden zu verteidigen”, sagte der Staatschef, der seit fast drei Monaten mit Massenprotesten konfrontiert ist. Maduro machte rechtsgerichtete “Putschisten” für den Vorfall verantwortlich. Die Besatzung des Hubschraubers werde “sehr bald” gefasst werden.

Nach Angaben der Regierung wurde der Hubschrauber von dem 36-jährigen Ex-Polizisten Oscar Perez gesteuert. In einem Internetvideo bekannte sich Perez zu der Tat. “Wir sind ein Bündnis aus Militärs, Polizisten und zivilen Staatsbediensteten, die diese kriminelle Übergangsregierung ablehnen”, sagt der Uniformierte, der von vier schwarzgekleideten und maskierten Männern flankiert ist. Zwei von ihnen tragen Gewehre.

Perez fordert in dem Video dazu auf, “gegen die Tyrannei” zu kämpfen. “Präsident Maduro, wir fordern deinen sofortigen Rücktritt (…) und dass Wahlen angesetzt werden”, sagt der Mann, der neben seiner Arbeit bei der Polizei in dem venezolanischen Actionfilm “Suspended Death” mitgespielt hat. In Sozialen Netzwerken im Internet hat er Fotos von sich veröffentlicht, auf denen er mit Waffen posiert.

Nach Angaben von Maduro hat Perez zudem als Pilot für seinen ehemaligen Innen- und Justizminister Miguel Rodriguez Torres gearbeitet. Der Präsident hatte dem früheren General vorgeworfen, einen Staatsstreich gegen ihn geplant zu haben.

Die Regierung forderte die Oppositionspartei MUD und die katholische Kirche auf, den Vorfall “entschieden zu verurteilen und sich von der Gewalt zu distanzieren”. Der oppositionelle Parlamentspräsident Julio Borges sprach von einem “sehr ernsten” Vorfall. Bisher gebe es aber nur wenige Informationen über den Helikopter: “Manche Leute sprechen von einer Falschmeldung, andere von einer wahren Begebenheit, andere von genervten Polizisten.” Vize-Parlamentspräsident Freddy Guevara rief zu weiteren Demonstrationen auf.

In Venezuela gehen seit dem 1. April beinahe täglich tausende Menschen auf die Straße, um den Rücktritt Maduros zu fordern. Bei den Protesten wurden bisher 76 Menschen getötet und mehr als tausend weitere verletzt. Die rechtsgerichtete Opposition kämpft für eine Amtsenthebung Maduros. Sie macht ihn für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich, die zu dramatischen Versorgungsengpässen geführt hat.

Das Oberste Gericht des Landes hatte vor einer Woche ein Verfahren gegen Generalstaatsanwältin Luisa Ortega eingeleitet, das letztlich zu ihrer Absetzung führen könnte. Die Juristin gilt als einzige kritische Stimme im Lager Maduros.

Von: APA/dpa

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