Zweifel an größerem Terror-Netzwerk

Manchester-Attentäter handelte weitgehend alleine

Mittwoch, 31. Mai 2017 | 13:39 Uhr

Der Attentäter von Manchester hat nach Polizeiangaben wichtige Bestandteile seiner Bombe selbst kauft. Der 22-jährige Salman Abedi sei in den Tagen vor dem Anschlag zudem häufig allein gewesen, teilte die britische Polizei am Dienstagabend mit. Es sei trotzdem noch nicht auszuschließen, dass er Teil eines Netzwerks gewesen sei. Drei nach der Tat festgenommene Männer wurden wieder freigelassen.

Die Polizei müsse unbedingt sichergehen, dass Abedi “nicht Teil eines größeren Netzwerks ist”, sagte der Leiter der Anti-Terror-Polizei im Nordwesten Englands, Russ Jackson. “Wir können das aber noch nicht ausschließen.” Es gebe immer noch “einige Dinge, die uns Sorge bereiten”, fügte der Beamte hinzu. Dabei gehe es um Abedis “Verhalten” vor dem Anschlag und mögliche Mitstreiter, denen die Polizei noch “auf den Grund gehen” müsse.

Abedi hatte sich am 22. Mai nach einem Konzert der US-Sängerin Ariana Grande in Manchester in die Luft gesprengt und 22 Menschen mit in den Tod gerissen. 116 Menschen wurden verletzt. Unter den Opfern sind viele Jugendliche und Kinder.

In den Tagen nach dem Anschlag hatte die britische Polizei unter Hochdruck nach möglichen Helfern des Attentäters gefahndet. Ermittelt werde gegen ein “Netzwerk”, sagte Manchesters Polizeichef Ian Hopkins vor einer Woche. Bei Hausdurchsuchungen nahm die Polizei zahlreiche Verdächtige fest.

Am Dienstag ließ die Polizei drei Festgenommene wieder frei. Gegen die Männer im Alter von 20, 24 und 37 Jahren, die zwei und drei Tage nach dem Anschlag festgenommen worden waren, werde nicht weiter ermittelt, erklärte die Polizei. Damit sind nun noch elf Verdächtige im Zusammenhang mit den Ermittlungen in Polizeigewahrsam. In Libyen wurden zudem der Vater und der Bruder des Attentäters festgenommen.

Manchesters Polizeichef Ian Hopkins hatte am Dienstag dem Sender BBC gesagt, die Ermittlungen seien sehr schnell vorangekommen. Er bestätigte, dass Abedi der Polizei bekannt gewesen sei, allerdings nur wegen “relativ kleiner Delikte” wie Diebstählen, Hehlerei und tätlicher Angriffe, die Abedi 2012 als Jugendlicher begangen habe. Als Extremist sei er der Polizei nicht bekannt gewesen, sagte Hopkins. Was andere Sicherheitsbehörden zu dieser Zeit über Abdi gewusst haben könnten, sei ihm nicht bekannt.

Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 hatte am Montag eine interne Untersuchung zu möglichen Pannen im Umgang mit Abedi eingeleitet. Medienberichten zufolge hatten zwei Bekannte des 22-Jährigen eine Anti-Terror-Hotline angerufen, um auf seine extremistischen Ansichten hinzuweisen.

Die Polizei hatte am Montag ein neues Foto Abedis veröffentlicht, das ihn mit einem blauen Rollkoffer zeigt. Der Koffer wurde nicht bei dem Attentat verwendet, die Polizei erhofft sich von dem Foto aber Hinweise möglicher Zeugen, die Aufschluss über die Vorbereitungen des Attentats geben könnten.

Von: APA/dpa

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