SNP-Chefin Nicola Sturgeon fordert neues Unabhängigkeitsreferendum

Mandatsmehrheit für schottische Unabhängigkeitsbefürworter

Sonntag, 09. Mai 2021 | 07:38 Uhr

Bei der Parlamentswahl in Schottland hat die regierende Pro-Unabhängigkeitspartei SNP einen deutlichen Sieg erzielt, die absolute Mehrheit aber knapp verfehlt. Die Schottische Nationalpartei (SNP) kommt im Parlament künftig auf 64 der 129 Sitze, wie die Wahlkommission in Edinburgh am Samstagabend mitteilte. Da aber die Grünen, die ebenfalls für die Loslösung vom Vereinigten Königreich eintreten, 8 Mandate erhalten, haben die Unabhängigkeitsbefürworter eine Mehrheit.

Die Wahlkommission gab das Ergebnis bekannt, nachdem die Resultate aus allen Wahlkreisen eingelangt waren. Die Wahl galt als Stimmungstest für eine Unabhängigkeit. Regierungschefin Nicola Sturgeon (SNP) will Schottland zurück in die EU führen. Die britische Regierung lehnt ein neues Referendum strikt ab.

Beflügelt von einem starken Ergebnis bei der Parlamentswahl in Schottland hat die Regierungspartei SNP den Druck auf London erhöht, ein neues Unabhängigkeitsreferendum nicht länger zu blockieren. “Die einzigen Menschen, die über die Zukunft Schottlands entscheiden können, sind die Schotten”, sagte Sturgeon am Samstagabend.

Im Streit um eine neue Volksabstimmung spielte sie den Ball ins Feld des britischen Premierministers Boris Johnson. Ihm drohe ein “Kampf mit den demokratischen Wünschen des schottischen Volkes”, wenn er versuche, eine Abstimmung zu verhindern.

Für die SNP ist es der vierte Wahlsieg in Schottland in Folge. Sturgeon kündigte an, eine Volksabstimmung voranzutreiben. Ein Gesetzentwurf liegt dafür bereits in der Schublade.

Johnson sagte der Zeitung “Daily Telegraph” (Samstag), eine Volksbefragung sei “unverantwortlich und rücksichtlos”. “Jetzt ist nicht die Zeit, verfassungsrechtliche Auseinandersetzungen zu führen und darüber zu sprechen, unser Land auseinanderzureißen, wenn es den Menschen doch vielmehr darum geht, unsere Wirtschaft zu heilen und gemeinsam voranzukommen.” Ohne Zustimmung aus London – so die Meinung der meisten Experten – wäre ein Referendum nicht rechtens.

Die britische Regierung betont, die Unabhängigkeitsfrage sei bereits bei der Volksabstimmung 2014 geklärt worden. “Es wäre unverantwortlich, ein weiteres Referendum und eine weitere Debatte über die Verfassung zu führen, wenn wir uns auf den Weg aus dieser Pandemie machen und uns auf die wirtschaftliche Erholung konzentrieren sollten”, sagte Kabinettsmitglied George Eustice dem Sender Times Radio. Die SNP beharrt hingegen darauf, dass sich die Ausgangslage durch den Brexit verändert habe. Die Schotten hatten beim Brexit-Referendum 2016 einen EU-Austritt mehrheitlich abgelehnt, wurden aber überstimmt.

Dass die SNP die absolute Mehrheit verpasst, spiele Johnson in die Hände, sagten britische Medien. Hingegen betonen die SNP sowie parteinahe Experten, dass nicht das SNP-Ergebnis allein entscheidend sei. “Boris Johnson ist nicht irgendeine Art Lehensherr von Schottland”, sagte Vize-Regierungschef John Swinney. Wichtig sei vielmehr eine Mehrheit im Parlament.

Die Wahlbeteiligung war mit mehr als 63 Prozent so hoch wie nie zuvor. Vielerorts gab es lange Schlangen vor Wahllokalen.

Möglicherweise entscheidet schließlich der Oberste Gerichtshof über ein Referendum. Sturgeon sagte dem Sender Channel 4: “Wenn Boris Johnson das stoppen will, muss er vor Gericht gehen.” Die SNP peilt ein Referendum bis Ende 2023 an.

Von: APA/dpa

Kommentare

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19 Kommentare auf "Mandatsmehrheit für schottische Unabhängigkeitsbefürworter"


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DontbealooserbeaSchmuser
1 Monat 12 Tage

Ich dachte, die Briten haben nur aus versehen für den Brexit gestimmt?
Wählen sie jetzt zum dritten Mal versehentlich falsch? 🤪

In zehn Jahren werden wir ihre Erfolge sehen, da macht die Dauerberieselung mit “EU ist so toll, wir sind die Besten” auch keinen Unterschied mehr 😁

Chrys
Chrys
Superredner
1 Monat 12 Tage

Die Briten haben gewählt was sie fuer richtig hielten und die Schotten ebenfalls. Fuer mich haben die Schotten eindeutig gegen Brexit und fuer Europa abgestimmt. Ob sie es erreichen werden, steht wohl auf einem anderen Blatt Papier. Zumindest 72 von 129 Parlamentariern sind fuer Europa.  

Oracle
Oracle
Tratscher
1 Monat 11 Tage

… die Konkurrenten auf der Weltbühne sind die USA und China und einwohnermäßig dann auch Indien. Da werden die Briten mit ihren 60 Mio Einwohner keine großen Standards setzen können, auch wenn sie noch glauben British Empire zu sein ….

Oracle
Oracle
Tratscher
1 Monat 11 Tage

… hauptsächlich haben die alten Engländer für den Brexit gewählt, … Schotten und junge Briten allgemein waren mehrheitlich dagegen ….

Zugspitze947
1 Monat 12 Tage

Die Schotten kommen wieder in die EU,ist nureien Frage der Zeit ! Denn der BREXIT ist für GB eine Katastrophe 🙁

Chrys
Chrys
Superredner
1 Monat 11 Tage

Mag sein, aber das dauert noch mindestens 10 Jahre. Zudem, wenn die Schotten auch wollten ist es noch lange nicht sicher ob die EU sie aufnehmen würde. Denken wir doch nur an Spanien mit den Basken.

Zugspitze947
1 Monat 11 Tage

Chrys:das ist kein Vergleich ! Das Baskenland ist eine regionale Provinz Spaniens. Schottland eine abgeschlossene eigene Region mit allen Möglichkeiten. Ich wette Sie werden irgendwann die Selbständigkeit erreichen. Aber die TRÄUMER von der STF die meinen etwas Ähnliches wäre in Südtirol möglich werden NICHTS erreichen ! Weil KEINE 20 % wirklich zu Österreich wollen und Sie selbst vor 10-15 Jahren den Freistaat erfolgreich verhindert haben,denn damals wäre dafür eine Mehrheit möglich gewesen ! 🙂 Wer zu spät kommt :den bestraft das Leben,gell Eva -Knoll – Mitterhofer und Andere ……. 🙁

Offline
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Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

@Chrys..die Basken leben in einer spanischen Provinz/Region auf spanischen Hochheitsgebiet. Und haben einen spanischen Pass !! Sind also Spanier. Diese normale Konstellation kennt man auch aus anderen europäischen Ländern, z B. Bayern ua 😉. Schottland dagegen ist ein anerkannter eigenständiger Staat mit einem eigenen Hochheitsgebiet und möchte aus einem Staatenbund austreten. Ob Ihnen das gelingt bzw. gewährt wird, steht auf einem anderen Stück Papier.

Zugspitze947
1 Monat 11 Tage

Offline: genau sooooooo ist es ! 🙂

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 12 Tage

Es ist  äußerst demokratisch, wenn die Schotten abstimmen dürfen, ob sie bei Großbritannien bleiben wollen oder nicht.

Das gilt aber auch für jede andere Provinz oder Volksgruppe.

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Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Eben gerade nicht !! Denn selbstständige Staaten !!, die über ein eigenes Hochheitsgebiet verfügen und aus einem Staatenbund !! austreten wollen, sind etwas total Anderes, als Provinzen/Regionen, die sich eine Selbstständigkeit und damit eine Loslösung aus einen Staat wünschen. Trotz vielen nachvollziehbaren historischen, emotionalen und wirtschaftlichen Gründen sind das aber zwei Paar unterschiedlicher 👟👟…..

Zugspitze947
1 Monat 11 Tage

Ich wünsche den Schotten inständig die Kraft den Weg der Unabhängigkeit zu gehen ! Denn in der EU haben sie wesentlich bessere Chancen auf Wirtschaftlichen und Gesellschaftlichen Erfolg ❤👌 Johnson kann sich auf den Kopf stellen,denn sein mit Flaschinformationen erzwungener BREXIT  wird ihm eine Bauchlandung einbringen 😡😂

DAICH
DAICH
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Man sollte , bei allem Respekt für Menschen ü70 trotz allem weder eine Sezession herbeiwünschen noch dafür auch noch von aussen ( aus Deutschland!) dafür hetzen, schon gar nicht, wenn man noch nie Schottland war und keinerlei Bezug in irgendeiner Weise dorthin hat.
Die jüngeren Menschen, die die Zukunft Schottlands sind, wollen mehrheitlich keine Abspaltung vom Königreich , so meine Erfahrungen aus den letzten Besuchen dort.

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Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

@DAICH..wieso du “anderer Meinung sein” als “Hetzen” bezeichnest, verstehe ich nicht. Und woher du dein Wissen über die Schottlandkenntnisse Anderer nimmst, erst recht nicht…..

DAICH
DAICH
Tratscher
1 Monat 11 Tage

@Offline
Ach Offline , komm doch mal Online! 🙂 und sprich mal mit jüngeren Schotten, nicht mehr und nicht weniger!
Wenn der überwiegende Anteil derer , die gegen eine Abspaltung sind und das sind eben meine Erfahrungen in Gesprächen dort vor Ort, dann hat das doch mindestens genauso viel zu bedeuten, wie die Meinung einiger nicht in Schottland ansässiger , schon betagten Menschen , findest nicht?

Chrys
Chrys
Superredner
1 Monat 12 Tage

Am Donnerstag wurde gewählt und noch immer ist kein Ergebnis in Sicht. 
🙂 Nicht auszudenken wenn das in Suedtirol passieren würde.

Zugspitze947
1 Monat 12 Tage

Chrys=da dauerts ja auch mindestens 2 Tage . Deutschland wählt 1 Tag und um 19,30 Uhr steht das Ergebnis bis auf 1 % FEST ! DAS ist funktionale Demokratie <3

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Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Vielleicht sollten die SüdtirolerInnen Frau Nicola Sturgeon von der schottischen SNP (hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der derzeitigen Regierungspartei 😉) vor den nächsten Wahlen 2023 “unter Vertrag” nehmen. Sie setzt sich massiv für eine (Autonomie) Unabhängigkeit ein.

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Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Ich dachte eigentlich, es gibt mehr Befürworter einer Südtiroler Eigenständigkeit. Der Zweck heiligt bekanntlich (fast) alle Mittel.

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