Irakische Truppen nehmen immer mehr von Mosul ein

Massengrab mit 500 Leichen nahe Mosul gefunden

Samstag, 11. März 2017 | 22:12 Uhr

Mit der irakischen Regierung verbündete, schiitische Milizen haben eigenen Angaben zufolge nordwestlich von Mosul ein Massengrab mit etwa 500 Leichen entdeckt. Die verscharrten Körper seien nahe dem Badush-Gefängnis gefunden worden, das die paramilitärischen Einheiten vor wenigen Tagen von der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) erobert hatten. Der IS kontrollierte das Gebäude seit Juni 2014.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) exekutierten die Jihadisten damals Berichten zufolge 600 Gefangene. Die meisten der Opfer waren demnach Schiiten, die vorher von den Sunniten unter den Gefangenen getrennt wurden. Auch inhaftierte Yeziden und Kurden seien unter den Opfern gewesen, wie mehrere Überlebende den Menschenrechtlern von HRW berichteten. Die Männer seien gezwungen worden, am Rande eines ausgehobenen Grabes niederzuknien. Sie seien dann mit Maschinengewehren umgebracht worden.

Die sunnitische Terrormiliz betrachtet Schiiten als Abtrünnige und verübt immer wieder Anschläge auf Angehörige dieser Richtung des Islams. Die ethnisch-religiöse Minderheit der Yeziden im Nordirak wurde seit dem Vorrücken der Jihadisten 2014 den Vereinten Nationen zufolge Opfer eines Völkermordes. Tausende Männer wurden getötet, Frauen versklavt.

In den vergangenen Monaten verlor der IS im Irak jedoch massiv an Boden. Zuletzt eroberten die irakischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge den wichtigsten Bahnhof im Westen von Mosul zurück. Die Einsatzkräfte hätten den Bezirk Al-Mahata eingenommen, in dem sich der Bahnhof und Wohngebiete befinden, berichtete Oberst Emad al-Bayati der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. Zahlreiche Sprengsätze der Jihadisten rund um die Haltestelle seien entschärft worden.

Bayati zufolge rücken die Truppen der irakischen Armee unter heftiger Gegenwehr des IS weiter Richtung Stadtzentrum vor. Dabei hätten die Extremisten etwa 30 Familien als Geiseln genommen, um sie als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Die Mitte Februar begonnene Offensive gegen den IS im Westen von Mosul kommt offensichtlich gut voran. Die irakischen Einheiten sind teilweise nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Die Terrormiliz wäre bei einer Eroberung Mosuls im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Unterdessen meldete die irakische Regierung, keine Hinweise auf einen möglichen Chemiewaffeneinsatz durch die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) im Kampf um Mosul zu haben. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass die Jihadisten bei Mosul chemische Waffen eingesetzt hätten, sagte der irakische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohamed Alhakim, am Freitag in New York.

Das Rote Kreuz hatte berichtet, Anfang März seien sieben Zivilisten mit Symptomen in ein Krankenhaus nahe Mosul eingeliefert worden, die auf einen Chemiewaffeneinsatz hindeuteten. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums hatten IS-Kämpfer an der Universität von Mosul unter anderem Senfgas hergestellt. Die irakische Armee hatte am 19. Februar eine Offensive gestartet, um die Jihadisten vollständig aus Mosul zu vertreiben.

Von: APA/ag.