Bei Verstößen wird streng bestraft

Maulkorb- und Leinenpflicht für Listenhunde in Wien

Mittwoch, 10. Oktober 2018 | 14:20 Uhr

In Wien müssen künftig alle Listenhunde – auch Kampfhunde genannt – einen Maulkorb tragen sowie angeleint sein. Zudem wird ein Alkohollimit für Halter solcher Vierbeiner eingeführt. Die Grenze liegt analog zu Autolenkern bei 0,5 Promille. Diese Maßnahmen sind Teil der Gesetzesnovelle, die Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl am Mittwoch präsentiert haben.

Bei Verstößen wird streng bestraft. Hält man sich nicht an die Maulkorbpflicht – sie gilt im öffentlichen Raum überall mit Ausnahme von umzäunten Hundezonen -, wird man zu einer Strafe von mindestens 200 Euro sowie einem sechsstündigen Training bei einem Hundetrainer verdonnert. Wird er ein zweites Mal erwischt, muss der Besitzer den Hundeführschein wiederholen. Bereits beim dritten Mal innerhalb von zwei Jahren wird schließlich das Tier abgenommen. Kommt es zu einer Bissverletzung durch die Verletzung der Maulkorbpflicht, wird der Hund sofort abgenommen.

Im Falle einer Missachtung der Leinenpflicht setzt es mindestens 100 Euro Strafe. Deutlich teurer ist es, wenn Listenhundbesitzer im betrunkenem Zustand – also über der 0,5-Promille-Schwelle – erwischt werden. Hier wird eine Pönale von mindestens 1.000 Euro fällig.

Sima verwies in dem Zusammenhang auf den Fall jenes Kleinkindes, das vor wenigen Wochen von einem Rottweiler angefallen und infolge an den Verletzungen gestorben war. “Das hat mich sehr betroffen gemacht”, so die Ressortchefin. Die Halterin des Rottweilers war zum Zeitpunkt des Vorfalls stark alkoholisiert. Mit dem nunmehrigen Maßnahmenpaket, das noch heuer in Kraft treten wird, wolle man nun die Menschen – und vor allem Kinder – noch besser schützen.

Zwar sei schon bisher vorgeschrieben gewesen, dass ein Hundebesitzer sein Tier im Griff haben müsse, sagte Sima. Mit der Novelle gebe es nun aber eine klare Regelung. Eine solche begrüßte auch Pürstl. Die Polizei werde in erster Linie bei offensichtlichen Verdachtsfällen – “wenn klar ist, dass jemand nicht ganz im Besitz seiner Sinne ist” – die Halter blasen lassen, so Pürstl. Auf die Personalreserven werde sich das nicht merkbar niederschlagen.

Änderungen gibt es auch rund um den Hundeführschein. Ein solcher ist in Wien für Besitzer von Kampfhunden bereits seit 2010 Pflicht. Nun werden die Modalitäten allerdings verschärft. Die Prüfung selbst wird umfangreicher, da der Praxisteil erweitert wird. Außerdem muss man zwei Jahre nach der Prüfung verpflichtend nochmals antreten, kündigte Sima an.

Derzeit werde der Führschein meistens dann absolviert, wenn der Hund erst einige Monate alt ist. Die Prüfer hätten aber vielfach rückgemeldet, dass ein nochmaliges Antreten mit dem erwachsenen Tier sinnvoll sei, erklärte Sima. Denn die Vierbeiner würden sich oft noch entwickeln.

Außerdem räumt die Novelle des Tierhaltegesetzes den Hundeprüfern mehr Kompetenzen ein. “Sie können dann Wiederholungsprüfungen, zusätzliche Trainingseinheiten oder Schulungen anordnen”, so die Ressortchefin. Ebenfalls neu ist, dass auch ein Nicht-Listenhund dann führscheinpflichtig wird, wenn es zu einem Bissvorfall kommt. Bisher war dies Ermessenssache der Polizei.

Bittet ein Listenhundehalter einen Verwandten oder Freund, mit seinem Tier Gassi zu gehen, braucht dieser ebenfalls einen Hundeführschein. Das war schon bisher so. In der Novelle wird nun aber eine Mindeststrafe von 200 Euro bei Verstoß festgeschrieben. Bereits beim zweiten Mal wird der Hund abgenommen.

Beschlossen werden soll das Regelwerk bereits in der Landtagssitzung am 25. Oktober. Bei jenen Passagen, die die Polizei betreffen – also etwa Alko-Limit und Maulkorbpflicht -, muss auch das Innenministerium noch seinen Sanktus geben. Dafür gibt es eine achtwöchige Frist. Ziel ist es laut Sima, dass sämtliche Neuerungen noch heuer wirksam werden.

Die Tierschutzorganisation “Vier Pfoten” reagiert mit Kritik auf das Maßnahmenpaket: Es handle sich genau um jene Art von Anlassgesetzgebung, vor der man gewarnt habe. “Hier wurde leider das Pferd von hinten aufgezäumt”, befand Kampagnenleiterin Martina Pluda.

Bezweifelt wird, ob strengere Regeln und höhere Strafen für Halter von Listenhunden tatsächlich sinnvoll sind. Vor allem die Strafen würden das Problem nicht lösen. Viel zu kurz sei das Thema Aufklärung gekommen, wird beklagt. Auch dass nur Listenhunde im Fokus stehen, sorgt für Unmut: “Der Rassetyp bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund gefährlich ist. Wir sehen das gerade aktuell am Fall des Dackels, der ein kleines Kind gebissen hat.”

Oft hätten derartige Vorfälle mehr mit dem Besitzer und seinem Mangel an Verantwortung für das Tier zu tun: “Das Problem sitzt eigentlich immer am anderen Ende der Leine.” “Vier Pfoten” spricht sich für einen verpflichtenden Hundeführschein für alle Halter aus. Zugleich solle es Schulungen und Aufklärungskampagnen zum Thema Umgang mit dem Hund im öffentlichen Raum geben, hieß es. Die Bevölkerung wisse “einfach zu wenig über Hunde”.

Von: apa