Die Nähe zum Rechtsextremismus sei evident

Mauthausen Komitee warnt vor “ewig gestriger” FPÖ

Mittwoch, 23. August 2017 | 13:00 Uhr

Das Mauthausen Komitee warnt vor einer Koalition mit der FPÖ. Diese sei “ewig gestrig” und zeige “immer wieder eine ausgeprägte Nähe zur NS-Ideologie”, hieß es. Das Komitee hat in einer Broschüre rund 60 “rechtsextreme FPÖ-Aktivitäten” seit 2013 gesammelt. Diese werde man Entscheidungsträgern der Parteien zusenden, berichtete Vorsitzender Willi Mernyi.

“Wenn jemand mit der FPÖ koalieren will, soll er nachher nicht sagen können, er habe nicht gewusst, wie ewig gestrig sie ist”, verwies der Gewerkschafter auf die “antisemitischen Aussagen” des FP-Abgeordneten Johannes Hübner. Das sei nur einer “von sehr vielen Fällen” gewesen. Als weitere Beispiele nannte Mernyi FPÖ-Politiker, die “den in Mauthausen ermordeten Widerstandskämpfer Richard Bernaschek verhöhnen, oder einer unbequemen Journalistin eine Vergewaltigung wünschen, oder Flüchtlinge als ‘Erd- und Höhlenmenschen’ beschimpfen, oder dazu auffordern, zu einer türkischen Hochzeit eine Autobombe zu bringen”. All das vergifte auch das gesellschaftliche Klima, “das ist zutiefst menschenverachtend”.

“Rechtsextreme Aussagen und Handlungen kommen in der FPÖ dauernd und auf allen Ebenen vor”, konstatierte Mernyi. Das “Fazit” des Mauthausen Komitees angesichts der gesammelten Vorfälle ist: Die FPÖ wolle die Menschenrechte einschränken und gegen die Meinungsfreiheit vorgehen. Die Freiheitlichen würden Andersdenkende beschimpfen, verhöhnen und verleumden, in “übelster Weise” gegen Flüchtlinge und Minderheiten hetzen, “Rassismus ist an der Tagesordnung… Auch der Antisemitismus bricht immer wieder durch”. Außerdem arbeite die FPÖ eng mit rechtsextremen Kräften im In- und Ausland sowie mit dem autoritären russischen Putin-Regime zusammen.

Herbert Kickl, Generalsekretär der FPÖ, bezeichnete die Broschüre am Mittwoch als Dienst am “Dirty Campaigning” der SPÖ gegen seine Partei. “Wer sich ernsthaft und ehrlich Sorgen wegen des Antisemitismus in Österreich macht, hätte sich schon längst mit den Folgen der von SPÖ und ÖVP forcierten neuen Völkerwanderung beschäftigen müssen, durch die Menschen aus einem Kulturkreis nach Österreich strömen konnten und können, bei denen Antisemitismus quasi auf der Tagesordnung steht”, so Kickl.

Für die Grünen führt das Papier hingegen vor Augen, wie tief der strukturelle Rechtsextremismus in der FPÖ verankert sei. “Wer eine Koalition mit der FPÖ, der Partei der gehäuften ‘Einzelfälle’, nicht ausschließt, läuft Gefahr, die inakzeptablen Äußerungen zahlreicher FPÖ-FunktionärInnen indirekt zu legitimieren”, meinte Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek.

Von: apa