Ein Krankenhaus in der syrischen Stadt Aleppo

Medizinische Lage in Aleppo spitzt sich zu

Montag, 03. Oktober 2016 | 16:43 Uhr

Andauernde Bombardements und Kämpfe in der belagerten syrischen Großstadt Aleppo gefährden zunehmend die Versorgung von Hunderttausenden Zivilisten. Luftangriffe auf Krankenhäuser brächten die medizinischen Einrichtungen in der heftig umkämpften Stadt an den Rand des totalen Zusammenbruchs, teilten die Vereinten Nationen mit.

Während die EU angesichts der katastrophalen Lage eine Nothilfe-Initiative auf den Weg brachte, gingen die heftigen Kämpfe zwischen Regimetruppen und Rebellen in der Stadt am Montag weiter.

Die syrische Armee konnte am Wochenende nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Norden Aleppos Gebiete der Rebellen zurückerobern. Unter den Rebellen habe es “schwere” Verluste gegeben.

Die heftigen Kämpfe und der Beschuss des von Rebellen gehaltenen Ostteils der Stadt dauerten auch am Montag an. Die Armeeführung rief alle Aufständischen in der geteilten Stadt dazu auf, die belagerten Viertel zu verlassen. Die Armee werde einen sicheren Abzug garantieren, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana.

Der Koordinator des UN-Büros für humanitäre Hilfe (OCHA), Stephen O’Brien, sagte, Verletzte müssten nach Angriffen auf Krankenhäuser abgewiesen werden, es fehle an allen Ecken und Enden an Medikamenten. “Wir sind in einem Rennen gegen die Zeit.” Nach UN-Angaben sind mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden, darunter eine Kinderklinik für Tausende Patienten.

Nach Angaben der Syrisch-Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft traf ein weiterer Angriff mit bunkerbrechenden Bomben am Montag eine Klinik, die nach Luftangriffen bereits außer Betrieb war. Ein Rettungshelfer der Organisation Weißhelme sagte, zur Zeit des Angriffs hätten sich sieben Personen in dem Gebäude aufgehalten, um medizinische Ausrüstung sicherzustellen.

Aleppo hat in den vergangenen Tagen die heftigsten Kämpfe und Bombardierungen der syrischen und russischen Luftwaffe seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren erlebt. Eine landesweite Waffenruhe war im vergangenen Monat gescheitert.

Die EU will mit ihrer Initiative den Einsatz von Hilfsorganisationen unterstützen und Zivilisten schützen, wie die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in Brüssel mitteilten. Die EU sei bereit, falls nötig auch eine Behandlung von Menschen in Europa zu ermöglichen. Zudem kündigten sie ein 25 Millionen Euro schweres Hilfspaket an.

Ein Hilfskonvoi steht nach EU-Angaben im Westen Aleppos bereit, um medizinische Güter, Wasser und Lebensmittel in den Ostteil der Stadt zu liefern. Der Konvoi könne bis zu 130.000 Menschen versorgen.

Gleichzeitig sollen Kranke und Verletzte aus dem Osten Aleppos in Sicherheit gebracht werden, insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen. Details über Routen in die vollständig eingekesselte Stadt wurden nicht bekannt. Ohne Zustimmung der Regierungseinheiten können Lieferungen nicht in den Osten Aleppos vordringen.

Ein vom sunnitischen Königreich Saudi-Arabien dominiertes Bündnis von Golfstaaten forderte den UNO-Sicherheitsrat unterdessen auf, endlich relevante Resolutionen beschließen. Die schweren Luftangriffe auf Aleppo seien ein Verstoß gegen internationales Recht und menschliche Ethik, sagte der Generalsekretär des Golf-Kooperationsrates (GCC), Abdel-Latif al-Sajani.

Im Norden der Provinz Aleppo starben mindestens 21 protürkische Rebellen durch Landminen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Sprengsätze seien explodiert, als von Ankara unterstützte Aufständische das zuvor von IS-Herrschaft befreite Dorf Barih nahe der türkischen Grenze durchkämmten, berichteten die Menschenrechtsbeobachter.

In der mittelsyrischen Stadt Hama wurden mindestens drei Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor einem Gebäude der regierenden Baath-Partei getötet. Es blieb zunächst unklar, wer die Todesopfer waren. Die Terrormiliz IS sprach in einem Bekennerschreiben von drei Angreifern.

Von: apa