Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei

Mehr als 200 Verletzte bei Zusammenstößen in Algerien

Samstag, 09. März 2019 | 14:50 Uhr

Bei Zusammenstößen am Rande des Massenprotests gegen den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika sind mehr als 200 Menschen verletzt worden. Aus einem Krankenhaus in der Hauptstadt Algier hieß es am Samstag, es seien mehr als 100 Zivilisten eingeliefert worden. Einige hätten Tränengas eingeatmet, andere seien von Steinen oder Gummigeschoßen getroffen worden.

Die algerischen Sicherheitsbehörden hatten zuvor auch von mehr als 100 verletzten Polizisten berichtet. In einem Versuch, weitere Proteste einzudämmen, ordnete das algerische Bildungsministerium am Samstag überraschend an, die Frühlingsferien an den Universitäten vorzuziehen und auf fast vier Wochen auszudehnen. Sie sollen nun an diesem Sonntag beginnen. Vor allem an Universitäten hatte es zuletzt immer wieder Proteste gegeben.

Am Freitag waren zunächst in vielen Städten des Landes Menschenmassen friedlich auf die Straße gegangen. Es handelte sich um die größten Demonstrationen seit Ausbruch der Protestwelle vor mehr als drei Wochen. Die Schätzungen reichten von Zehntausenden bis zu Hunderttausenden Teilnehmern. Im Zentrum der Hauptstadt Algier waren Straßen und Plätze bis zum Bersten gefüllt.

Nach dem Ende der Demonstrationen kam es jedoch zu Zusammenstößen mit der Polizei. Offizielle Stellen sprachen von “Chaoten”, die im Nationalmuseum für Altertümer und Islamische Kunst randaliert und geplündert hätten. Bilder zeigten ausgebrannte Räume und zerstörte Vitrinen. 195 Menschen wurden festgenommen.

Seit Ende Februar kommt es landesweit immer wieder zu Protesten gegen den 82-jährigen Bouteflika. Der Staatschef ist seit 20 Jahren an der Macht und will sich bei einer Abstimmung am 18. April erneut wählen lassen. Es wäre seine fünfte Amtszeit.

Seine Gegner halten ihn jedoch für nicht mehr in der Lage, das Amt auszuüben. Nach einem Schlaganfall sitzt Bouteflika im Rollstuhl und hat große Probleme beim Sprechen. Der Präsident hält sich seit rund zwei Wochen zur medizinischen Behandlung in Genf auf. Wann er nach Algerien zurückkehren kann, ist unklar. Seit Ausbruch der Proteste äußerte er sich nur durch Botschaften, die für ihn verlesen wurden.

Die Bilder erinnern an die Aufstände vor acht Jahren, wo Massenproteste in den benachbarten Ländern Langzeitherrscher zu Fall brachten. In Algerien blieb die Lage damals vergleichsweise ruhig. Bouteflika galt lange als Stabilitätsgarant, der das Land nach dem blutigen Bürgerkrieg in den 1990er-Jahren wieder vereint hat.

Von: APA/dpa

Kommentare

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1 Kommentar auf "Mehr als 200 Verletzte bei Zusammenstößen in Algerien"


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zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
10 Tage 1 h

Anscheinend gibt es in diesen Länder entweder kleptokratische Diktatur oder Chaos. Dabei wären die Bedingungen in Algerien nicht schlecht. Gute Infrastruktur als Hinterlassenschaft der ehemaligen Kolonialmacht, fruchtbares Land an der Küste, dazu Öl und Gas. Die Ursache des Chaos liegt auch in Algerien in der Inkompatibilität von Religion und liberaler Gesellschaft.

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