Immer mehr Menschen flüchten aus der Ukraine

Mehr als 2,5 Mio. Menschen aus der Ukraine geflohen

Freitag, 11. März 2022 | 15:52 Uhr

Die Zahl der Menschen, die seit dem russischen Einmarsch aus der Ukraine geflohen sind, hat 2,5 Millionen überschritten. Das ging am Freitag aus den täglich aktualisierten Daten des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) hervor. Nach diesen Angaben waren mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine in Polen, gut 225.000 nach Ungarn, 176.000 in die Slowakei und gut 282.000 in weiteren europäischen Ländern, darunter Österreich.

Innerhalb der Ukraine seien zudem mindestens 1,85 Millionen Menschen auf der Flucht, teilt das UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit. Unter den Geflohenen waren nach Angaben der Organisation für Migration (IOM) rund 116.000 Ausländer. Dutzende Mitgliedsstaaten hätten die IOM um Hilfe gebeten, um ihre Staatsangehörigen in die Heimat zu bringen. Erste Flüge nach Ghana, in den Libanon und nach Tunesien seien organisiert worden.

Das UNHCR verstärkt laut einer Aussendung laufend Hilfsmaßnahmen in der Ukraine und in den Nachbarländern, um auf den akuten humanitären Bedarf zu reagieren. Der Zugang zu den stark umkämpften Gebieten wie Mariupol und Charkiw sei allerdings aufgrund der anhaltenden militärischen Aktivitäten und durch immer mehr Landminen weiterhin stark eingeschränkt. Die humanitäre Notlage verschlimmere sich von Tag zu Tag. “Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente und medizinische Versorgung, Unterkünfte, grundlegende Haushaltsgegenstände, Decken, Matratzen, Bargeld, Baumaterial, Generatoren und Treibstoff werden dringend benötigt.” Die Vereinten Nationen verhandeln demnach weiterhin, um Zugang und Sicherheit für die Lieferung lebensrettender Hilfe zu gewährleisten.

Mit dem Welternährungsprogramm (WFP) bereitet das UNHCR ein Pilotprogramm für Bargeldhilfe in Teilen der Ukraine vor, um Binnenvertriebenen in Lwiw (Lemberg) bei der Deckung ihrer Grundbedürfnisse zu helfen. An den internationalen Grenzübergängen arbeitet das UNHCR mit Partnern zusammen und richtet beheizte Orte ein, an denen besonders gefährdete Personen wie schwangere Frauen, Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen sitzen und sich aufwärmen können, während sie stundenlang an der Grenze warten.

Auch im Ausland arbeitet das UNHCR mit Behörden und Partnerorganisationen zusammen, um für Geflüchtete Bargeld-Sofortprogramme einzuführen. “Mit Bargeld-Leistungen können Flüchtlinge in Würde jene Zeit überbrücken, bis sie arbeiten können oder soziale Unterstützung erhalten. Sie ermöglichen es den Flüchtlingen, unabhängiger ihre Entscheidungen zu treffen, und unterstützen gleichzeitig die lokale Wirtschaft”, so das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen.

In Griechenland und Zypern kamen bisher gut 10.000 ukrainische Flüchtlinge an. In Griechenland waren es 7.142 Menschen, darunter seien 2.289 Minderjährige, teilte das griechische Bürgerschutzministerium am Freitag mit. Im benachbarten Zypern kamen laut dem staatlichen Rundfunk bisher mehr als 3.000 Menschen aus der Ukraine an. In Griechenland bekämen alle Flüchtlinge aus der Ukraine unbürokratisch für die nächsten zwölf Monate eine Sozialversicherungs- und Steuernummer, teilte Migrationsminister Notis Mitarakis bei einem Besuch des bulgarisch-griechischen Grenzübergangs Promahon mit.

Griechenland verfügt wegen der bisherigen Flüchtlingskrise nach dem Syrien-Krieg 2015/16 über Flüchtlingslager mit einer Aufnahmekapazität für 60.000 Menschen. 30.000 Plätze davon seien derzeit frei, hieß es. Zudem würden viele der Menschen bei Verwandten und Freunden unterkommen. In Griechenland leben zahlreicher Ukrainer, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 nach Griechenland emigriert waren.

Von: APA/Reuters/dpa