Rebellen dürfen abziehen

Mehr als 6.700 Rebellen und Bewohner verließen Ost-Ghouta

Dienstag, 27. März 2018 | 13:13 Uhr

Tausende weitere syrische Rebellen und ihre Angehörigen haben in der Nacht auf Dienstag die umkämpfte Region Ost-Ghouta bei Damaskus verlassen. Auch mit der letzten Rebellengruppe Jaish al-Islam liefen Verhandlungen über die Übergabe der Stadt Duma, doch stockten die Gespräche der Gruppe mit der syrischen Regierung und Russland. Eine neue Offensive der Regierungstruppen könnte drohen.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, verließen hundert Busse mit 6.749 Menschen an Bord in der Nacht die Enklave, darunter ein Viertel Kämpfer der Islamistengruppe Fajlak al-Rahman. Es war der bisher größte Konvoi seit Beginn der Evakuierungsaktion vergangene Woche.

Nach der Gruppe Ahrar al-Sham hatte am Freitag auch Fajlak al-Rahman zugesagt, ihre Kämpfer aus Ost-Ghouta abzuziehen. Am Samstag verließ ein erster Konvoi mit knapp tausend Kämpfern und Zivilisten die Orte Arbin, Samalka und Jobar. Am Sonntag folgten dann mehr als weitere 5.400 Menschen. Insgesamt verließen mehr als 17.000 Kämpfer und ihre Angehörigen Ost-Ghouta in Richtung Idlib.

Die syrische Armee hatte Mitte Februar mit Unterstützung der russischen Luftwaffe eine groß angelegte Offensive auf Ost-Ghouta gestartet. Dabei eroberte sie inzwischen mehr als 90 Prozent des Gebiets an den Toren der Hauptstadt, das seit 2012 von zumeist islamistischen Rebellen kontrolliert wurde. Nur noch die von der Gruppe Jaish al-Islam kontrollierte Stadt Duma entzieht sich ihrem Zugriff.

Seit Tagen verhandelt Russland auch mit der Rebellengruppe über die Übergabe der Stadt. Beide Seiten hätten sich eine Frist bis Mittwoch gesetzt, um eine vorläufige Vereinbarung zu diskutieren, berichtete die regierungsnahe Zeitung “Al-Watan” am Dienstag. Sollte die Islamistengruppe jedoch die Stadt nicht aufgeben und abziehen, werde die Armee eine neue Offensive beginnen, hieß es in dem Blatt.

Die Russen hätten Jaish al-Islam bei Verhandlungen am Montag die Wahl zwischen Kapitulation und Abzug gegeben, hieß es aus informierten Kreisen. Zuvor war berichtet worden, dass über eine Entwaffnung der Rebellen und die Übergabe von Duma an die russische Militärpolizei verhandelt werde, nicht aber an die syrische Armee. In diesem Szenario hätten die Kämpfer in der Stadt bleiben können.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gibt es innerhalb von Jaish al-Islam Streit, da der radikale Flügel weiter kämpfen wolle. Allerdings sind nach einer fast fünfjährigen Belagerung in Ost-Ghouta Lebensmittel, Brennstoff und Medikamente knapp. Nach dem wochenlangen Bombardement durch die Regierungstruppen liegen zudem große Teile des Gebiets in Trümmern.

Die Kämpfer aus Ost-Ghouta werden mit ihren Angehörigen in die nordwestliche Provinz Idlib gebracht, die noch weitgehend unter Kontrolle der Rebellen steht. Vor der Abreise müssen die Kämpfer die meisten Waffen abgeben. Erst nach strengen Kontrollen werden sie in die Busse gelassen, was zu mehrstündigen Wartezeiten führt. Nach einer zwölfstündigen Fahrt treffen sie schließlich in Idlib ein.

Sobald auch Duma erobert ist, wird Machthaber Bashar al-Assad die gesamte Region wieder unter Kontrolle haben. Die Einnahme von Ost-Ghouta hat für den syrischen Staatschef wegen ihrer Nähe zu Damaskus besondere strategische und symbolische Bedeutung. Anschließend bleiben nur noch Idlib und die Region Daraa im Süden, in der im März 2011 die Proteste gegen Assad begannen.

Von: APA/ag.

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