Kiews Bürgermeister Klitschko

Mehrere Raketeneinschläge im Zentrum von Kiew

Sonntag, 26. Juni 2022 | 15:38 Uhr

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist Sonntag früh von mehreren Raketen getroffen worden. Eine Rakete habe ein neunstöckiges Wohnhaus getroffen, schrieb Anton Heraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, auf Telegram. Dabei wurden laut Polizeiangaben fünf Menschen verletzt. Eine weitere Rakete sei auf dem Gelände eines Kindergartens im zentralen Bezirk Schewtschenko eingeschlagen, hieß es.

Dort hielten sich zu diesem Zeitpunkt keine Kinder auf. Die Rettungs- und Löscharbeiten dauerten in der Früh noch an. Im Wohnhaus sei ein Feuer ausgebrochen, drei Stockwerke seien teilweise zerstört worden, teilte der ukrainische Zivilschutz nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform mit. Die Explosionen seien zu hören gewesen, während die Sirenen für Luftangriffe ertönten. Das historische Viertel in der Innenstadt von Kiew beherbergt eine Reihe von Universitäten, Restaurants und Kunstgalerien. Es handelte sich um die ersten Raketenangriffe auf Kiew seit Wochen.

Der Gouverneur von Kiew, Olexij Kuleba, berichtete vom Abschuss einer Rakete durch die Luftabwehr. Die Überreste des Geschoßes seien auf ein Dorf gefallen, fügte er hinzu. Nach Angaben des ukrainischen Luftwaffenkommandos griffen russische Streitkräfte mit verschiedenen Raketenarten Ziele in der West- und der Südukraine an.

Bereits am Samstag hatte es einen Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Sarny gegeben, bei dem Behördenangaben zufolge mindestens drei Menschen getötet wurden.

Am Sonntag wurden auch Raketenangriffe auf die zentralukrainische Region Tscherkassy gemeldet. Infolge des Einschlags zweier Raketen seien nahe der Gebietshauptstadt ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets Tscherkassy, Ihor Taburez, mit. In Sozialen Netzwerken kursierten zudem Videos von einer offenbar beschädigten Eisenbahnbrücke über den Fluss Dnipro. Die ukrainische Eisenbahn kündigte die vorübergehende Einstellung von Regionalbahnen bei Tscherkassy an. Tscherkassy mit seinen knapp 300.000 Einwohnern ist seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar von Bombardierungen weitgehend verschont geblieben.

Russland griff nach Angaben des Verteidigungsministerium in Moskau am Sonntag mehrere Ausbildungszentren der ukrainischen Armee mit Hochpräzisionswaffen an. Getroffen worden seien bei den Raketenangriffen Ziele in den Regionen Tschernihiw, Schytomyr und Lwiw, wie russische Nachrichtenagenturen berichteten.

Nach russischen Angaben wurde unterdessen die Evakuierung eines Chemiewerks in Sjewjerodonezk wegen ukrainischer Attacken ausgesetzt. Russland hatte zuvor die Einnahme von Sjewjerodonezk bekannt gegeben. Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS wurde das dortige Chemiewerk Asot von ukrainischer Seite beschossen, wodurch die Evakuierung darin befindlicher Personen nicht fortgesetzt werden konnte. Die Agentur berief sich dabei auf die örtliche Polizei.

Nach Angaben eines hochrangigen Beraters des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj befinden sich auch nach dem Rückzug ukrainischer Truppen aus Sjewjerodonezk noch Spezialeinheiten in der Stadt, die das Artilleriefeuer auf die russischen Truppen steuern.

Selenskyj zufolge ist sein Land am Samstag innerhalb eines halben Tages von 45 russischen Raketen getroffen worden. “Sie sind eine weitere Bestätigung unserer Position, dass Sanktionen gegen Russland nicht ausreichen.” Sein Land benötige mehr militärische Hilfe.

Die Ukraine befinde sich in einer moralisch und emotional schwierigen Phase des Krieges. “Wir verstehen, dass wir den Staat immer noch schützen können”, meinte das Staatsoberhaupt. Er wisse aber nicht, wie groß die Verluste und Anstrengungen noch sein werden, bis sich ein Sieg am Horizont abzeichne.

Selenskyj will die von Russland eingenommenen Städte zurückerobern. In seiner abendlichen Videoansprache verwies er am Samstag auf Sjewjerodonezk, Donezk und Lugansk. Auch Melitopol und Mariupol seien nicht vergessen. “Alle anderen Städte der Ukraine, die vorübergehend besetzt sind, werden ukrainisch sein”, sagte der ukrainische Präsident. Am Montag soll Selenskyj per Video aus Kiew zum Treffen der Staats- und Regierungschefs aus sieben großen Industrienationen (G7) zugeschaltet werden, das auf Schloss Elmau in Bayern stattfindet.

Von: APA/dpa/Reuters/Ukrinform

Kommentare

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17 Kommentare auf "Mehrere Raketeneinschläge im Zentrum von Kiew"


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Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Da faselt dieses Staatsoberhaupt immer noch von mehr Waffenlieferungen, Rückeroberungen und einem Sieg, als ob man an einem Frieden gar nicht interessiert sei, ganz im Sinne der USA und seiner EU Vasallen.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 13 Tage

Ach Cali: schon wieder nur das alte Kreml-Kriegs-Gesülze? Wann fangen sie selbst zu denken an?

Hustinettenbaer
1 Monat 13 Tage

@Calimero
Putler ließe die überlebende ukrainische Bevölkerung nach seinem Sieg ungeschoren davonkommen ?
Never. „Lösung volkspolitischer Aufgaben“…”Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Land herausgeholt wird.”…
https://de.wikipedia.org/wiki/Verbrechen_der_Wehrmacht#Polen

xXx
xXx
Kinig
1 Monat 13 Tage

Wie soll dieser Frieden denn aussehen? Sagen sie ihrem Putin Freund einfach er soll sich aus den besetzen Gebieten zurückziehen und wir haben morgen Frieden.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 13 Tage

Der russische Vernichtungsfeldzug in der Ukraine geht weiter. Das Zerstören geht weiter und Putin’s „Totaler Krieg“ hinterlässt seine blutigen Spuren. Die Einfältigen, die hier immer noch die Bezeichnung „Stellvertreterkrieg“ für die russische Aggression verwenden, wollen unbedingt eine Rechtfertigung für Putin’s Krieg liefern. So, wie einst Hitler’s fingierter Überfall auf den Sender in Gleiwitz. Die Ähnlichkeit zwischen Putin und Hitler ist erschreckend hoch. Wehret den Anfängen, wehret Putin!

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 13 Tage

…gebt denen endlich Raketen die bis Moskau fliegen…

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 13 Tage

Philingus@ Ja genau,wehret den Anfängen, hätte sich das irgendein Verantwortlicher dieses Wahnsinns zu Herzen genommen, lebten die Menschen weiter in Frieden und Sicherheit.
Wo sie gerade Hitler erwähnen, auch damals fand man ein stolzes dummes Volk samt Führer um gegen Osten zu morden,den Ausgang kennen wir.
Übrigens wurden beide Seiten unterstützt, die einen mit Geld bis 1944 die anderern mit Waffen.
Ergebnis 100Millionen Tote .

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 13 Tage

@Supergscheider „um gegen Osten zu morden“ Da freuen sich die Opfer der Stalin-Ära – gerade von Crétin Putin fortgeführt – über den tollen Sieg gegen die Nazis. Von einem Terror in den anderen Terror. Seltsam, dass ihnen das Lexem „Morden“ beim Blick auf das Verhalten russischer Truppen in der Ukraine nicht einfällt. (Naja, aber auch nicht anders zu erwarten.)

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
1 Monat 12 Tage

Philingus @ Vielleicht Missverstehen sie mich, ich verabscheue jegliche Gewalt,in jeder Form und ertrage deswegen das heuchlerische rechtfertigen aller Seiten nicht.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 13 Tage

Die strategisch wichtigen Ziele einer Spezialoperation, die die Befreiung des östlichen Landesteils zum Ziel hat, befinden sich nun offensichtlich im Zivilbereich der Hauptstadt im Landesinneren.

Hustinettenbaer
1 Monat 13 Tage

@Neumi
Wahrscheinlich verschieben sich die Ziele wegen der Plattentektonik 🤪.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

Das sind Putins Grüße an den G7 – Gipfel in Elmau.

Philingus
Philingus
Superredner
1 Monat 13 Tage

Genau! Gewalt und Zerstörung sind die einzigen Mittel, die Putin als Dialog versteht. Deswegen wendet er sie gern und oft an …

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 13 Tage

@Philingus
…das versteht Putin eben unter “Befreiung” vom Nazijoch…
🤪

widder52
widder52
Tratscher
1 Monat 13 Tage

russland macht sich so langsam lächerlich mit seinen Drohungen….. er glaubt wohl die nato und amis schlafen

NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Tratscher
1 Monat 13 Tage
War wohl auch ein Angriff mit Signalwirkung nach dem Motto: “Schaut her, wir können euch jederzeit jederorts angreifen. Ihr könnt euch nirgends sicher fühlen.” Moskaus Mühlen mahlen langsam und mit vielen Steinen im Getriebe, aber sie mahlen. Die Ukraine ist wie ein Puzzle von dem Russland Teil für Teil wegnimmt, bis nichts mehr da ist. Rückeroberung? Wohl nur Durchhalteparolen und Wunschdenken des ukrainischen Präsidenten. Wenn man die Sache nüchtern betrachtet, hat die Ukraine dem Aggressor wenig entgegen zu setzen. Und auch sämtliche Sanktionen haben bisher Null Wirkung gezeigt. Egal was noch alles sanktioniert wird. Putin wird weiter machen, bis er… Weiterlesen »
widder52
widder52
Tratscher
1 Monat 13 Tage

EU, Nato sein la pronto bann foto mochn und nix ondos… solln sich SCHÄMEN

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