7 Palästinenser und ein israelischer Offizier wurden getötet

Mehrere Tote bei Gefecht im Gazastreifen

Montag, 12. November 2018 | 15:32 Uhr

Beim Einsatz einer israelischen Spezialeinheit im Gazastreifen sind sieben militante Palästinenser und ein israelischer Offizier getötet worden. Die israelische Armee teilte mit, bei einem Schusswechsel sei ein weiterer Offizier verletzt worden. Israels Staatspräsident Reuven Rivlin zeigte sich am Montag “schockiert und traurig” über den Tod des Soldaten.

Bei dem Vorfall nahe Khan Yunis wurden nach Angaben der im Gazastreifen herrschenden Hamas mehrere Kämpfer des militärischen Arms der Palästinenserorganisation getötet, unter ihnen auch ein örtlicher Kommandant. Dieser war nach palästinensischen Angaben verantwortlich für das Graben von Tunneln, Raketenangriffe auf Israel sowie Angriffe auf israelische Soldaten. Zudem seien sieben weitere Menschen verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit.

Der Vorfall in der Nacht auf Sonntag nährte die Sorge vor einer neuen größeren Eskalation zwischen Israel und der Hamas. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten teilte mit, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe angesichts der Sicherheitslage im Süden Israels einen Besuch in Frankreich verkürzt. Am Montag sollte unter seinem Vorsitz das Sicherheitskabinett zusammentreten.

Netanyahu hatte sich zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren in der französischen Hauptstadt aufgehalten. Er sollte eigentlich am Montag den französischen Präsidenten Emmanuel Macron treffen.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman führte nach Angaben seines Büros Beratungen im militärischen Hauptquartier.

Nach Darstellung der Hamas war die israelische Spezialeinheit mit einem zivilen Fahrzeug drei Kilometer weit in den südlichen Gazastreifen vorgedrungen. Ziel der Operation sei gewesen, den 37 Jahre alten Hamas-Kommandanten Nour Baraka zu entführen. Militante Palästinenser hätten allerdings die Spezialeinheit in ihrem Fahrzeug nahe Khan Yunis entdeckt und die Identitäten der Israelis überprüft.

Dabei hätten die Israelis Nour Baraka getötet und seien anschließend in Richtung Grenze davon gefahren. Hamas-Kämpfer hätten das Feuer eröffnet und die Spezialeinheit verfolgt. Anschließend hätten israelische Kampfjets die Gegend beschossen, um den Soldaten den Rückzug zu ermöglichen. Nach palästinensischen Angaben war Baraka ein Kommandant der Ezzedin-al-Qassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas.

Ein Sprecher der israelischen Armee betonte: “Dies war kein Tötungsversuch und kein Entführungsversuch.” In einer Mitteilung hieß es lediglich, während eines Einsatzes im Gazastreifen sei es zu einem Schusswechsel gekommen. Das Militär sagte, entgegen Gerüchten seien bei dem Vorfall keine israelischen Soldaten entführt worden.

Die israelische Zeitung “Haaretz” schrieb, die Armee habe bei der Operation möglicherweise Geheimdienstinformationen sammeln wollen – etwa über Angriffstunnel der Hamas nach Israel.

Nach dem Vorfall feuerten militante Palästinenser insgesamt 17 Raketen auf Israel ab. Drei davon seien von dem Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen worden, hieß es in der Mitteilung des israelischen Militärs. In israelischen Grenzorten wurde Raketenalarm ausgelöst.

Seit März sind bei teilweise gewaltsamen Protesten an Grenze des Gazastreifens zu Israel nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums mehr als 220 Palästinenser getötet worden. Die Demonstranten fordern eine Aufhebung der seit mehr als einem Jahrzehnt bestehenden Gaza-Blockade sowie eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in Gebiete, die heute zu Israel gehören.

Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom. Die Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft.

Ägypten bemüht sich seit Monaten um einen Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Am Donnerstag hatte es Israel nach Medienberichten Gesandten aus Katar erlaubt, Koffer mit Bargeld in Höhe von 15 Millionen Dollar (13 Millionen Euro) in den Gazastreifen zu bringen. Dies sollte der Hamas unter anderem ermöglichen, ausstehende Gehälter seiner Angestellten im Gazastreifen zu zahlen.

Von: APA/ag.

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