Präsident Erdogan duldet keine Zweifler

Mehrere türkische Diplomaten auf der Flucht

Donnerstag, 11. August 2016 | 17:01 Uhr

Mehrere türkische Diplomaten widersetzen sich nach dem gescheiterten Putsch ihrer Zurückbeorderung in die Heimat und suchen Asyl im Ausland. Nach den Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Cavusoglu sind mehrere Diplomaten auf der Flucht. Der Außenminister drohte ihnen am Donnerstag mit rechtlichen Schritten.

Die Frist ist verstrichen, bis zu der die Diplomaten in die Türkei zurückkehren sollten, um sich den Ermittlungen der Behörden zu stellen. Cavusoglu sagte dem Fernsehsender NTV, zwei türkische Staatsbedienstete in Bangladesch seien nach New York geflohen. Zudem hätten sich zwei in Griechenland stationierte Militärattaches nach Italien abgesetzt. Die türkischen Behörden würden nun Italien um ihre Auslieferung ersuchen, sagte Cavusoglu.

Nach den Worten des Außenministers sind mehrere Diplomaten auf der Flucht, nachdem sie zur Rückkehr aufgefordert worden waren. Eine genaue Zahl nannte er nicht. So warte die türkische Regierung noch immer auf eine Antwort der USA bezüglich eines türkischen Offiziers, der zu einer NATO-Einrichtung in den USA entsandt worden war und nun in den Vereinigten Staaten um Asyl bitte.

Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu hatte am Mittwoch gemeldet, der in den USA stationierte und im Zusammenhang mit dem Putschversuch mit Haftbefehl gesuchte Konteradmiral Mustafa Zeki Ugurlu habe Asyl in den Vereinigten Staaten beantragt. Ugurlu sei kürzlich aus den Streitkräften ausgeschlossen worden und seit dem 22. Juli vom US-Marinestützpunkt in Norfolk verschwunden.

Nach dem Putschversuch in der Türkei sind zudem Berichten zufolge 648 Richter und Staatsanwälte zur Fahndung ausgeschrieben worden. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, meldete Anadolu am Donnerstag. Alle Betroffenen gehörten dem Hohen Rat der Richter und Staatsanwälte (HSYK) an. Der HSYK ist unter anderem für Personalfragen in der Justiz zuständig.

Seit dem Putschversuch am 15. Juli treibt die türkische Führung die von Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigten “Säuberungen” voran. Nach Angaben der türkischen Behörden wurden in Zusammenhang mit dem fehlgeschlagenen Putschversuch insgesamt 35.022 Personen festgenommen. Rund die Hälfte davon – 17.740 Menschen – befänden sich formell in Untersuchungshaft. Weitere 11.597 seien freigelassen worden, 5.685 würden weiter festgehalten, teilte ein Behördenvertreter am Donnerstag mit.

Ankara hat seit dem Umsturzversuch tausende Soldaten und Offiziere festnehmen lassen und knapp die Hälfte der Admiräle und Generäle aus den Streitkräften entlassen. Ihnen wird vorgeworfen, Anhänger des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen zu sein. Auch in der Polizei, der Justiz, der Regierung und im Bildungssektor wurden zehntausende angebliche Gülen-Anhänger festgenommen, entlassen oder suspendiert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft seinem ehemaligen Verbündeten und jetzigem Erzfeind Gülen vor, hinter dem Putschversuch zu stecken. Dieser bestreitet das.

Cavusoglu sagte weiter, dass sein Land nach Möglichkeiten zur Kooperation in der Rüstungsindustrie auch außerhalb der NATO suchen werde. Erste Option für die Türkei, die seit 1952 Mitglied der NATO ist, seien aber stets ihre Verbündeten in der Militärallianz.

Nach der Aussöhnung mit Russland will sich die Türkei wieder mit Luftangriffen am internationalen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien beteiligen. “Wir müssen alle gemeinsam gegen Daesh (arabischer Name für den IS) kämpfen”, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstag dem türkischen Sender NTV nach dessen Angaben.

Ankara forderte Moskau zudem zum gemeinsamen Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien aufgefordert. Die Idee für gemeinsame Operationen “liegt auf dem Tisch”, sagte Cavusoglu am Donnerstag dem türkischen Sender NTV. “Die Terrororganisation ist unser aller Feind. Lasst uns alle gemeinsam gegen diese Terrororganisation kämpfen”, so Cavusoglu. Der Minister sagte: “Sowohl zwischen den Präsidenten (Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin) als auch zwischen den Militärs soll ein schneller Informationsaustausch bezüglich Entwicklungen und Maßnahmen erfolgen.” Bereits vor der Krise habe die Türkei Russland dazu aufgerufen, gemeinsam gegen den IS vorzugehen.

Von: APA/dpa/ag.

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