Das Referendum hätte ursprünglich bereits 1998 stattfinden sollen

Mehrheit gegen Abspaltung Neukaledoniens von Frankreich

Sonntag, 04. November 2018 | 15:40 Uhr

Neukaledonien bleibt ein Teil Frankreichs. Die Bewohner des rund 18.000 Kilometer vom französischen Mutterland entfernt im Südpazifik gelegenen Überseegebiets stimmten bei einem Referendum am Sonntag mit einer klaren Mehrheit von 56,4 Prozent gegen die Unabhängigkeit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich “stolz” über das Ergebnis.

Macron wertete das Ergebnis als Vertrauenserklärung für Frankreich. Die Absage an die Unabhängigkeit fiel dem amtlichen Endergebnis zufolge allerdings deutlich schwächer aus als erwartet: Umfragen hatten zwischen 63 und 75 Prozent für das Nein vorausgesagt. Die Beteiligung an der Abstimmung war mit mehr als 80 Prozent sehr hoch. An dem Referendum durften etwa 175.000 Neukaledonier teilnehmen.

Nach der Abstimmung wurden vereinzelte Steinwürfe frustrierter Unabhängigkeitsbefürworter gemeldet, Autos brannten aus. Das Referendum selbst verlief jedoch friedlich.

Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Elyseepalast von einer “historischen Etappe”. Er fügte hinzu: “Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat.” Macron rief in seiner Ansprache alle Beteiligten auf, eng miteinander im Gespräch zu bleiben. “Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog.” Er schloss seine Ansprache mit den Worten. “Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich.”

Am Montag wird Premierminister Edouard Philippe zu einem Besuch in der neukaledonischen Hauptstadt Noumea erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte.

In den 80er-Jahren hatten Konflikte zwischen Nachfahren der sich selbst als “Kanaken” bezeichnenden Ureinwohner und europastämmigen Bewohnern gewalttätige Zusammenstöße ausgelöst, bei denen mehr als 70 Menschen starben. Als Reaktion wurde das Noumea-Abkommen geschlossen, das eine Dezentralisierung der Macht sowie das Unabhängigkeitsreferendum vom Sonntag sowie zwei weitere mögliche Volksabstimmungen bis 2022 vorsieht.

Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung werteten die Tatsache, dass weniger Bewohner als erwartet mit Nein gestimmt hatten, als Erfolg: “Wir sind nur noch eine Handbreit vom Sieg entfernt und zwei weitere Abstimmungen kommen noch”, sagte Alosio Sako von der Unabhängigkeitsbewegung FLNKS. “Die Kanaken wissen jetzt, dass sie ihre Entschlossenheit demonstrieren müssen, endlich frei zu sein.”

Unabhängigkeitsgegner verweisen dagegen unter anderem auf die 1,3 Milliarden Euro, die der französische Staat jedes Jahr in die öffentlichen Kassen Neukaledoniens fließen lässt. Andere befürchten einen größeren Einfluss Chinas im Pazifik, sollte Frankreich in der Region weniger präsent sein.

Das Archipel Nouvelle-Caledonie wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Auf der Inselgruppe leben rund 270.000 Menschen, weniger als die Hälfte sind Ureinwohner. Zudem kommen Nachfahren der Kolonisten und inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Die Inselgruppe besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. Zudem lagert hier ein Viertel der weltweiten Nickelvorkommen – ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung elektronischer Geräte.

Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem wird aus den Kassen der EU auch die Infrastruktur auf der Inselgruppe mitfinanziert.

Frankreich ist seit einigen Jahren auch in anderen Überseegebieten mit Protesten und Unabhängigkeitsforderungen konfrontiert. Das in Südamerika gelegene Französisch-Guyana und der Archipel Mayotte im Indischen Ozean erlebten heftige Proteste gegen den niedrigen Lebensstandard und die von vielen Bewohnern empfundene Vernachlässigung durch Paris.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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8 Kommentare auf "Mehrheit gegen Abspaltung Neukaledoniens von Frankreich"


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Tabernakel
15 Tage 2 h

Ganz schön schlau, das neukaledonische Volk.

Mistermah
Mistermah
Kinig
15 Tage 1 h

Musst du hin, kannst was lernen

denkbar
denkbar
Kinig
14 Tage 10 h

Tja die haben das Prinzip, dass ein Miteinander immer dem Gegeneinander vorzuziehen ist.
Nicht das erste Mal, dass Frankreich das Blatt wendet.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Universalgelehrter
14 Tage 21 h

Dass Sven & co nicht da waren ? Ach ja! Der war ja neulich in der Brennerstr. in Bozen…

Mure
Mure
Neuling
14 Tage 23 h

Völkerrecht predigen und Nationalismus trinke.

Bis wir, Neukaledonien, katalonien frei kommt wirds noch 100 Jahre dauern.

mandorr
mandorr
Tratscher
14 Tage 19 h

Ein Kompliment den Neukaledoniern

Volt313
Volt313
Neuling
14 Tage 11 h

Mich würde das Ergebnis bei uns interessieren. Ich denke es würde die Mehrheit für den Status quo wählen, allerdings wenn Italien durch einen Staatsbankrott oder sonst wie aus der EU austreten würde, wären die meisten schnell wieder bei Österreich. Aber ob es dann nicht schon zu spät ist… Die Südtiroler sind wahrlich Opportunisten.

Karl
Karl
Superredner
14 Tage 9 h

Nun versteht man auch warum  die Wahlen erst 20 Jahren  nach dem ersten Termin stattgefunden haben. In der Zwischenzeit sind (genauso wie bei uns in Südtirol mit den Italienern) die  Familien  mit  Franzosen und anderen Europäern  ordentlich vermischt worden und von den denen will keiner unter einer freien  Regierung  der  Urbevölkerung leben, da  man diese Menschen seit Napoleons Zeit  kolonialisiert und  ausgenutzt hat und nun Angst hat  die Retourkutsche dafür zu bekommen. 

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