Merkel bekräftigte den Willen zu EU-Gegenmaßnahmen

Merkel geht nach G-7-Eskapade hart mit Trump ins Gericht

Montag, 11. Juni 2018 | 11:59 Uhr

“Ernüchternd” und “deprimierend”: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die zurückgezogene Zustimmung von US-Präsident Donald Trump zur gemeinsamen Erklärung der G-7-Staaten scharf kritisiert. Dies sei ein “einschneidender Schritt” für die Staatengruppe, sagte Merkel am Sonntag in der ARD-Sendung “Anne Will”. Auch in anderen Punkten widersprach sie dem US-Präsidenten.

Merkel saß bereits im Flugzeug zurück nach Berlin, als Trump am Samstag über Twitter der zuvor mühsam ausgehandelten Abschlusserklärung zum Gipfeltreffen der G-7-Staaten in Kanada seine Unterstützung entzog. Diese Rücknahme per Tweet sei “ernüchternd und ein Stück deprimierend”, schilderte Merkel ihre Stimmung, als sie am Sonntagabend eine Stunde lang einziger Gast bei “Anne Will” war.

Trump begründete seinen Rückzieher damit, dass Kanada weiter Gegenzölle auf die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium plant. Zudem griff er den kanadischen Premierminister Justin Trudeau über Twitter persönlich an.

Trump setzt seine persönlichen Untergriffe gegen Trudeau auch am Montagvormittag (Ortszeit) fort. In einem aus Singapur versendeten Tweet warf er Trudeau vor, im Handelsstreit mit den USA ein Simulant zu sein. “Justin simuliert, wenn er zur Rede gestellt wird”, twitterte Trump mit Blick auf die angebliche “Prahlerei” Kanadas in Handelsfragen. Kanada selbst behaupte, einen Handelsbilanzüberschuss von fast 100 Milliarden Dollar mit den USA zu haben, schrieb Trump, ohne weitere Belege anzuführen. “Warum sollte ich, als Präsident der Vereinigten Staaten, anderen Ländern erlauben, weiterhin massive Handelsüberschüsse zu haben, wie schon seit Jahrzehnten, während unsere Bauern, Arbeiter und Steuerzahler so einen hohen und unfairen Preis zahlen müssen?”

Merkel ging in der TV-Sendung freundlich im Ton, aber hart in der Sache mit dem US-Präsidenten ins Gericht. Sie sei weiterhin der Ansicht, dass Trump in “vielen Fragen” die Prinzipien und Werte der G-7-Staaten teile. “Aber die Kündigung dieses Kommuniques ist jetzt natürlich schon ein einschneidender Schritt”, stellte Merkel klar. Gleichzeitig machte sie deutlich, an dem Format festhalten zu wollen. Trumps Entscheidung bedeute aus ihrer Sicht auch nicht das Ende der transatlantischen Partnerschaft, sagte Merkel, “aber wir können uns da nicht einfach drauf verlassen.”

Nach dem G-7-Gipfel vor einem Jahr hatte Trump den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verkündet. Seitdem tat er dies auch für das Atomabkommen mit dem Iran und verhängte Strafzölle auf Stahl und Aluminium unter anderem aus der Europäischen Union und Kanada.

Merkel bekräftigte den Willen zu EU-Gegenmaßnahmen als Antwort auf die US-Zölle. “Wir lassen uns nicht ein ums andere Mal über den Tisch ziehen”, sagte sie. Das gelte auch, wenn Trump seine Drohung wahr mache, Strafzölle auf den Import besonders deutscher Autos zu verhängen. “Dann müssen wir uns wieder überlegen, was wir tun.”

Die Politikerin äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorschlag Trumps, in der G-7 alle Zölle und Handelsbeschränkungen abzuschaffen. “Das wäre als Idealfall natürlich toll”, sagte sie, aber keine schnelle Lösung des aktuellen Konflikts. Dafür seien “umfangreiche Verhandlungen” erforderlich.

Merkel widersprach zudem der Forderung Trumps, Russland wieder zu den Gipfel einzuladen und aus dem Kreis wieder die G-8 zu machen. Die Argumente des US-Präsidenten dafür “haben mich nicht überzeugt”, sagte sie. Die Kanzlerin pochte darauf, dass es vor einem solchen Schritt seitens Moskau Zugeständnisse zur Lösung des Ukraine-Konflikts geben müsse.

Deutlich distanzierte sich Merkel von Trumps Politikstil des “America first” ohne Rücksicht auf internationale Bündnisse und Verträge. Sie glaube an “Win-Win-Situationen” durch Zusammenarbeit, betonte Merkel. “Manchmal habe ich den Eindruck, der amerikanische Präsident glaubt daran, dass immer nur einer gewinnt und der andere verliert.” Merkel warnte zudem vor einem immer weiteren “Anheizen” der Sprache in internationalen Konflikten: “Ich wünsche mir, dass wir sprachlich nicht immer uns weiter aufpumpen.”

US-Präsident Donald Trump griff indes NATO-Verbündete erneut wegen ihrer Handelsüberschüsse und geringen Verteidigungsgaben scharf an. In einer Serie wütender Tweets forderte Trump am Montag die EU-Länder auf, “viel mehr” für ihr Militär auszugeben. Die USA trügen fast die gesamten Kosten der NATO und schützten damit auch Länder, “die uns im Handel abzocken”. “Sie zahlen nur einen Bruchteil der Kosten – und lachen!”, schrieb Trump.

Er kritisierte Deutschland direkt: “Deutschland zahlt (langsam) ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts an die NATO, während wir vier Prozent eines viel größeren Bruttoinlandsproduktes zahlen”, schrieb Trump. “Glaubt irgendjemand, dass das Sinn ergibt?”, fragte Trump. “Wir beschützen Europa (was gut ist) mit großen finanziellen Verlusten, und dann werden wir beim Handel unfairer geschröpft”, fügte der US-Präsident hinzu. Zahlen, auf die Trump sich in seinen Tweets beruft, haben sich schon öfter als falsch oder irreführend herausgestellt.

“Warum sollte ich als Präsident der Vereinigten Staaten Ländern erlauben, weiter gewaltige Handelsüberschüsse zu erzielen, wie sie es seit Jahrzehnten getan haben, während unsere Bauern, Arbeiter und Steuerzahler einen so großen und unfairen Preis zahlen müssen?”, fragte Trump in einem weiteren Tweet.

Von: APA/ag.

Kommentare

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29 Kommentare auf "Merkel geht nach G-7-Eskapade hart mit Trump ins Gericht"


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Superredner
14 Tage 4 h

Merkel muss jetzt sein “Wir schaffen das ” umsetzen jetzt ist Feierabend, Trump macht den Lobbyismus Scheis und Bänker Dreck nicht mehr mit, harte Zeiten für die Wirtschaftsmafia! Super Trump👏👏👏👏👏👏

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
13 Tage 23 h
setta scheiß kommentar. und dei gonzen deppen dei des liken sein kuan stroach bessr. kuan tau von wirtschoft hoben, olls vrteifln, und ploudrn als wissetn si olls. anstott sich zu informieren, zu sechn das sirtschoftlich olls bessr gwordn isch in dr USA sobold dr obama oungfongen hot, weart do an an milliardär glab der seine erste firma in sond gsetzt hot und va sein votr a „finanzspritze“ von 9 stelligen beträgen kriag hot damitr aus di schulden kimmp; uaner der in 1 mounet nochweislich 100 mol glougen hot ( https://t.co/isUs9VTtnD ), nochweislich leit feuert dei eppes geigen ihm sogen und… Weiterlesen »
Tabernakel
13 Tage 20 h

Septimus
Septimus
Superredner
13 Tage 13 h

Dieses Bild spricht Bände: Die strenge Politikerin und der Macho….👍👍👍

PapaTomba
PapaTomba
Neuling
14 Tage 2 h

ich mag keine diplimatische Floskeln mehr hören von Merkel und Co.
ich wünsche mir eindeutige Aussagen wie vom Weltnarktführer Würth, der in USA nicht mehr investiert, solange Trump an der Macht ist.

Dieses Gekusche vor diesem klimawandel leugnenden, menschenfeindlichen, selbstverliebten Vollhorst widert mich an

Mag sein, das man ihn noch ne Legislaturperiode ertragen muss, aber in Watte packen muss man ihn nicht.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
13 Tage 14 h

Es istvschwierig dass leite etwas verstehen, wenn ihr Gehalt davon abhängt, dass sie es nicht verstehen

speckbrot
speckbrot
Superredner
13 Tage 23 h

Trump tut Ungeheuerliches: Er setzt das um, was er versprochen hat.
Bis jetzt ist seine Amtszeit durchwegs positiv: die Wirtschaft angekurbelt, die Arbeitslosigkeit massiv reduziert, die illegale Einwanderung genauso, weder den Syrien- Konflikt noch den Ukraine- Konflikt angefeuert, die Verbindung USA- Israel enger denn je, und mit dem Nordkoreaner trifft er sich auch noch. 

Vom Anti- Political Correctness- Klima gar nicht zu reden. “Wir sind ein Staat, kein Siedlungsgebiet”- so begründete er, warum er das UNO- Gaunerstück Global Compact for Migration bei sich nicht aufführen will.

ivo815
ivo815
Kinig
13 Tage 21 h

Du tust mir aufrichtig leid

Blitz
Blitz
Superredner
13 Tage 20 h

einziger guter Komentar !

Tabernakel
13 Tage 19 h

Die Arbeitslosenquote ist noch Beschlüsse von Obama zurückzuführen.

traktor
traktor
Universalgelehrter
13 Tage 16 h

@ivo815
du mir auch

Waltraud
Waltraud
Superredner
14 Tage 4 h

Als ob der sich von Merkel….gerade von der Merkel was sagen lässt.

Tabernakel
13 Tage 20 h

Wird er wohl müssen. Nur hat er es feige Vorgezogen erst ausser Reichweite feige über Twitter zu maulen.

Tabernakel
13 Tage 19 h

Muss er nicht, muss aber die Konsequenzen tragen.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
13 Tage 16 h

Zdf Magazin Frontal21: auf den bundeswehr-Fliegerhorst Büchel stationiert die Usa neue Atomwaffen. Bundestag stimmt dagegen. Merkel stimmt zu!
Die neue Kommandozentrale der NATO, sprich Usa, entsteht in Ulm. Und wer bezahlt?
Us Armee sucht neue Stützpunkte in Deutschland. Zurzeit 36000 Soldaten und 200000 us Zivilisten in Deutschland. Tendenz steigend!
Blabla Frau Merkel! Sie können gar nichts machen gegen die us Besatzung

wellen
wellen
Superredner
14 Tage 3 h

Allein das Foto! Ha Merkel bezwingt den Frauenfeind Trump. Ubd die Chinesen lächeln.

ivo815
ivo815
Kinig
13 Tage 21 h

Die Chinesen sind Japaner 😉

a sou
a sou
Tratscher
14 Tage 1 h

Miss “Ich fahr ganz Europa an die Wand” geht “hart” in Gericht… Ne ist klar…. Wenn sich in Europa nicht grundlegend was ändert, lachen in 4 Jahren nicht nur die Amis sondern die halbe Welt. Wahrscheinlich wurde sie sogar dafür eingesetzt. Dass wieder mal “Germoney” Europa an den Abgrund bringt. Scheint ja irgendwie Routine zu sein.  

Aurelius
Aurelius
Superredner
13 Tage 16 h

a sou

richtig. Europa vor allem.Merkel hat sich zu sehr auf die USA verlassen. In Europa muss eine andere Polikik gemacht werden. Putin hat man ausgeschlossen, obwowl ich denke, dass Trump weit gefählicher ist als Putin

typisch
typisch
Universalgelehrter
14 Tage 1 h

trump lacht sich gerade einen ab

Tabernakel
13 Tage 19 h

Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

typisch
typisch
Universalgelehrter
13 Tage 13 h

@Tabernakel
bis jetzt lacht immer nur trump und dabei werden ihm die füße geküsst😀👍

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
13 Tage 23 h

dr trump erzeilt viel scheiße, obr ba den Militärausgoben hotr leidr recht.

https://youtu.be/BLu3qJ_p0ZU

dumm ischer trotzdem

a sou
a sou
Tratscher
13 Tage 21 h

So wia du? Mehr oder wianiger? Oder decht gelch? 

Tabernakel
13 Tage 20 h

Dem Typen kannst nicht einmal mehr ein Zuckerle verkaufen ohne das er den Vertrag widerruft.

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
13 Tage 15 h

Deswegen sind die Verträge Unsinn. Europa muss endlich auf eigenen Füßen stehen. Eine Allianz mit Russland wäre vorteilhaft

Leonor
Leonor
Tratscher
13 Tage 15 h

Tabernakel

Wenn Trump seine Zuckerle nicht bekommt, da gerät er sich gleich in Trotzphase…

Tabernakel
13 Tage 20 h

sakrihittn
sakrihittn
Superredner
13 Tage 14 h

Dem Trump werden jetzt aber ordentlich die Knie zittern…buuuhhh…Europa speziel Deutschland hat überhaupt nicht’s gegen den Amerikanern zu melden…den 2 Weltkrieg schon vergessen? Bis 2099 keine eigene Regierung, schon mitbekommen?

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