Wichtige Dinge sollten noch diskutiert werden

Merkel lehnt zweites TV-Duell mit Schulz ab

Mittwoch, 13. September 2017 | 15:29 Uhr

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt ihrem Herausforderer Martin Schulz nach dessen Aufforderung zu einem zweiten TV-Duell einen Korb. “Zum Thema TV-Duell ist alles gesagt”, wies Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin den Vorstoß des SPD-Kanzlerkandidaten zurück.

Schulz hatte seine Forderung damit begründet, wichtige Themen seien bei seinem bisher einzigen TV-Duell mit Merkel am 3. September zu kurz gekommen. “Deshalb habe ich Frau Merkel heute einen Brief geschrieben und sie aufgefordert, ein nächstes Duell mit mir zu machen, damit all diese Punkte auch diskutiert werden können”, sagte Schulz am Dienstagabend in der ZDF-Sendung “Klartext”. In dieser Sendung hatten viele Zuschauer dem SPD-Kanzlerkandidaten Fragen zu sozial- und auch umweltpolitischen Themen gestellt. Schulz äußerte anschließend sein Bedauern, dass er darüber nicht direkt mit Merkel habe diskutieren können.

“Angela Merkel hat gerne an einem TV-Duell teilgenommen”, hieß es jedoch auch aus der CDU-Zentrale in Berlin. Das bisherige Format mit nur einem Duell habe sich aber bewährt. “Und dabei belässt sie es”, hieß es weiter mit Blick auf Merkel.

SPD-Vize Ralf Stegner nannte die Absage Merkels ein “Armutszeugnis”. “Wenn man keine Positionen hat, fällt es eben schwer, diese öffentlich zu vertreten”, hielt er der Kanzlerin im “Handelsblatt” vor. ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn bekräftigte in der “Saarbrücker Zeitung” (Donnerstag) das Angebot des Senders, ein zweites Duell auszurichten.

Schulz hatte sich von vornherein für mehrere TV-Duelle mit Merkel ausgesprochen, was die Kanzlerin und CDU-Chefin aber stets ablehnte. Nach dem TV-Duell der beiden Spitzenkandidaten am 3. September war kritisiert worden, dass zwar ausgiebig über die Themen Türkei und Flüchtlinge gesprochen wurde, jedoch kaum über zentrale SPD-Themen wie Gesundheit, Bildung und Arbeit.

Linken-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn forderte statt eines zweiten TV-Duells ein erweitertes Gesprächsformat, bei dem sich Merkel und Schulz beide “der Auseinandersetzung mit den anderen Parteien stellen würden”. Nur dann könnten sich die Wähler wirklich ein Bild machen, “wie das Land in ihrem Interesse künftig regiert werden soll”, sagte Höhn der Nachrichtenagentur AFP.

In den Meinungsumfragen liegen eineinhalb Wochen vor der Wahl die SPD und Schulz weit hinter der CDU/CSU und Merkel zurück. Dem am Mittwoch veröffentlichten “stern-RTL-Wahltrend” zufolge kann die CDU/CSU derzeit mit 37 Prozent der Stimmen rechnen, die SPD mit 23 Prozent. Für die Union ist das allerdings im “Wahltrend” der niedrigste Wert seit vier Monaten. Bei der Kanzlerpräferenz legten Schulz und Merkel jeweils um einen Prozentpunkt zu. Merkel blieb aber auch hier mit 48 zu 22 Prozent klar in Führung. Die Bundestagswahl findet am 24. September statt.

Auf Twitter wurde Merkel wegen ihres Neins zu einem zweiten TV-Duell von Internet-Nutzern “Feigheit” vorgeworfen. Allerdings gab es auch Stimmen, die sich generell kritisch zu diesem Gesprächsformat äußerten. Auf dem Internetportal change.org unterzeichneten bis Mittwochnachmittag mehr als 25.000 Bürger eine Petition mit der Forderung nach einem zweiten TV-Duell.

Laut dem Mainzer Wahlforscher Thorsten Faas hat Schulz trotz anhaltend schlechter Umfragewerte für die SPD noch eine Chance für den Einzug ins Kanzleramt. “Ob es Martin Schulz vielleicht am Ende gelingt, doch noch eine Ampel-Koalition oder ein Rot-Rot-Grün-Bündnis zu schmieden, wenn es die Mehrheiten zulassen, ist unabhängig von der Frage zu sehen, wer stärkste Kraft wird”, sagte der Politik-Professor der Wochenzeitung “Das Parlament” (Ausgabe 18.9.2017).”

Die Rolle der vielen Unentschlossenen ist nach seinen Worten nur schwer einzuschätzen: “Wenn es bestimmten Parteien gelingt, sie mehr als andere zu mobilisieren, kann auf der Zielgeraden noch etwas passieren. Wenn die Unentschlossenen aber am Ende zu Hause bleiben, dann bleibt es eher bei den Umfragen, wie wir sie sehen.”

Künstler und Autoren riefen zur Wahl der SPD auf. Mit Schulz könne die “Weiter so”-Politik von Amtsinhaberin Merkel beendet werden, hieß es am Mittwoch in dem von dem deutschen Grafiker Klaus Staeck und dem Autor Johano Strasser initiierten Aufruf. Die rechtspopulistische AfD (Alternative für Deutschland) griff Merkel unterdessen mit einer Website in düsterem Design direkt an. Auf der Website Merkeldieeidbrecherin.com, für die laut Impressum der AfD-Bundesvorstand verantwortlich ist, wird Merkel vorgeworfen, sie habe ihren Amtseid verletzt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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9 Kommentare auf "Merkel lehnt zweites TV-Duell mit Schulz ab"


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Lingustar
Lingustar
Superredner
7 Tage 11 h

Klar, es muss noch diskutiert werden, wer von Beiden denn jetzt die Pest, und wer die Cholera ist. Und natürlich, wie man sich denn am Besten in den nächsten vier Jahren die eigenen Taschen vollstopfen kann.

Antivirus
Antivirus
Tratscher
6 Tage 22 h

da muss ich zu 100pro einfach mal zustimmen; alle beide sind aus dem selben Holz geschnitten EU Diktatoren, dazu kommt noch einer im Weinfass die andere bei der Stasi aufgewachsen wer nun Pest o. Cholera das sollte irrelevant sein..

Dublin
Dublin
Universalgelehrter
6 Tage 20 h

…die beiden tun sich nicht weh…läuft auf Neuauflage einer grossen Koalition aus…wäre also nur überflüssige show für’s Stimmvieh… 😅

Blitz
Blitz
Tratscher
7 Tage 12 h

Schulz hat gegen Merkel null Chance; also bleibts so, wie es ist !

denkbar
denkbar
Universalgelehrter
7 Tage 4 h

Recht hat sie!

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
7 Tage 4 h

Er könnt sie in seiner Verzweiflung noch zu einem Boxkampf herausfordern oder mit Kurzwaffen duellieren. 😂

zombie1969
zombie1969
Superredner
7 Tage 9 h

Inszeniertes Theater, finanziert von Zwangsabgaben. Auserlesene Gäste, auserlesene Fragen, auserlesene Antworten. Lachhaft, aber gut, dass es so deutlich ist. Damit geben sich diese Demokratisten die letzte Blösse.
 A. Merkel ist letztlich total überfordert mit all den Sorgen, welche die Globalisierung und vor allem die “Flüchtlingskrise” ala “Refugees welcome” verursacht hat. Sie hat keine klaren Lösungen, sondern flickt nur bedürftig. Besonders die “Flüchtlingskrise” hat solch gewaltige Probleme gebracht, welche nicht gelöst werden können durch ihre Verursacher. Nur eine Besinnung auf das eigne und ein zurück zur Regionalität kann die Wunden noch heilen.

knoflheiner
knoflheiner
Superredner
7 Tage 11 h

ändert sich nichts und wird genauso langweilig wie das letzte tv-duell
wer die letzten vier jahre und länger die politik verfolgt hat, weiß wehm er wählt.

Pfannkuchen
Pfannkuchen
Neuling
7 Tage 7 h

Ein Debattenformat wie in Österreich wäre angebracht.

Außerdem, kaum einer
merkt es: Wir haben kein Flüchtlingsproblem, oder sonst dergleichen wir haben ein
Demokratieproblem. Die Angst wird für Machtspiele genutzt.

Die Hysterisierung dieser “Gefahr” wird dann in der Aufmerksamkeitsökonomie ausgeschlachtet.

Was dann dazu führt das Teile einer Bevölkerung bereit zu sein scheinen, demokratische Grundwerte und
humanistische Gewissheiten der Zivilgesellschaft zu opfern, um der “Gefahr” zu begegnen.

Für Dumme: Wer heute Hetzt spielt großen Teilen der politischen Klasse erst in die Hände, macht sich zum Diener. 😱

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