Biden Lobte Merkels Rolle in den vergangenen Jahren

Merkel und Biden betonen deutsch-amerikanische Partnerschaft

Freitag, 16. Juli 2021 | 09:26 Uhr

Nach heftigen deutsch-amerikanischen Turbulenzen in den vergangenen Jahren haben US-Präsident Joe Biden und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel ein klares Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft abgelegt. “Wir sind nicht nur Verbündete und Partner, sondern eng befreundete Nationen”, sagte Merkel am Donnerstag in Washington nach einem langen Gespräch mit Biden. Dieser stellte die Zusammenarbeit als alternativlos dar und dankte Merkel für ihre “starke Führungsrolle”.

“Ich weiß, dass die Partnerschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten auf dem Fundament, das Sie mit aufgebaut haben, noch stärker werden wird”, so Biden weiter. In einer “Erklärung von Washington” bekräftigten beide Seiten ihr Bekenntnis zu “enger bilateraler Zusammenarbeit bei der Förderung von Frieden, Sicherheit und Wohlstand auf der ganzen Welt”.

Gleichzeitig machten Biden und Merkel deutlich, dass sie bei der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 weiter unterschiedlicher Auffassung seien. Auch gute Freunde könnten Meinungsverschiedenheiten haben, meinte Biden. Er warnte Russland davor, seine Energievorkommen als “Waffe” oder Druckmittel gegen seine Nachbarn wie die Ukraine einzusetzen. Er habe Merkel nochmals seine Bedenken bezüglich Nord Stream 2 ausgedrückt, sagte Biden bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Weißen Haus. Die USA und Deutschland seien einig, die Ukraine bei Reformen und im Blick auf deren Souveränität und territoriale Integrität zu unterstützen.

Die fast fertiggestellte Pipeline soll Erdgas von Russland an der Ukraine vorbei direkt nach Deutschland bringen. Merkel betonte, Nord Stream 2 sei ein zusätzliches Projekt und keine Alternative zum Gastransit durch die Ukraine. “Unser Verständnis war und ist und bleibt, dass die Ukraine Transitland für Erdgas bleibt.” Alles andere würde “sehr große Spannungen hervorrufen”. Sie versicherte, “dass wir aktiv handeln werden, wenn Russland dieses Recht der Ukraine auf Transitland nicht einlösen wird”.

Die Ostsee-Pipeline ist aktuell das größte Konfliktthema zwischen den USA und Deutschland. Die USA und einige osteuropäische NATO-Partner befürchten eine zu starke Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen und lehnen das Projekt deswegen ab. Washington und Berlin bemühen sich seit Wochen um einen Kompromiss.

Merkel absolvierte in Washington einen Abschiedsbesuch. Dieser sollte den Neuanfang der deutsch-amerikanischen Beziehungen nach einem Tiefpunkt in der Ära von Bidens Vorgänger Trump markieren. Biden bemüht sich darum, die unter Trump schwer belasteten Beziehungen zu Deutschland und zu anderen Verbündeten der USA wieder zu reparieren. Merkel war die erste Regierungschefin aus Europa, die Biden seit seiner Amtsübernahme am 20. Jänner im Weißen Haus empfing. Die CDU-Politikerin wird bei der Bundestagswahl im September nicht wieder kandidieren und sich danach aus der Politik zurückziehen.

Weitere Themen der Gespräche waren unter anderem die Beziehungen zu China und Russland sowie die Klimapolitik. Deutschland und die USA beschlossen nach Merkels Worten eine Energie- und Klimapartnerschaft. Dies sei ein wichtiges Zeichen, sagte die Kanzlerin. Es gehe um den Ausbau zukunftsfähiger Technologien wie Wasserstoff oder erneuerbare Energien. “Wir stehen hier im Wettbewerb mit anderen auf der Welt, und diesen Wettbewerb wollen wir erfolgreich bestehen.” Merkel sagte, sie sei froh, dass die USA in das Pariser Klimaabkommen zurückgekehrt seien.

Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte sich die USA aus dem Abkommen zurückgezogen. Biden machte diese Entscheidung an seinem ersten Tag im Amt wieder rückgängig.

Merkel hatte schon bei der Begrüßung durch Biden betont, dass sie die Freundschaft zu den USA sehr schätze. “Ich weiß, was Amerika für die Geschichte eines freien und demokratischen Deutschlands getan hat.” Biden nannte Merkel eine gute Freundin. Kurz vor ihrem Eintreffen hatte er die Partnerschaft mit Deutschland bereits als “eisern” gewürdigt. Man sei entschlossen, in den kommenden Jahren gemeinsame Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen, schrieb Biden auf Twitter.

Merkel wurde vor dem Treffen mit Biden von der Johns-Hopkins-Universität mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. In ihrer Dankesrede forderte sie, die Vereinten Nationen handlungsfähiger zu machen. “Denn unverändert bieten sie die beste Chance, um globale Antworten auf globale Fragen zu finden.” Merkel betonte: “Das Gebot in unserer vielfach vernetzten, aber auch so verletzlichen Welt ist es, unsere Kräfte zu bündeln. Wie wichtig das ist, das zeigt besonders deutlich die Coronavirus-Pandemie.” Allen sollte klar sein, dass diese nur gemeinsam zu überwinden sei.

Biden kündigte an, sich voraussichtlich in den kommenden Tagen zu den coronabedingten Einreisebeschränkungen für Menschen aus Deutschland und anderen europäischen Schengen-Staaten zu äußern. Merkel habe das Thema zu Sprache gebracht. Derzeit werde darüber beraten, wie die Reisebeschränkungen bald aufgehoben werden könnten. Er werde die Frage in den kommenden Tagen beantworten können, so Biden. “Ich warte darauf, von unseren Leuten in unserem Covid-Team zu hören, wann das geschehen soll.”

Die deutsche Kanzlerin traf sich zum Auftakt ihrer politischen Gespräche zunächst zu einem Frühstück mit US-Vizepräsidentin Kamala Harris an deren Amtssitz. Diese erklärte später, man habe das gemeinsame Interesse an einer Stärkung der transatlantischen Partnerschaft zum Ausdruck gebracht, außerdem an einer Fortsetzung der engen Zusammenarbeit auf Feldern wie dem Kampf gegen die Pandemie, globaler Gesundheit und dem Umweltschutz.

Am Abend (Ortszeit) wollten der US-Präsident und First Lady Jill Biden ein Abendessen zu Ehren der Kanzlerin geben. Daran sollte auch Merkels Ehemann Joachim Sauer teilnehmen. Anschließend wollten Merkel und ihre Delegation nach Deutschland zurückfliegen.

Biden-Vorgänger Trump hatte Deutschland mehr als Konkurrenten und weniger als Verbündeten gesehen. Der Republikaner hatte immer wieder die deutschen Verteidigungsausgaben, den deutschen Handelsüberschuss und auch Nord Stream 2 scharf kritisiert.

Von: APA/dpa

Kommentare

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22 Kommentare auf "Merkel und Biden betonen deutsch-amerikanische Partnerschaft"


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Offline
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Kinig
20 Tage 16 h

Das freie Deutschland verdankt seine nach dem II. Weltkrieg wiedererlangte Freiheit !! zur überwältigenden Mehrheit den Vereinigten Staaten von Amerika.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 13 h

@offline
Haben die meisten vergessen, oder wollen es vergessen.

quilombo
quilombo
Superredner
20 Tage 12 h
Offline, das ist eine groteske Verzerrung der Geschichte. Die Usa sind erst gekommen, als die Russen dabei waren den Krieg zu gewinnen. Es ging den Usa einzig und allein darum, einen Teil vom Kuchen zu ergattern. Genauso hatten sie es auch geplant, allerdings wollten sie warten, bis Deutschland mit Rußland fertig wäre, danach wären sie gekommen, um ganz Europa einzukassieren, inklusive Deutschland. Dieser Plan ging nicht ganz auf, aber wenn es der Usa daran gelegen hätte den Krieg zu beenden, hätten sie das 4 Jahre früher schon tun gekonnt, indem sie alle Finanzhilfen an alle Teilnehmer eingestellt hätten. Viel Leid,… Weiterlesen »
pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
19 Tage 23 h

@quilombo
Das ist total falsch. Der D-Day war entscheidend.

Zugspitze947
19 Tage 22 h

Offline:geau so ist es und Deutschland handelt auch danach=zumindest die UNION ! 🙂 Leider hat der Hetzer und LÜGNER TRUMPL sehr viel davon zerstört 🙁

Zugspitze947
19 Tage 22 h

quilombo wieder so ein totaler UNSINN und Verdrehung der Tasachen ! Die USA haben Russland in den Ketzten Jahren des Kriegs an die 500.000 Schwerfahrzeuge = Panzer_LKW Schiffe und jede Menge sonstiges Material geliefert damit die Rote Armee erst in der Lage war bis nach Deutschland vorzurücken !!!!!!!!!! 🙂 Ohne die massive Invasion mit 150.000 Mann und Material über den Kanal wäre Deutschland bzw. Hitler nie besiegt worden ! Nicht umsonst sagte Churchill nach dem Krieg: Wir haben das FALSCHE Schwein geschlachtet ! 🙁

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Kinig
19 Tage 8 h

@quilombo..was sprich bei Ihnen eigentlich gegen eine Auswanderung nach Brasilien, Ungarn, Türkei, Russland oder in sonst eine andere, “lupenreine” Demokratie ??

Neumi
Neumi
Kinig
17 Tage 23 h

Ich würde sagen, hauptsätzlich den Briten. Die haben das Informationsnetz ausgebaut und mit vergleichsweise wenig Resourcen lange durchgehalten. Sie stellten zwar nicht die Masse an Soldaten, aber waren das wichtigste taktische Element.
Ohne England als Startpunkt hätte es auch keine amerikanischen Bomber in dieser Form geben können.

Die Franzosen haben trotz Kapitulation auch ihren Teil dazu beigetragen. All die Resouren, die verwendet wurden, um Frankreich zu befireden, wären sonst an anderer Stelle schmerzlich present gewesen. Italien hat wie immer rechtzeitig die Seiten gewechselt, was den Eimarsch von Süden her doch sehr begünstigt hat.

brunner
brunner
Universalgelehrter
20 Tage 17 h

Partnerschaft?Die USA stehen China mit ihren Abhöraktionen und ihrer Spionagetätigkeit in nichts nach!

Zugspitze947
20 Tage 15 h

brunner : Zum Glück ,denn sonst würde Putin-China und andere tunwas sie wollen 🙁

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Kinig
19 Tage 8 h

@Zugspitze947..ich fühle mich im NATO OTAN Bündnis mit den USA und weiteren westlichen Staaten auf jedem Fall deutlich sicherer als in sonst einer “Despoten-, Autokraten- oderTräumervariante”

Zugspitze947
18 Tage 17 h

offline:auf jeden Fall ! 🙂

Tigre.di.montana
20 Tage 12 h

Die Völker Osteuropas verdanken ihre Freiheit den eigenen Bürgerbewegungen und den Vereinigten Staaten.
Die Alternative ist: Verbrecherichen Regîmes wie denen Putins oder Lukaschenko ausgeliefert zu sein.

quilombo
quilombo
Superredner
20 Tage 9 h
du vergißt wohl, daß Rußland dem Westen wiederholte Male angeboten hatte, Europa zu vereinen, aber auf friedlichem Weg und schrittweise, um traumatische Situationen auszuklammern, (welche es dann wirklich gab). Aber die Usa haben jedesmal den Vorschlag zurückgewiesen. EUropa wurde nicht gefragt. Erstens hätte ein so geeintes Europa mit Rußland in freundschaftlicher Nachbarschaft gelebt. Das wollten die Usa nicht, sie sind immer auf Konfrontation aus und brauchen einen Feind um zu überleben. Zweitens wäre ein so geeintes Europa für die Usa eine zu starke wirtschaftliche Konkurrenz geworden. Wenn die Usa gewollt hätten, wäre Deutschland schon 1960 geeint gewesen. Aber die Sturheit… Weiterlesen »
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Kinig
19 Tage 8 h

@quilombo..”zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt’… 🎼🎼🎼

Tigre.di.montana
18 Tage 22 h

@Quilombo: 1956 hatte die UdSSR in Budapest ein blutiges Massaker begangen, 1961 mut der Berliner Mauer die Bevölkerung der DDR in ein Gefängnis gesperrt, in Kuba Atomraketen stationiert.
Wer hätte denn dieser Mörderbande geglaubt?

Tratscher
18 Tage 7 h

@Tigre.di.montana
Von 1950-53 haben die USA Nord-Korea in die Steinzeit zurückgebombt; zeitweise hatte die USAF keine Ziele mehr, aber nicht weil sie die Zivil-Bevölkerung geschont hätten.
Wieso es fast! zur Stationierung von Atomraketen in Kuba gekommen wäre, weißt du wohl auch nicht.
So viele Wissens-Lücken…

Neumi
Neumi
Kinig
17 Tage 22 h

@ quilombo Russland hatte damals doch selbst erst eine Revolution hinter sich, Millionen Stalin-Tote und Krieg und Unterdrückung un allen Regionen. Deren Angebot zur friedlichen Vereinigung würde ich mit Vorsicht genießen.

Tigre.di.montana
18 Tage 22 h

@Quilombo:
“Die Usa sind erst gekommen, als die Russen dabei waren den Krieg zu gewinnen.”
Russland ist mit Deutschland zusammen 1939 in Polen eingefallen. In Katyn haben die Russen die gefangenen polnischen Offiziere ermordet.
Die UdSSR war Täter von Anfang an. Frag doch einmal einen Polen hier im Forum wie er das sieht…

Tratscher
18 Tage 7 h
@tigre “Russland ist mit Deutschland zusammen 1939 in Polen eingefallen.” Falsch, weil du zu viel auslässt. Die Sowjetunion marschierte erst am 17. November in Ostpolen ein. Der Hitler-Stalin Pakt kam erst zustande, nachdem alle Bündnisversuche Stalins mit GB oder Frankreich gescheitert waren. Polen hatte 1938 noch gierig Teile Tschechiens annektiert und Ostpolen war auch nicht gerade nur ethnisch polnisch. “In Katyn haben die Russen die gefangenen polnischen Offiziere ermordet.” Ein schreckliches Verbrechen. Wie sie auch unzählige Deutschland verübt hat. Aber: das jetzige Deutschland setzt du doch auch nicht mit dem von 1939 gleich, wieso versuchst du die Sowjetunion von 1939… Weiterlesen »
Tratscher
17 Tage 23 h

stationierten wollte sollte es natürlich heißen…

Tigre.di.montana
17 Tage 20 h

@Ohma: Russland hat mit Deutschland den Überfall auf Polen geplant. Gemeinsame Verbrechen, gemeine Verbrecher.

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