Gut gelaunte Kanzlerin Merkel beim Sommerinterview

Merkel wirbt für mehr Corona-Impfungen

Donnerstag, 22. Juli 2021 | 17:56 Uhr

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre voraussichtlich letzte Sommer-Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin für einen eindringlichen Appell für mehr Impfungen gegen das Coronavirus genutzt. “Je mehr Menschen geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein”, sagte die Kanzlerin. Sie warnte vor einer erneuten Verschlechterung der Lage angesichts exponentiell wachsender Infektionszahlen. Beim Klimaschutz räumte Merkel Versäumnisse und Enttäuschungen ein.

Auch diejenigen, die noch zögerten, sollten bedenken: “Jede Impfung ist ein kleiner Schritt zu mehr Schutz für alle”, sagte Merkel. Daher sollten auch alle, die bereits überzeugt und geimpft sind, in Familien- und Freundeskreis oder am Arbeitsplatz für mehr Impfschutz werben.

Die wieder starke Zunahme der Infektionen, deren Zahl sich regelmäßig verdoppelt, bezeichnete Merkel als “dramatisch”. Daher müssten Vorsichtsmaßnahmen unbedingt weiterhin und auch wieder verstärkt eingehalten werden. “Regelmäßiges Testen muss und wird auch wieder verstärkt eine Rolle spielen”, sagte die Kanzlerin.

Die Kanzlerin schwor das Land des weiteren auf eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Bewältigung der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands ein. “Wir werden zur Behebung all dieser Schäden einen langen Atem brauchen”, sagte Merkel. Ziel sei eine gemeinsame Finanzierung der Flutschäden, sagte Merkel. Die Bundesregierung habe einen Betrag von 200 Millionen Euro für Soforthilfe zur Verfügung gestellt. In den nächsten Tagen und Wochen werde mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer darüber gesprochen, wie ein gemeinsamer Aufbaufonds organisiert werden kann.

Den weltweiten Klimaschutz bezeichnete Merkel als zentrale Aufgabe ihres Wirkens und kritisierte zugleich das Wahlprogramm der CDU. “Mein politisches Leben ist eigentlich gekennzeichnet – ab 1994 als ich Umweltministerin wurde – von der Arbeit für Maßnahmen gegen den Klimawandel”, sagte die CDU-Politikerin. Dennoch sei weltweit gemessen an den Zielen nicht ausreichend viel passiert. “Deshalb muss das Tempo angezogen werden.” Sie bemängelte im Unions-Wahlprogramm, dass danach auch mit Klimaschutz im Ausland die deutschen Ziele erreicht werden sollten. Dies stehe wohl nicht mit dem Pariser Weltklimavertrags von 2015 im Einklang.

Merkel erklärte, der Klimaschutz werde alle gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Es komme daher darauf an, möglichst viele Menschen mitzunehmen. So dürften Mieter den CO2-Aufschlag bei den Heizkosten nicht komplett alleine tragen. Hier müsse eine neue Regierung kluge Lösungen finden. Menschen auf dem Land etwa empfänden den Bau von Windrädern oder Überland-Stromleitungen als Belastung. Sie sähen beim Wandel zu erneuerbaren Energien kaum Vorteile für sich. “Das Ganze wird vielleicht mit dem tiefst greifenden Wandel, den wir kennen – von Wirtschaften, Leben, Energieversorgung – einhergehen.”

Die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future kündigte unterdessen für die kommenden Wochen neue Groß-Demonstrationenfür größere Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung an. Auch für Freitag sind Proteste angemeldet. Fridays for Future teilte dazu mit, die Aktivistinnen und Aktivisten wollten dabei zum einen besseren Klimaschutz einfordern, aber auch der Todesopfer der verheerenden Flutkatastrophe gedenken und Spenden für davon Betroffene sammeln.

Merkel lobte die Aktivitäten von Fridays for Future ausdrücklich. Die Bewegung sei “für uns Antriebskraft”, dies sei “positiv”. Als Kanzlerin müsse die allerdings berücksichtigen, dass es auch andere Meinungen in Deutschland gebe.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock drängte indes auf konkretes Handeln statt bloßer Ankündigungen beim Klimaschutz. “Wir brauchen radikale Maßnahmen für heute”, sagte sie am Mittwochabend im Online-Forum der “Frankfurter Rundschau”. “Klimaschutz fällt nicht vom Himmel, sondern er muss auch gemacht werden.”

Auch Baerbock ging auf die Hochwasser-Katastrophe ein: “Wir erleben, dass die Klimakrise jetzt ist und zwar nicht am anderen Ende der Welt, sondern bei uns direkt vor Ort.” Daher müsse auch die Vorsorge für Folgen des Klimawandels verstärkt werden.

Die Festlegung auf eine gemeinsame EU-Asylpolitik bezeichnete Merkel in ihrem Sommerinterview als wichtige Herausforderung. Es sei noch nicht gelungen, für die EU eine gemeinsame Asylpolitik festzulegen. Dies sei eine schwere Bürde für die EU und müsse gelöst werden. Es agierten immer noch in einem erheblichen Maße Schlepper und Schleuser.

In ihrer fast 16-jährigen Amtszeit hatte Merkel aus eigener Sicht nur Krisen zu bewältigen, die ihre Ursachen nicht in Deutschland hatten. Die deutsche Kanzlerin zählt dazu die Finanzkrise von 2007/08, die Euro-Rettung, die Flüchtlingskrise von 2015, den Klimawandel und die Corona-Pandemie. “Was meine Amtszeit schon durchzogen hat, immer, ist, dass wir halt nicht alleine mit nationaler Politik unsere Herausforderungen bewältigen können, sondern dass wir Teil einer Weltgesamtheit sind, und das ist ja auch das Thema, das wir bei Klima sehen”, sagte Merkel.

Merkel ist seit 22. November 2005 deutsche Bundeskanzlerin. Bei der Bundestagswahl Ende September tritt sie nicht mehr an. Sie will sich dann aus der aktiven Politik zurückziehen. “Ein Leben ohne Krisen ist einfacher. Aber wenn sie da sind, müssen sie bewältigt werden. Dafür sind wir Politiker”, sagte Merkel.

Von: APA/AFP/dpa/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "Merkel wirbt für mehr Corona-Impfungen"


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Kinig
8 Tage 19 h

Verehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel. Wenn während ihrer Amtszeit zu wenig und zu langsam Maßnahmen zum Umweltschutz umgesetzt wurden, dann graust 😱mir jetzt schon vor ihrem potentiellen Nachfolger im Amt. Denn für den ” Kandidat ” ist Umweltschutz bis jetzt ein Fremdwort.

genau
genau
Kinig
8 Tage 15 h

Jaja die Umwelt-Masche! 🙄😀

Offline
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Kinig
8 Tage 15 h

Wer von den hier einheimischen 👎 Drückern weiß überhaupt, wen ich meine ?

faif
faif
Superredner
8 Tage 13 h

@Offline
…ist doch klar den nicht-für-die-umwelt-Laschet.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
8 Tage 11 h

RB. Rheinbraun-Bernd. Oder VmSzK. Vorbei-mit-Schlafwagen-zur-Kanzlerschaft.

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
8 Tage 20 h
Hallo aus D, wenn ich Freiheit und Normalität haben möchte setze ich mich ins Auto und bin in 45 Minuten in den Niederlanden. Schönes Interview, freut mich wenn sie die Hochwasserkatastrophe  schon wieder verdrängt hat und wieder “Weltpolitik” macht. Zwischen den Zeilen lese ich Energieverteuerung und Mobilität als Luxusgut. Für die “Umwelt” ,davon wird die Coronaparty bezahlt deren Ende nicht mal mehr ansatzweise in Aussicht gestellt wird. Die “gemeinsame Asylpolitik” scheitert gerade ein bisschen an den anderen europäischen Staaten welche den Kopf schütteln und nein sagen. Ich bin nur mehr froh wenn die Dame am 26.9 nicht mehr zur Wahl… Weiterlesen »
genau
genau
Kinig
8 Tage 15 h

Auch bei diesem Thema muss ich dir zustimmen lieber Andreas! 👍

Server
Server
Superredner
8 Tage 14 h

@ Andreas
Niederlande? Wohl Pilze? Und Happy.
Weder D noch Netherland. Es gibt Schöneres.

DontbealooserbeaSchmuser
8 Tage 12 h

Die Euro-Rettung und die Flüchtlingskrise waren also nicht durch ihre Politik verursacht?
Finanzpolitik zum Wohle der Börsen und Großkonzerne sowie Vasellentum der USA, maßgeblich von ihr unterstützt, haben dazu geführt.

Diese Frau hat nicht nur Deutschland, sondern gesamt Europa sehr geschadet!

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
8 Tage 11 h

Wenn es blitzt und donnert in der Nacht, hat das Frau Merkel gemacht 🙄.
Sagt ein SPD-Wähler.

mitu
mitu
Grünschnabel
8 Tage 15 h

Gscheider tat soe in die Hochwasseropfer helfen, als wia für die Impfung zu werben 🤮🤮zem hat sie genua zu tian

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
7 Tage 1 h

mitu
Ich wünschte, das würden die Leute endlich merken und bei den Wahlen nicht vergessen.

Mmmh
Mmmh
Grünschnabel
8 Tage 10 h

Hat die nicht gerade andere Probleme in ihrem Land, als für Impfungen zu werben? Tausende von Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz wegen Unwettern und was ist ihr größtes Problem?! Die Impfungen unters Volk zu bringen! Echt zum k………..

inni
inni
Superredner
8 Tage 7 h

Merkels Nachfolger/Nachfolgerin … 🤔

Scholz …  🤦🏻‍♂️

Laschet … 🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️

Baerbock … 🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️🤦🏻‍♂️

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
7 Tage 23 h

Mit ihrer Partei hatte sie nie viel am Hut. Ihr Sommerinterview  war Werbung für die Grünen.

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