Die Tat sollte gezielt ausländische Touristen treffen

Messerattentat in Ägypten hatte IS-Hintergrund

Samstag, 15. Juli 2017 | 15:49 Uhr

Bei der Messerattacke im ägyptischen Badeort Hurghada mit zwei toten Deutschen hat es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Kairo um einen IS-Terrorangriff gehandelt. Der Täter sei mit den Extremisten über das Internet in Kontakt gestanden und habe von ihnen den Auftrag erhalten, Ausländer anzugreifen, hieß es. Der festgenommene Angreifer ist demnach ein 28 Jahre alter Akademiker.

Nach Angaben vom Samstag aus Quellen im ägyptischen Justiz- und Sicherheitsapparat gab Abdel Rahman aus der Region Kafr al-Sheikh in Nordägypten zu, radikalislamische Ideen zu unterstützen. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gab es zunächst nicht. Bisher hat sich auch noch niemand zu der Tat bekannt.

Dem ägyptischen Innenministeriums zufolge war der Angreifer am Freitag von einem öffentlich zugänglichen Küstenstreifen aus an den Hotelstrand geschwommen und mit dem Messer auf Touristengruppen losgegangen. Vier weitere Ausländer seien verletzt worden, teilte der staatliche ägyptische Informationsdienst mit.

Die Agentur Interfax berichtete, eine russische Frau sei verletzt worden, und berief sich dabei auf das russische Konsulat. Eine 36 Jahre alte tschechische Touristin erlitt nach Angaben des Außenministeriums in Prag bei dem Messerangriff Schnittverletzungen am Bein und am Rücken. Sie schwebe nicht in Lebensgefahr.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte den Tod zweier deutscher Frauen. “Wir haben nunmehr die traurige Gewissheit, dass zwei deutsche Urlauberinnen bei dem Angriff in Hurghada ums Leben gekommen sind”, teilte eine Ministeriumssprecherin in Berlin mit.

Das Amt geht von einem gezielten Angriff auf Touristen aus: “Nach allem, was wir wissen, sollte die Tat ausländische Touristen treffen – ein besonders hinterhältiger und verbrecherischer Akt, der uns traurig, bestürzt und wütend zurücklässt.” Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel erklärte über Twitter: “Ich bin sehr bestürzt über dieses feige Verbrechen. Mein tiefes Beileid den Familien der Ermordeten.” Laut einem Bekannten der Toten lebten die Frauen dauerhaft in Hurghada.

Der Angreifer war in der Früh mit einem Bus nach Hurghada gekommen, wo er sich das Tatmesser kaufte. Er wollte dem Manager eines betroffenen Hotels zufolge noch mehr Menschen erstechen. Nach der Flucht von dem Strand habe der Mann auch im benachbarten Hotel “El Palacio” nach Gästen gestochen, sagte der Manager des Gästehauses, Khaled Taha. “Wir haben den Typen mit seinem Messer gestoppt.”

Der Mann sei bewusstlos gewesen und vom Personal gefesselt worden, erklärte Taha weiter. Fotos im Internet zeigten, wie der außer Gefecht gesetzte Angreifer auf einem Karren liegend durch den Garten einer Hotelanlage gezogen wurde. Taha äußerte die Vermutung, dass er geistig verwirrt gewesen sei.

Bereits im Jänner 2016 hatte ein Mann in Hurghada bei einem Messer-Angriff drei Touristen verletzt. Der Ort ist mit seinen mehr als 250 Hotelanlagen neben Sharm el-Sheikh das größte ägyptische Touristenzentrum am Roten Meer. Die Ferienregion ist auch bei Europäern beliebt. Der Badeort ist vor allem für seine warmen Temperaturen und die faszinierende Unterwasserwelt bekannt, weshalb Hurghada als wichtigstes Ziel für Tauchurlauber am Roten Meer gilt.

Für Ägyptens Tourismus bedeutet der Angriff einen neuen Rückschlag. Wegen der Unruhe im Land nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Hosni Mubarak im Februar 2011 und Terrorangriffen war die Zahl der Urlauber in den vergangenen Jahren bereits deutlich zurückgegangen.

Von: APA/ag.