Volksmusikanten wollen mit Politik nichts zu tun haben

Kastelruther Spatzen zu Salvini-Auftritt: “Haben ihn nicht eingeladen”

Dienstag, 16. Oktober 2018 | 15:05 Uhr
Update

Bozen – Der Sänger der Kastelruther Spatzen Norbert Rier kann die Kritik am Wahlkampfauftritt des italienischen Innenministers Matteo Salvini beim Fest der Südtiroler Volksmusikgruppe nicht nachvollziehen. “Wir wollen mit Politik nichts zu tun haben. Es wundert mich, dass sich jetzt so viele Leute aufregen”, sagte Rier der deutschen Presse-Agentur. Die Musiker hätten Salvini nicht zu dem Fest eingeladen.

Noch am Freitag hatte Rier nichts von dem Auftritt Salvinis gewusst. “Das muss ein Witz sein”, sagt Rier da noch gegenüber einem Nachrichtenportal. Er sei dann eben mit dem Innenminister auf die Bühne gegangen, berichtete er nun der dpa. Die Gruppe habe mit dem Auftritt auf keinen Fall ein politisches Signal senden wollen, betonte Rier. Jeder solle sich um “sein Ding” kümmern.

Der Extrembergsteiger Reinhold Messner hatte zuvor den Auftritt des rechtspopulistischen Politikers beim Spatzen-Fest kritisiert. In Südtirol finden am kommenden Sonntag Landtagswahlen statt.

BISHER – Messner attackiert Salvini: “Eine Gefahr für Italien und ganz Europa”

Reinhold Messner hat den Wahlkampfauftritt von Italiens Innenministers Matteo Salvini in Südtirol kritisiert. “Ich bin erschrocken. Dass sich dieser Mann einfach die Bühne nimmt und niemand aufsteht und widerspricht. Im Gegenteil, dass die Musikhörer und Festgäste staunend, bewundernd und gleichzeitig auch ein bisschen ängstlich auf diesen Mann blicken”, so der Südtiroler Extrembergsteiger.

“Mir ist die Szene vorgekommen, wie in der Savanne, wenn der Elefant auftaucht. Dann herrscht unter den Tieren genau diese Stimmung. Nur dass hier der Elefant auf dem Spatzenfest aufgetreten ist”, sagte der Extrembergsteiger im Interview mit einem Südtiroler Online-Portal in Hinblick auf den Auftritt des Chefs der rechtspopulistischen Lega beim Fest der Kastelruther Spatzen am vergangenen Sonntag.

“Das war nicht Salvinis Bühne, das war nicht sein Zelt, das waren nicht seine Zuhörer und das waren nicht seine Wähler. Sondern zum Großteil Menschen, die Interesse haben die EU und den Euro zu retten. Salvini hat noch vor wenigen Jahren gesagt, die EU und der Euro sind ihm scheißegal. Allein aus diesem Grund kann es nicht angehen, dass diesem Mann mitten im Wahlkampf in Kastelruth eine solche Bühne geboten wird”, kritisierte der bekannte Bergsteiger.

“Salvini und die Lega, die wenn es so weiter geht, bei den nächsten Wahlen die absolute Mehrheit erreichen könnten, sind eine Gefahr für Italien und für ganz Europa. Italien steht bereits jetzt am Rande der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit. Und der Zusammenbruch geht viel schneller wie eine Lawine”, warnte der 74-jährige Messner.

“Vielleicht hat Salvini für gewisse Leute Charisma, weil er auftritt wie ein Bauer aus der Lombardei. Was er aber sagt, wie er es sagt und wie er da auf die Bühne geht und ein paar Sätze hinschmeißt, das darf es hier bei uns nicht geben. Das war ein mieser Wahlkampfauftritt für den er diesen Ort geklaut hat. Das hätte ihm jemand am Sonntag sagen müssen: Sie sind willkommen, aber es muss klar sein, das ist unser Platz und den nehmen sie nicht, um ihrer Politik zu verkaufen”, so Messner.

Salvini reagierte gelassen auf Messners Attacke. “Messner hält mich für gefährlich ́, obwohl er mich nicht einmal kennt. Es stört ihn den außerordentlichen Empfang, den mir die Leute seiner Berge gewidmet haben? Ich bin bereit, ihn zu treffen und ihm zu erklären, wie ich unser Land verbessern will. Prosit!”, schrieb Salvini auf Twitter.

Von: apa

Bezirk: Bozen