Aufständische riefen zur Rebellion gegen Präsident Nicolas Maduro auf

Militär in Venezuela greift Aufständische an

Montag, 15. Januar 2018 | 21:26 Uhr

In einer dramatischen Operation hat das Militär im krisengebeutelten Venezuela eine Gruppe Aufständischer angegriffen, die zur Rebellion gegen Präsident Nicolas Maduro aufgerufen hatte. Wie die Regierung am Montag mitteilte, wurden mehrere Menschen getötet und verletzt. Seit der Früh war die Siedlung El Junquito bei Caracas umstellt worden. Es kam zu heftigen Feuergefechten.

Unter den Toten seien zwei Polizisten, teilte das Innenministerium in Caracas mit. Die Mitglieder “dieser Terrorzelle” seien niedergeschlagen und fünf von ihnen festgenommen worden, hieß es weiter.

Über soziale Medien meldete sich der seit über einem halben Jahr gesuchte Anführer der Rebellen, Oscar Perez, aus seinem Unterschlupf, schwer blutend und bewaffnet. Sein Schicksal war zunächst unklar. Er wird von den Sozialisten als “Terrorist” bezeichnet und galt als Staatsfeind Nummer 1. Es kam zu mindestens fünf Festnahmen.

Perez hatte Ende Juni 2017 von sich reden gemacht, als der Pilot der Polizeieinheit CICPC mit einem gekaperten Hubschrauber das Innenministerium beschoss und Granaten auf den Obersten Gerichtshof abfeuerte. Verletzte gab es nicht; Maduro sprach von einem Putschversuch.

Perez sieht sich als Anführer zur Befreiung des Landes vom Sozialismus. Nach Misswirtschaft und gesunkenen Öleinnahmen steht das Land mit den größten Ölreserven vor dem Kollaps, es gibt die höchste Inflation der Welt und Normalbürger bekommen in Supermärkten kaum noch Lebensmittel. Zuletzt nahmen landesweit Plünderungen zu.

In einem Manifest sprach Perez von einer “Koalition zwischen Militärs, Polizisten und Zivilisten” – aber die Rebellengruppe war wohl eher klein. Als er nun mit seinen Leuten umstellt wurde, warnte er, dass in der Wohnsiedlung auch Zivilisten seien. “Sie wollen nicht, dass wir uns ergeben, sie wollen uns ermorden.”

Indes wächst in der tiefen Krise in Venezuela der Druck auf den größten Lebensmittelproduzenten des Landes, Lorenzo Mendoza, bei der Präsidentschaftswahl gegen Maduro anzutreten. Bei einem Demonstrationszug des Movimiento Independiente Nacional de Alianzas Sociales (MINAS) zum Sitz seines Polar-Konzerns verlangten die Menschen am Montag, Mendoza solle antreten.

Der 52-Jährige gilt als gemäßigt und erfolgreich, er hat sich aber bisher nicht erklärt. Immer wieder wurde das Unternehmen Polar, das Nahrungsmittel und Getränke produziert, von den regierenden Sozialisten gegängelt – und beklagte sich über fehlende Grundstoffe aus dem Ausland, um noch ausreichend produzieren zu können. Im Land mit den größten Ölreserven der Welt leiden immer mehr Menschen an Hunger, zuletzt kam es verstärkt zu Plünderungen.

Bisher gibt es kein Datum für die Wahl in diesem Jahr. Die bisherige Opposition ist zerstritten über den richtigen Kurs, nachdem das von ihr dominierte Parlament entmachtet worden. Mehrere Politiker sind geflohen oder wurden von einer Kandidatur ausgeschlossen, wie Henrique Capriles, der bei der letzten Wahl knapp gegen Maduro verloren hatte.

Das Oppositionsbündnis “Mesa de Unidad Democrática (MUD)” will in internen Wahlen den Kandidaten bestimmen, als mögliche Kandidaten gelten hier Henry Ramos Allup von der Patrtei “Accion Democrática und die Ex-Gouverneure Henri Falcon und Andres Velasquez. Seit Hugo Chavez 1999 das Präsidentenamt übernahm, reagieren die Sozialisten.

Von: APA/dpa/ag.