Wieder Anschlag in Kabul

Mindestens 13 Tote bei Anschlägen von Extremisten in Kabul

Mittwoch, 09. Mai 2018 | 16:39 Uhr

Gut eine Woche nach dem tödlichen Doppelanschlag in Kabul sind bei zwei Anschlägen in der afghanischen Hauptstadt mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen, darunter vier Selbstmordattentäter. Alleine bei einem Angriff der Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) auf eine Polizeiwache im Westen der Stadt starben zwei Beamte und vier Zivilisten sowie vier Extremisten.

Mindestens zwei weitere Polizisten und ein Zivilist wurden bei einem zweiten Angriff im Stadtteil Schar-e Naw getötet, zu dem sich die radikalislamischen Taliban bekannten. Die Gefechte am Schauplatz dieses zweiten Angriffs hielten am Abend noch an. Dort hatte sich in der Nähe des Eingangs zu einer Polizeiwache zunächst ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Anschließend seien vier weitere Extremisten in einem Auto vorgefahren und hätten sich in einem leerstehenden Gebäude verschanzt, hieß es.

Taliban-Sprecher Sabihullah Mujahid übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Er sprach von “zahlreichen” Opfern. Die Gegend wurde abgeriegelt, Zivilisten sollten auf Geheiß von Sicherheitskräften Schutz suchen.

In der Nähe der Polizeiwache befinden sich unter anderem Gebäude der Afghanistan International Bank, der Telekommunikationsfirma Etisalat sowie verschiedener privater Organisationen. Augenzeugen berichteten von Schüssen und kleineren Explosionen. “Unsere Spezialeinheiten haben den Ort abgesperrt und versuchen, die Menschen zu retten, die sich in den Gebäuden verbarrikadiert haben”, so der Ministeriumssprecher.

Bei einem offenbar unbeabsichtigten Luftangriff in der Provinz Badghis im Westen des Landes kamen zudem sechs Polizisten ums Leben. Der Angriff habe wohl den Taliban gegolten, aber aus Versehen die Beamten getroffen, sagte ein Mitglied des Provinzrates.

Unklar war zunächst, ob es sich um ein Flugzeug des US-Militärs oder der afghanischen Luftwaffe handelte. Die USA und Afghanistan haben ihre Luftangriffe auf Extremisten verstärkt, seit US-Präsident Donald Trump im vergangenen August eine neue Strategie für das Land verkündet hatte und das dort stationierte Personal aufstocken ließ.

Seit dem Ende der NATO-Kampfmission Ende 2014 verüben vor allem die Taliban Anschläge auf afghanische Regierungsziele oder Sicherheitskräfte, um ihre Macht auszuweiten. Doch der IS hat längst auch Fuß in dem Land gefasst.

Die Terrormiliz erklärte sich über ihr Sprachrohr AMAQ verantwortlich für den ersten Anschlag auf die Polizeiwache im Viertel Dasht-e Bartshi. Zwei IS-Mitglieder hätten sich dabei nahe der Wache in die Luft gesprengt, zwei weitere seien bei Gefechten von Sicherheitskräften getötet worden, sagte Innenminister Wais Ahmad Barmak live im Fernsehen. Das Viertel wird mehrheitlich von der ethnischen Minderheit der Hasara bewohnt. Sie gehören überwiegend der schiitischen Konfession an, die Extremisten des IS sind Sunniten.

Die Angriffe und Bombenexplosionen vom Mittwoch waren der neunte größere Zwischenfall in Kabul seit Jahresbeginn. Mindestens 17 Menschen erlitten dabei nach Angaben eines Sprechers des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Majroh, Verletzungen.

Erst am 30. April waren bei einem Doppelanschlag des IS in Kabul 25 Menschen ums Leben gekommen, darunter neun Journalisten.

Von: APA/ag.

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