Viele mussten von der Hochzeitsfeier ins Krankenhaus

Mindestens 22 Tote bei Anschlag auf Hochzeit in Syrien

Dienstag, 04. Oktober 2016 | 06:49 Uhr

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsfeier in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 22 Menschen getötet worden. Der Attentäter sprengte sich am Montag in einem Saal in der nordöstlichen Provinz Hassaka in die Luft, wie die “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” mitteilte. Zu dem Anschlag bekannte sich die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Der Bräutigam, ein gegen den IS kämpfender Rebellenkämpfer, und seine Frau überlebten den Anschlag offenbar. Der Attentäter habe seine Sprengstoffweste gezündet, als sich Braut und Bräutigam im Dorf Tall Tauil nördlich der Stadt Hassaka gerade das Jawort gaben, berichtete ein Augenzeuge, der bei dem Anschlag selbst verletzt wurde, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Explosion sei gewaltig gewesen. Auch Ärzte in Hassaka berichteten von mehr als 20 Toten und dutzenden Verletzten. Viele von ihnen schwebten demnach in Lebensgefahr.

Der Bräutigam gehört den Angaben zufolge den Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an, einem Zusammenschluss aus kurdischen und arabischen Kämpfern. Die von den USA unterstützte Rebellenallianz bekämpft im Norden Syriens den IS.

Die Beobachtungsstelle und kurdische Behördenvertreter hatten zunächst angegeben, der Bräutigam sei bei dem Anschlag getötet worden. Ein Verwandter sagte aber später, Braut und Bräutigam hätten beide überlebt. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle beruft sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Der IS erklärte, einer seiner Kämpfer habe sich in einer “großen Versammlung” kurdischer Kämpfer in der Nähe von Hassaka in die Luft gesprengt und 40 Menschen getötet. Dass es sich um eine Hochzeitsfeier handelte, wurde in der Erklärung nicht erwähnt. Hassaka wird fast vollständig von kurdischen Rebellen kontrolliert und wurde schon mehrfach von Anschlägen des IS erschüttert.

Auch die heftigen Luftangriffe in Syrien wurden fortgesetzt. Neben Aleppo wurde am Montag auch die belagerte Stadt Duma zum Ziel heftiger Luftangriffe. Allein am Vormittag seien mindestens zehn Luftangriffe auf den Vorort der Hauptstadt Damaskus geflogen worden, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Die Menschen flüchteten in ihre Häuser, Schulen und Geschäfte wurden geschlossen.

Die syrische Armee versucht seit fünf Monaten mit Hilfe verbündeter Milizen, die von Rebellen kontrollierte Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei rückte sie nach Angaben der oppositionsnahen “Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte” bis auf drei Kilometer an Duma heran.

Von: APA/ag.