Der Anschlag wurde in einem schiitischen Viertel der Stadt verübt

Mindestens 40 Tote bei Anschlag in Kabul

Donnerstag, 28. Dezember 2017 | 12:47 Uhr

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind bei einem Anschlag auf eine Nachrichtenagentur und ein schiitisches Kulturzentrum am Donnerstag Dutzende Menschen getötet worden. Viele der Opfer sind nach Berichten von Augenzeugen Studenten, die eine Konferenz besucht hatten. Laut Behörden wurden 41 Menschen getötet und 84 verletzt. Zur Tat bekannte sich die Terrormiliz “Islamischer Staat”.

Zuvor hatten Kabuler Regierungssprecher von 34 bis 40 Toten und bis zu 38 Verletzten gesprochen. Auch der Attentäter starb. Unter den Toten seien auch zwei Kinder und vier Frauen, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Wahidullah Majroh. Fünf der Verletzten seien in kritischer Verfassung. Zunächst hatte sich in dem Gebäude ein Attentäter in die Luft gesprengt, danach, als Helfer kamen, waren vor dem Gebäude zwei weitere Bomben explodiert, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums.

Die Tat sei von einem Mitglied ausgeführt worden, berichtete das IS-Sprachrohr Amaq unter Berufung auf IS-Kreise. Es habe mehrere Explosionen gegeben, eine sei durch einen Selbstmordattentäter ausgelöst worden. Das im Internet verbreitete Bekennerschreiben konnte zunächst aber nicht unabhängig auf seine Echtheit überprüft werden. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie hätten mit dem Anschlag nichts zu tun.

Auf dem angegriffenen Gelände befindet sich die Nachrichtenagentur “Afghan Voice” sowie ein schiitisches Kulturzentrum. Dort fand eine Podiumsdiskussion zum 38. Jahrestag des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan statt. Ein Journalist berichtete, es habe nach der ersten Detonation am Eingang anscheinend weitere Explosionen gegeben. In der Agentur seien ein Journalist getötet und zwei weitere verletzt worden. Fotos von Augenzeugen zeigten schwere Zerstörungen am Tatort.

Ein Sprecher von Staatspräsident Ashraf Ghani verurteilte den Anschlag als “unverzeihliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit” und versprach eine Vernichtung terroristischer Gruppen.

In Kabul hatte die Zahl der Anschläge zuletzt stark zugenommen. Erst am Montag waren mindestens sechs Menschen bei einem Selbstmordanschlag vor einem Gelände des afghanischen Geheimdienstes getötet worden. Auch diesen Anschlag hatte der IS für sich reklamiert. Die Hauptstadt gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in Afghanistan.

Auch Medien werden in Afghanistan immer wieder zum Ziel von Anschlägen. Im November wurde ein privater Fernsehsender angegriffen. Nach Erkenntnissen der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RoG) ist Afghanistan für Medienvertreter eines der gefährlichsten Länder.

In dem überwiegend sunnitischen Staat richten sich Gewaltakte aber auch oft gegen schiitische Muslime. Auch der Anschlag am Donnerstag geschah in einem schiitischen Viertel der Stadt.

Seit dem Ende des NATO-Kampfeinsatzes Ende 2014 verschlechterte sich die Lage in dem krisengebeutelten Land zusehends, so erreichte die Zahl der zivilen Opfer im ersten Halbjahr 2017 einen neuen Höchststand. Während der IS – eine sunnitische Extremistengruppe – in seinen ursprünglichen Kernregionen in Syrien und im Irak so gut wie besiegt ist, sehen Beobachter die Gruppe im instabilen Afghanistan besser Fuß fassen.

Von: APA/dpa/ag.