In Kabul kommt es immer wieder zu heftigen Gefechten

Mindestens fünf Tote bei Taliban-Anschlag in Kabul

Dienstag, 29. August 2017 | 13:25 Uhr

Bei einem Selbstmordanschlag vor einer Bank in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens fünf Personen getötet worden. Mindestens neun weitere seien beim Anschlag nahe der US-Botschaft verletzt worden, sagte der Polizeisprecher Basir Mujahid am Dienstag.

Vor einer Filiale der Kabul Bank am belebten Massud-Platz habe sich ein Mann in die Luft gesprengt. In Afghanistan beginnen in einigen Tagen wichtige religiöse Feiertage. Banken sind dann besonders voll, weil viele Menschen ihre Löhne und Boni abholen, um Opfertiere, neue Kleider und Delikatessen einzukaufen.

Die Taliban bekannten sich via Twitter zu dem Anschlag und gaben an, sie hätten “Soldaten und Polizisten im Visier gehabt, die auf ihr Gehalt warteten”. Die Terroristen greifen regelmäßig Banken an, um Regierungsangestellte oder Sicherheitskräfte zu treffen, wenn diese Geld abheben. Ende Juni war, ebenfalls vor hohen islamischen Feiertagen, vor einer Bank in der südafghanischen Großstadt Lashkargar eine Autobombe gezündet worden, 36 Menschen starben.

Es war der zwölfte große Anschlag in der afghanischen Hauptstadt seit Jänner. Rund 1000 Menschen wurden inzwischen getötet oder verletzt. Erst vor vier Tagen hatten Kämpfer der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kabul eine schiitische Moschee überfallen, mindestens 29 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt.

In der Nähe des Anschlagsorts liegen, hinter massiven Absperrungen, auch die US-Botschaft und das NATO-Hauptquartier. US-Präsident Donald Trump hatte vor einer Woche die neue Afghanistan-Strategie seiner Regierung vorgestellt, die ein verstärktes militärisches Engagement vorsieht. Ein Ziel sei, die radikalislamischen Taliban daran zu hindern, Afghanistan wieder zu übernehmen, sagte Trump.

Die islamistischen Talibanrebellen drohten darauf, Afghanistan werde bald ein “weiterer Friedhof für diese Supermacht”, sollten die USA ihre Truppen nicht abziehen.

Erst vor vier Tagen hatten Kämpfer der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kabul eine schiitische Moschee überfallen, mindestens 29 Personen getötet und mehr als 40 verletzt.

Bei einem Luftangriff des afghanischen Militärs auf radikalislamische Taliban wurden unterdessen in Westafghanistan mindestens 13 Zivilpersonen getötet und sieben verletzt. Das bestätigte am Dienstag der Sprecher der Regierung der Provinz Herat, Jeilani Farhad.

Die Luftwaffe habe am Montagabend ein Kommandozentrum der Taliban im Bezirk Shindand beschossen. Dabei seien 20 Taliban getötet worden, sagte Farhad. Leider seien auch in Privathäusern in der Nähe Zivilisten ums Leben gekommen.

Ein Mitglied des Provinzrats, Haji Torialai Taheri, sprach von 20 toten Zivilisten. Ihm zufolge hat der Luftangriff gar keine Taliban getroffen. Das Talibantreffen, das die afghanische Luftwaffe habe angreifen wollen, sei schon vorbei gewesen.

Im Mitte Juli veröffentlichten Halbjahresbericht der UNO zu den zivilen Opfern des Krieges heißt es, die Zahl der durch Luftangriffe getöteten und verletzten Zivilisten sei im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 um 43 Prozent angestiegen – auf 232 Tote und Verletzte. US-Luftangriffe waren für 37 Prozent der Opfer verantwortlich, die afghanische Luftwaffe für 48 Prozent.

Von: APA/dpa