Regierungsgegner protestieren seit Samstag in Khartum

Mindestens sieben Tote nach Protesten im Sudan

Montag, 08. April 2019 | 19:32 Uhr

Bei Protesten gegen die Regierung von Präsident Omar al-Bashir sind am Wochenende sieben Demonstranten getötet worden. Zudem seien “15 Bürger und 42 Mitglieder der Sicherheitskräfte verwundet” worden, wie Sudans Innenminister Bushara Juma am Montag dem Parlament in Khartum mitteilte. Insgesamt seien fast 2.500 Menschen festgenommen worden.

“Als die Demonstrationen aufgelöst wurden, starben sieben Bürger, sechs von ihnen im Bundesstaat Khartum und einer in Zentral-Darfur”, sagte Juma. Den dritten Tag in Folge demonstrierten am Montag Tausende Sudanesen in der Hauptstadt. Die Menschen versammelten sich vor der Zentrale der Streitkräfte und riefen Parolen wie “Die Armee und die Menschen sind eins”, wie ein Reporter berichtete. Demnach setzten Sicherheitskräfte erneut Tränengas gegen die Demonstranten ein und versuchten, die Kundgebung aufzulösen. Es sei zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Soldaten gekommen.

In dem ostafrikanischen Staat gibt es bereits seit Mitte Dezember immer wieder Proteste. Diese richteten sich zunächst gegen eine drastische Erhöhung der Brotpreise. Rasch weiteten sie sich zu Demonstrationen gegen den autoritär herrschenden Präsidenten aus. Im Februar verhängte al-Bashir, der 1989 mit einem Militärputsch an die Macht kam, den Notstand und schränkte das Versammlungsrecht ein, um die Proteste zu ersticken. Auch die Regierung wurde aufgelöst. Die Proteste dauern dennoch weiter an.

Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Proteste wuchs nach dem Wochenende offiziellen Angaben zufolge auf 38. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) beziffert die Zahl der Todesopfer jedoch auf 51.

Der 75-jährige Staatschef regiert das Land im Nordosten Afrikas mit harter Hand. Er wird zudem vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH/ICC) per Haftbefehl gesucht, ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Darfur-Konflikt vorgeworfen. Dieser brach 2003 zwischen Volksgruppen im Westen des Landes, die mehr politische Mitbestimmung forderten, und der Regierung aus. Regierungskräfte und eine verbündete arabische Miliz gingen dabei brutal gegen die Bevölkerung vor.

Von: APA/ag.