Mehrere Anschläge in verschiedenen Teilen des Landes

Mindestens zehn Tote bei Anschlag in Moschee in Afghanistan

Sonntag, 06. Mai 2018 | 15:08 Uhr

Bei einem Selbstmordanschlag im Südosten Afghanistans sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 30 weitere Menschen wurden bei der Explosion in einer Moschee in der Stadt Khost verletzt, wie ein Mitglied des Provinzrates am Sonntag erklärte. In der Moschee sei ein Zentrum zur Registrierung von Wählern für die anstehenden Parlaments- und Provinzratswahlen eingerichtet worden.

Die Anzahl der Opfer könne noch steigen, hieß es. Bilal Sarwary, ein ehemaliger Journalist und Kandidat für die Parlamentswahlen, schrieb auf Twitter, dass bei dem Anschlag mindestens 19 Menschen getötet und 32 weitere verletzt worden seien. Bisher hat noch keine Gruppe den Anschlag für sich reklamiert. Die Wahlen sind für den 20. Oktober geplant.

In Afghanistan gab es bereits eine ganze Reihe von Anschlägen auf Zentren zur Registrierung von Wählern. In einem schiitischen Viertel in Kabul waren im April dutzende Menschen bei einem Selbstmordanschlag getötet und verletzt worden. Zu der Tat bekannte sich die sunnitische Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Parlamentswahl findet am 20. Oktober statt.

Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu Anschlägen. Beim Angriff auf die Residenz eines Polizeichefs in Kandahar in Südafghanistan wurden der Polizei zufolge am Samstag fünf Menschen getötet. Zunächst habe ein Selbstmordattentäter am Zugang zu der Residenz seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in die Luft gesprengt und zwei Polizisten mit in den Tod gerissen. Zwei weitere Angreifer seien bei einem zweiten Kontrollpunkt erschossen worden. Der Polizeichef Abdul Razik sei zu der Zeit nicht in dem Gebäude gewesen.

Sieben Zivilisten starben in Almar in Nordafghanistan, als ihr Auto auf eine am Straßenrand versteckte Bombe fuhr. Ein Mensch sei zudem verletzt worden, teilte die Polizei mit. Das Fahrzeug hatte Händler zu einem Markt bringen sollen. Taliban hätten mit der Bombe eigentlich Sicherheitskräfte im Visier gehabt, hieß es. Nach Angaben der Vereinten Nationen werden zwölf Prozent der im Afghanistankrieg getöteten Zivilisten Opfer solcher Bomben. In den ersten drei Monaten 2018 wurden 75 Menschen durch solche Bomben getötet und 192 schwer verletzt.

Taliban-Kämpfer verschleppten zudem am Sonntag in Nordafghanistan sieben indische Elektriker und mehrere ihrer afghanischen Kollegen. Die Elektriker seien im Bezirk Dand-e Ghori auf dem Weg zur Arbeit gewesen, als ihr Fahrzeug von Männern des Taliban-Befehlshabers Mullah Shahin gestoppt worden sei, teilte ein Polizist der Deutschen Presse-Agentur mit. Bemühungen um ihre Freilassung seien im Gange.

Unterdessen eroberten die afghanischen Sicherheitskräfte einen von den Taliban eroberten Bezirk in strategisch wichtigen Provinz Badakhshan nach nur einem Tag wieder zurück. Nach einstündigem Kampf sei der Bezirk Kohistan am Samstag zurückerobert worden, sagte ein Geheimdienstchef. Ein Lokalpolitiker bestätigte die Angaben. Der Schlag gegen die Extremisten erfolgte, nachdem Verstärkung aus der Provinzhauptstadt Fayzabad eingetroffen sei. Die Taliban hatten den Bezirk nach 24-stündigen Gefechten am Freitag unter ihre Kontrolle gebracht. Die Taliban wiesen den Bericht zurück.

Die Taliban hatten von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans beherrscht. Seit dem Ende der NATO-Kampfmission Ende 2014 greifen sie wieder vermehrt an. In dem Bericht des Generalinspektors des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan (Sigar) von vergangener Woche heißt es, die Taliban kontrollierten 14,5 Prozent aller Bezirke. Weitere 30 Prozent sind demnach umkämpft.

Von: APA/dpa/ag.

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