Verhandlungen in Belarus ergebnislos beendet

Moskau kündigt neuerlich humanitäre Korridore an

Dienstag, 08. März 2022 | 05:14 Uhr

Russland hat erneut die Einrichtung mehrerer “humanitärer Korridore” in der Ukraine in Aussicht gestellt. In den Städten Kiew, Charkiw, Mariupol, Tschernihiw und Sumy sollen Dienstagvormittag lokale Waffenruhen gelten, hieß es Montag laut russischen Nachrichtenagenturen aus dem Verteidigungsministerium. Ob Kiew zustimmt war vorerst nicht bekannt. Montagabend machte Präsident Wolodymyr Selenskyj via Telegram Russland für gescheiterte Evakuierungen verantwortlich.

Der ukrainische Präsident warf Russland “Zynismus” vor und beschuldigte die russischen Truppen, die vereinbarte Route, über die Lebensmittel und Medikamente in die belagerte Stadt Mariupol im Süden der Ukraine gebracht werden sollten, “vermint” zu haben. Zudem hätten russische Soldaten die Busse zerstört, mit denen die Zivilisten aus den umkämpften Gebieten gebracht werden sollten. Die Ukraine werde aber weiter mit Russland Friedensverhandlungen führen. “Ich bleibe hier, ich bleibe in Kiew (…). Ich habe keine Angst”, betonte der ukrainische Staatschef in einem Telegram-Video.

Im Rahmen einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates rangen Russland und die Ukraine um die Bedingungen für die “humanitären Korridore”. Die ukrainische Botschafterin wies das ursprüngliche Angebot zurück, weil es nur Routen über Russland und Belarus umfasse. Obwohl man sich mit Moskau und auch dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes auf eine Route über die zentralukrainische Stadt Poltawa geeinigt habe, habe Moskau per Brief neue Routen nur über Russland und Belarus angekündigt. Die Botschafterin forderte “die russische Seite auf, zu den zuvor vereinbarten Routen zurückzukehren, um ukrainischen und ausländischen Bürgern die Ausreise nach Europa zu ermöglichen”.

Russland legte daraufhin ein neues Angebot mit Wegen auch in Richtung westukrainischer Städte vor. UN-Botschafter Wassili Nebensja betonte, dass Flüchtlinge nicht unbedingt nach Russland geschickt würden, “es wird auch eine Evakuierung in Richtung ukrainischer Städte westlich von Kiew angeboten”. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete von einer Erklärung des zuständigen russischen Komitees. Demnach hätten Menschen, die die Städte Sumy und Mariupol verlassen möchten, die Wahl, nach Russland oder in die ukrainischen Städte Poltawa oder Saporischja zu fliehen.

Der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths forderte Sicherheitskorridore für humanitäre Hilfslieferungen in die Ukraine. Zivilisten in Städten wie Mariupol, Charkiw, Melitopol und in anderen Orten warteten verzweifelt auf Hilfe und seien insbesondere auf “lebenswichtige medizinische Versorgung” angewiesen.

Am Montag hatten sich Russland und die Ukraine zu einer rund dreistündigen dritten Verhandlungsrunde getroffen – und danach die Absicht zur Schaffung humanitärer Korridore in den umkämpften Gebieten bekräftigt. Die belarussische Staatsagentur Belta hatte im Nachrichtenkanal Telegram ein Bild der Delegationen an einem Tisch veröffentlicht.

Beide Seiten hatten sich zwar bereits bei ihrem zweiten Treffen am vergangenen Donnerstag auf Fluchtkorridore verständigt. Am Wochenende waren aber gleich zwei Anläufe für Evakuierungen von Bewohnern der von Russland belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine gescheitert. Beide Seiten warfen sich gegenseitig vor, gegen eine vereinbarte Feuerpause verstoßen zu haben. Auch am Montag kam eine geplante Rettung von Zivilisten aus umkämpften Städten nicht voran.

Als Bedingung für eine Einstellung der Gefechte fordert Russland, die Ukraine müsse sich in ihrer Verfassung für neutral erklären. Zudem müsse Kiew die annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisch sowie die Separatistengebiete als unabhängig anerkennen.

Russland geht einem Unterhändler zufolge davon aus, dass die nächste Gesprächsrunde in naher Zukunft stattfinden wird. Die vierte Runde werde dabei in Belarus abgehalten, sagte Leonid Slutski im Staats-Fernsehen. “Ich werde das genaue Datum noch nicht nennen.” Es werde vielleicht am Dienstag festgelegt.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare
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Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
2 Monate 20 Tage

Wozu verhandeln, wenn Putin öffentlich erklärt hat, dass er so oder so seine Ziele erreichen will…

Sag mal
Sag mal
Kinig
2 Monate 20 Tage

Dolomiticus Die wollen Ihn nicht verstehn.Das Einzigste was EU machen kann:Sich nicht einmischen.Er hatt klar gemacht von Seinem Ziel nicht ab zu weichen.

Sun
Sun
Universalgelehrter
2 Monate 20 Tage

Das ist doch Putins Taktik,  zuerst schießen – einschüchtern und dann verhandeln. Aber er hat nicht mit den heimattreuen Ukrainern gerechnet.
Der Westen  MUSS den Ukrainern inderekte Hilfe leisten.

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 19 Tage

@Sun Auch mit indirekter Hilfe geht die Ukraine früher oder später unter. Besser verhandeln. Wenn möglich.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

dolomiticus@

Vielleicht ist es dir entgangen, dass es zu allererst es um die humanitären Korridore geht. Das hat jetzt Prioriaet!!!!

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

N.G.@

besser wàre es zuerst kapitulieren und dann Verhandeln!
Jede Sekunde Sterben Menschen auf beiden Seiten!

Hustinettenbaer
2 Monate 19 Tage
N.G., Putin hat A (Krieg) gesagt und wird auch B/Entnazifizieren durchziehen. Die Menschen kämpfen um ihr Leben. “Putin’s language is intentional and strategic. He is using the term “Nazi” in exactly the same way the Nazis used “untermensch.” After all who is more despicable than Nazis? Using the term enables the mass murder of civilians with illegal cluster munitions that are already pulverising residential areas. It also paves the way for the repressions that are meant to come with occupation: the Russian “kill lists” of civil society activists and journalists and the mass arrests. After all if you are fighting… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 19 Tage

Wenn wirklich nur diese Forderungen auf dem Tisch liegen, dann sollte sie die Ukraine anehmen. Sie sind zwar nicht in Ordnung aber das kleinere Übel als weiter einen verlorenen Krieg zu führen und Menschenleben opfert zu müssen.
Krim war ohnehin schon weg und der Donbass im Grunde auch. Neutralität,… Warum nicht ! Was spricht dagegen!
Und dann wartet man auf bessere Zeiten in denen man in Russland anderr Politiker hat.

Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

In dieser Zeit könnte man sich auch mit inneren Problemen wie extremen Nationalisten und der Verherrlichung von Kriegsverbrechern, die, Seite an Seite mit der SS, zehntausende Juden und Polen auf dem Gewissen haben, beschäftigen.

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 19 Tage

@Frank Von was redest du da?

Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

@N. G. Von bekannten und belegten Fakten. Meine dementsprechenden Kommentare mit Links zu seriösen deutschen Portalen, die das seit Jahren aufzeigen, werden ja hier nicht freigegeben.

kunstgis
kunstgis
Neuling
2 Monate 19 Tage

Bin der gleichen Meinung, auch wenn`s “schmerzt”. Die im “Heldenepos_Ton” verfassten Forderungen der Ukraine an Westeuropa können so nicht erfüllt werden, das gleicht fast einer Erpressung. Solidarität und Frieden sind das oberste schnelle Gebot !!!

Hustinettenbaer
2 Monate 19 Tage
N.G., z.B. davon: “Putins erstaunliche Thesen: Polen trage eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Sowjetunion habe hingegen keine Mitverantwortung. Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 mit dem geheimen Zusatzprotokoll über die Aufteilung Ostmitteleuropas zwischen ihnen sei ein letzter Versuch gewesen, den Frieden zu retten und, falls es zum Krieg komme, die russischen Minderheiten in Ostpolen, der Ukraine und Weißrussland zu schützen. Polen hingegen habe schon 1934 einen Nichtangriffspakt mit Hitler geschlossen. Es habe sich 1938 an der Aufteilung der Tschechoslowakei beteiligt und sich das Olsa-Gebiet, auch Teschener Schlesien genannt, genommen. Und hohe Vertreter Polens hätten Hitlers Pläne zur Ermordung der… Weiterlesen »
Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

@N. G. Du kannst das, wie Jeder, ganz einfach googeln. Einerseits wurde, auf Druck der Nationalisten, das Denkmal für die Opfer des Faschismus, wie Andere auch, abgerissen, andererseits wurde vor nicht langer Zeit ein neues Denkmal für den Nationalisten, Faschisten und Kriegsverbrecher Bandera aufgestellt. Nur ein Beispiel von vielen nachgewiesenen.
Die Ukraine ist nicht so harmlos und an der Eskalation unschuldig, wie gern getan wird.

Frank
Frank
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

@N. G. Noch ein Beispiellink. Wobei der NDR als Landesanstalt der ARD gaaanz sicher nur Putintrolle beschäftigt.

https://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Hitlers-Helfer-wie-Nationalisten-die-Ukraine-weiter-spalten-,ukraine451.html

Aber vermutlich wird auch dieser Kommentar nicht freigegeben, unabhängig nachgewiesene Fakten passen derzeit nicht in die Allgemeine Stimmungsmache.

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
2 Monate 19 Tage

wie kann man Putin noch glauben und seine falschen Versprechen groß weitergeben?

So ist das
2 Monate 19 Tage

.. „humanitäre Korridore” ..

Die dann wieder vermint sind? 😳

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