Bestürzende Berichte der Rettungskräfte

Moskau warnt USA vor Militäreinsatz in Syrien

Sonntag, 08. April 2018 | 21:52 Uhr

Ein mutmaßlicher Chemiewaffenangriff auf die syrische Rebellenhochburg Douma (Duma) hat international Empörung und Entsetzen ausgelöst. Nach Angaben syrischer Rettungskräfte wurden bei dem Angriff am Samstagabend rund 50 Menschen getötet und Hunderte weitere verletzt. Moskau wies die Berichte zurück und warnte die USA, dies als “Vorwand” für einen Militäreinsatz in Syrien zu nutzen.

US-Präsident Donald Trump erklärte, die Verantwortlichen müssten einen “hohen Preis” bezahlen. Frankreich beantragte für Montag eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats.

Moskau warnte die USA, eine Militärintervention “unter erfundenen Vorwänden” in einem Land, wo sich “auf Bitten der legitimen syrischen Regierung russische Soldaten aufhalten”, wäre “inakzeptabel und könnte schwerste Konsequenzen haben”, wie das russische Außenministerium erklärte. Auch die syrische Regierung und ihr zweiter wichtiger Verbündeter, der Iran, wiesen die Giftgas-Vorwürfe zurück.

Die Türkei hat unterdessen die syrische Regierung für den mutmaßlichen Giftgasangriff in Ost-Ghouta verantwortlich gemacht und die internationale Gemeinschaft zum Handeln aufgefordert. “Wir hoffen, dass der Chemieangriff der syrischen Führung dieses Mal nicht unbeantwortet bleibt”, teilte Regierungssprecher Bekir Bozdag auf Twitter mit. Die syrische Führung sei dafür hauptsächlich verantwortlich, Schuld hätte aber auch diejenigen, die “diese Gräueltat nicht verhindert haben”.

Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, hatte zuvor gesagt, dass alle Angriffe gegen unschuldige Menschen ein Verstoß gegen internationales Recht seien. “In diesem Zusammenhang muss das syrische Regime für solche Angriffe, die es in vielen Teilen des Landes zu unterschiedlichen Zeiten durchgeführt hat, zur Rechenschaft gezogen werden”. Um zukünftig “Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Syrien” zu verhindern, müssten die internationale Gemeinschaft und insbesondere Länder mit Einfluss auf das syrische Regime handeln, teilte Kalin mit.

Die syrischen Hilfsorganisationen Weißhelme und Syrian American Medical Society berichteten in einer gemeinsamen Erklärung, nach einem Luftangriff am Samstagabend seien mehr als 500 Menschen mit Symptomen einer Chlorgasvergiftung in Behandlungszentren eingeliefert worden. Nach ihren Angaben starben sechs Opfer im Krankenhaus, Rettungshelfer bargen zudem 42 Leichen mit Anzeichen einer Chlorgasvergiftung aus Wohnhäusern.

Das US-Außenministerium forderte, die Regierung des syrischen Machthabers Bashar al-Assad sowie ihre Verbündeten müssten zur Verantwortung gezogen. US-Präsident Trump wies Russland und dem Iran eine Mitverantwortung zu, da sie das “Vieh” Assad unterstützten.

Genau vor einem Jahr hatten die USA einen syrischen Luftwaffenstützpunkt nach einem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff mit dem Nervengas Sarin mit Marschflugkörpern bombardiert. Auf die Frage, ob jetzt eine ähnliche Reaktion denkbar sei, sagte US-Heimatschutzberater Tom Bossert dem Sender ABC, er wolle “nichts ausschließen”.

Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian erklärte, Frankreich werde angesichts des mutmaßlichen Giftgasangriffs “seine Pflicht tun”. In der Vergangenheit hatte Paris mehrfach gewarnt, ein weiterer Einsatz von Chemiewaffen in Syrien sei eine “rote Linie”, auf die Frankreich mit einem Militäreinsatz antworten könne.

Die EU hält die Berichte über einen Chemiewaffenangriff auf Douma für glaubwürdig. Alles deute darauf hin, dass die syrische Regierung erneut Chemiewaffen eingesetzt habe, erklärte der Auswärtige Dienst der EU am Sonntag in Brüssel.

Auch die deutsche Regierung erklärte, vieles deute darauf hin, dass die syrische Regierung erneut international geächtete Waffen eingesetzt und “Unschuldige auf grausame Art und Weise getötet” habe.

Unterdessen einigte sich die syrische Regierung laut Berichten der Staatsmedien mit der Rebellengruppe Jaish al-Islam auf eine Evakuierung von Douma. Sämtliche verbliebenen Rebellenkämpfer sollten die vor den Toren von Damaskus gelegene Stadt binnen 48 Stunden verlassen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur SANA am Sonntag. Duma ist das letzte Gebiet in der Region Ost-Ghouta, das bisher noch in der Hand der überwiegend islamistischen Aufständischen ist.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

6 Kommentare auf "Moskau warnt USA vor Militäreinsatz in Syrien"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
zombie1969
zombie1969
Superredner
11 Tage 8 h

Kann man sich überhaupt noch an die Ursachen für diesen brutalen Krieg in Syrien erinnern? 
Die Free Syrian Army (FSA) hat sich gegründet und radikalisiert, weil B. al-Assad 2011 keine Macht abgeben wollte und zunächst friedliche Demonstranten mit Waffengewalt gestoppt hat. B. al-Assad hat statt wichtiger Reformen für das Land den alles zerstörenden Krieg gewählt. Durch sein Handeln hat er Extremistengruppen ermöglicht in Regionen und Städten ihrerseits Fakten zu schaffen. Er hat die “Büchse der Pandora” geöffnet, die er jetzt nicht mehr schliessen kann.

der Rote Wichtel
11 Tage 1 h

Wieder mal alles Käse was da berichtet wird! Wieso trägt keine der Rettungskräfte auf dem Bild Schutzkleidung und Atemschutz???

Die Skripalretter in London waren in Vollmontur, um den Tatort ein Schutzzelt und und und…
Wer kann dort unten denn noch nachvollziehen wer was gemacht hat. Unsere Medien bringen aber gleich wieder Assad und Putin ins Spiel!

unter
unter
Superredner
10 Tage 12 h

Habe keine Ahnung was da wirklich vorgefallen ist, aber wer soll da bitte Schutzkleidung tragen? Ich bezweifle stark, dass es in einer seit Jahren belagerten Stadt Schutzkleidung gegen Chemiewaffen gibt. Du kannst doch nicht London mit Duma vergleichen…

honakoanonung
honakoanonung
Tratscher
11 Tage 4 h

und die Weltgemeinschaft schaut auch hier wie in anderen Ländern (Jemen usw.) zu.

Supergscheider
Supergscheider
Grünschnabel
10 Tage 12 h

Glaube kein Wort mehr Syrien wird doch nicht so dämlich sein genau zu diesem Zeitpunkt Chemiewaffen einzusetzen .Das stinkt doch wieder bis zum Himmel.

andr
andr
Tratscher
10 Tage 12 h

Wer ist für diesen Angriff verantwortlich ich traue diese Tat jedem zu dieser Krieg ist skrupellos

wpDiscuz