Der britische Botschafter Bristow vor dem Moskauer Außenministerium

Moskau wies im Skripal-Streit 59 Diplomaten aus

Freitag, 30. März 2018 | 20:09 Uhr

Im Streit über den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal hat Russland 59 Diplomaten aus 23 Ländern ausgewiesen. Damit reagiert Moskau auf die Massenausweisungen seiner Diplomaten aus westlichen Ländern. Diese Anordnungen entbehrten jeglicher Grundlage, meint das russische Außenministerium. Etwa 130 Vertreter Russlands müssen Staaten wie die USA, Großbritannien oder Frankreich verlassen.

Mehrere EU-Staaten, darunter Österreich, Luxemburg, Griechenland und Bulgarien, hatten sich nicht an der Aktion beteiligt. Die Regierung in London macht für den Giftanschlag im südenglischen Salisbury Russlands Präsident Wladimir Putin verantwortlich.

Bereits am Donnerstag hatte Russland 60 US-Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt und die Schließung des amerikanischen Konsulats in St. Petersburg angeordnet. Die Vorbereitungen dafür liefen inzwischen an. Umzugswagen machten mehrere Fuhren.

Am Freitag wurden dann die Botschafter von 23 Ländern in das Außenministerium in Moskau zitiert, darunter jener Deutschlands. Der deutsche Außenminister Heiko Maas sagte, Deutschland bleibe zum Dialog mit Russland bereit. “Unsere Reaktion im Fall Skripal war als politisches Signal notwendig und angemessen, aus Solidarität mit Großbritannien und weil sich Russland bisher jeglicher Aufklärung des Sachverhalts verweigert.”

Auch Großbritanniens Botschafter Laurie Bristow wurde erneut vorgeladen. Ihm wurde dem russischen Außenministerium zufolge mitgeteilt, dass die Regierung in London einen Monat Zeit habe, die Zahl der diplomatischen Vertreter in Russland auf die selbe Zahl russischer Vertreter in Großbritannien zu reduzieren.

Wie groß die Einschnitte sind, war zunächst nicht klar. Die Reaktion Russlands sei bedauerlich, sagte eine Sprecherin der britischen Außenministeriums. Russlands Verletzung internationalen Rechts sei eklatant. Bei vier Ländern – Belgien, Ungarn, Georgien und Montenegro – behielt sich Russland weitere Schritte vor.

Zumeist demonstrieren Mitgliedstaaten der NATO und der EU Solidarität mit Großbritannien. Deutschland wies vier russische Diplomaten aus, unter den nun aus Moskau ausgewiesenen Diplomaten sind auch vier Vertreter aus Deutschland, wie das Auswärtige Amt in Berlin am Freitag bekannt gab.

Die Regierung in Moskau weist die Vorwürfe im Streit über die Vergiftung Skripals und seiner Tochter Julia zurück und kritisiert, dass Großbritannien Beweise schuldig geblieben sei. Eigenen Angaben zufolge will das Land die angespannten Beziehungen zu anderen Staaten reparieren. Vorwürfe aus den USA, die Regierung in Moskau sei nicht an Diplomatie interessiert, träfen nicht zu, sagte ein Sprecher Putins.

Der Streit hat die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen extrem belastet. Die schwer verletzte Tochter Skripals ist Klinikangaben zufolge auf dem Weg der Besserung. Der BBC zufolge ist sie bei Bewusstsein und spricht.

Von: APA/ag.

Kommentare

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8 Kommentare auf "Moskau wies im Skripal-Streit 59 Diplomaten aus"


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Bernd
Bernd
Grünschnabel
21 Tage 3 h

Da wird das Rechtsverständnis eines jeden Demokraten in Frage gestellt. Ohne Beweise gilt immer im Zweifel für den Angeklagten. Aber wie man an diesem Beispiel eindeutig sieht, leben wir nicht in demokratischen Rechtsstaaten sondern in Diktaturen!

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
21 Tage 2 h

Das rechtsverständnis eines jeden Menschen. Du schmeißt meine Leute raus und kritisierst mich , wenn ich deine rauskicke??

Waltraud
Waltraud
Superredner
21 Tage 7 h

Es fehlt den USA an Mechanismen, diese Spannungen
abzubauen. Darüber sollte Generalsekretär Antonio Guterres besorgt sein. Was haben die anderes erwartet? Dass Putin um 180 Grad einknickt? Sollte es wirklich irgendwann mal eskalieren, sehe ich nicht die Schuld bei Russland.

enkedu
enkedu
Kinig
20 Tage 10 h

Da bin ich bei dir. Trump fehlt genau so wie seinem Vorgänger das Charisma und das außenpolitische Feingefühl und die EU glänzt wieder mal mit tölpelhaftem Verhalten.

Erinnert ihr euch: Aussenminister Steinmeier in der Ukraine gemeinsam mit anderen Amateuren und die zu erwartende Reaktion der Russen, auf die sie keine Antwort wussten!

Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
20 Tage 22 h

sollte sich am Ende herausstellen dass nicht der russische Geheimdienst die Finger im Spiel hatte können sich die ganzen Nachlaüfer ewig die Wunden lecken ,das ist mal sicher. Als klug sind 
solch voreilige Schritte sowieso nicht zu betrachten.

StreetBob
StreetBob
Tratscher
20 Tage 19 h

I kenn mi zwor nit aus, ober warum so ein Säbelrasseln wwgen an Spion??? Wenn sich die Engländer do einireiten welln, solln sie decht. GB isch koan Toal fa Europa mear. Sich für de Stork mochn zohlt sich nit aus… obr bitte… i woass do za weanig….

bon jour
bon jour
Superredner
20 Tage 16 h

früher war die Kommunisten moskauhörig &blind,
heute sind es die Patridioten

Staenkerer
20 Tage 16 h

i honn olm gemoant es gild es unschuldsprinzip bis einschlägige beweiße vorliegn? vieleicht wars nit folsch gwesn obzuwortn bis einschlägige vorliegn?

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