Ein Brand ist ausgebrochen

Munitionsdepot auf der Krim explodiert

Dienstag, 16. August 2022 | 16:01 Uhr

Auf der von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim hat es nach Behördenangaben erneut Explosionen in einem Militärobjekt gegeben. Im Norden der Krim sei Dienstag früh ein Munitionslager detoniert, hieß es. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einem “Sabotageakt”.

Bei dem Angriff sei ein Militärlager getroffen worden, teilte das Ministerium nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Es sei eine Reihe von zivilen Objekten beschädigt worden, darunter Stromleitungen, ein Kraftwerk und Bahngleise sowie einige Wohngebäude, hieß es. Es gebe keine Schwerverletzten. Es werde alles unternommen, um die Folgen zu beseitigen. Wer hinter der “Sabotage” stecken könnte, ließ das russische Verteidigungsministerium offen. Der ukrainischen Präsidialamtsleiter Andrij Jermak sprach im Online-Dienst Telegram aber von einer meisterlich ausgeführten “Operation ‘Entmilitarisierung'” der ukrainischen Armee.

Der Verwaltungschef der Krim, Sergej Aksjonow, hatte in der Früh von einer Explosion in einem Dorf des Gebiets Dschankoj im Norden der Krim berichtet. Dabei seien zwei Menschen verletzt worden. Auf Videos in den sozialen Netzwerken waren ein großes Feuer und eine Rauchwolke zu sehen. Mehr als 3.000 Menschen wurden den Behörden zufolge bis zum frühen Nachmittag in Sicherheit gebracht. Zuvor war von rund 2.000 Evakuierten die Rede gewesen.

Nach Behördenangaben kam es in dem Dorf Maiskoje zu der Explosion, und zwar auf dem Gelände eines früheren Bauernhofes, der von den russischen Streitkräften als Munitionslager genutzt wird. Die amtliche Nachrichtenagentur RIA berichtete zudem von einem Brand in einem Umspannwerk in der Nähe der Ortschaft Dschankoj 20 Kilometer entfernt.

Auch der Zugverkehr in der Region wurde nach Angaben von Aksjonow unterbrochen. Menschen würden mit Bussen zu ihren Zielen gebracht, sagte er. Über Dschankoj gehen die Bahnverbindungen von Moskau über die neue Krimbrücke in die Hauptstadt Simferopol auf der Halbinsel. Die Züge von Moskau sollten nur noch bis Wladislawowka fahren. Weil der Flugverkehr eingestellt ist, nutzen viele Touristen in der Sommerzeit die Bahn, um in die Kurorte am Schwarzen Meer zu gelangen.

Erst am Dienstag vor einer Woche gab es schwere Explosionen auf einem russischen Militärstützpunkt. Bei den Explosionen auf der Basis in Saki nahe dem Kurort Nowofjodorowka wurden nach Behördenangaben ein Mensch getötet und 14 weitere Menschen verletzt. Experten gehen davon aus, dass die Ukraine der Basis einen Schlag versetzte und dabei mehrere Kampfjets zerstörte. Offiziell bestätigt hat Kiew den Angriff aber nicht. Russland hingegen behauptet, es sei wegen Verstoßes gegen den Brandschutz zu der Explosion gekommen.

“Das ist nur der Anfang”, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak nach der Detonation vorige Woche auf Twitter. Zum neuen Zwischenfall schrieb er nun: “Der Morgen nahe Dschankoj begann mit Explosionen. Zur Erinnerung: Die Krim eines normalen Landes heißt Schwarzes Meer, Berge, Erholung und Tourismus; die von Russen besetzte Krim bedeutet Explosionen von Depots und ein hohes Todesrisiko für die Invasoren und Diebe. Die Entmilitarisierung ist im Gang.”

Schon am 31. Juli schlug bei der russischen Schwarzmeerflotte in der Hafenstadt Sewastopol nach Moskauer Angaben eine ukrainische Drohne ein. Auch damals gab es Verletzte. Die Ukraine wies die russische Darstellung als “erfunden” zurück.

Die Zwischenfälle werfen bei russischen Beobachtern inzwischen Fragen auf, wie gut die militärisch hochgerüstete Halbinsel, die sich Moskau 2014 einverleibte, tatsächlich geschützt ist. Kremlchef Wladimir Putin hatte immer wieder angekündigt, dass die Sicherheit der Krim noch weiter verstärkt werden solle.

Auch russische Regionen im Grenzgebiet zur Ukraine berichten von einer extrem gespannten Lage im Zuge angeblicher Angriffe aus dem Nachbarland. Die Gouverneure von Brjansk, Kursk und Belgorod klagen immer wieder über Verletzte und schwere Zerstörungen. Aber bisher hat Russland seinen Drohungen, Kommandozentralen in Kiew zu bombardieren, wenn der Beschuss nicht aufhöre, keine Taten folgen lassen. Überprüfbar von unabhängiger Seite ist nicht, wer genau die Attacken verübt. Klar ist aber, dass auch der neue Fall der Explosionen dem russischen Image als Garant für die Sicherheit auf der Krim schadet.

Von: APA/Reuters/dpa/AFP

Kommentare

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15 Kommentare auf "Munitionsdepot auf der Krim explodiert"


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Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 17 Tage

Man sollte den russischen Soldaten einmal sagen,
dass sie im Munitionsdepot nicht rauchen dürfen.
Das gefährdet gleich doppelt die Gesundheit.

Faktenchecker
1 Monat 17 Tage

“Der ukrainische Präsidentenberater Mykhailo Podolyak schrieb nach den Explosionen auf Twitter, es gebe ein “hohes Todesrisiko für Eindringlinge und Diebe” auf der von Russland annektierten Halbinsel. Es finde eine Demilitarisierung statt, so der Mitarbeiter von Präsident Wolodymyr Selenskyj weiter. ”
n-tv

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 17 Tage

@Faktenchecker NTv und Faktenchecker sei Dank, wir wissen Bescheid. Mehr Dank NTv!

Kinig
1 Monat 17 Tage

“Sabotage” ??? Ja wer macht denn Sowas 😉😉😉

pfaelzerwald
1 Monat 17 Tage

@offline 1
Das sind bestimmt die bösen “Nazis”

Kinig
1 Monat 17 Tage

@pfaelzerwald..ich glaube ja eher, dass es die eigenen (russischen) Soldaten sind. Sind fern von Familie und Heimat, nichts Vernünftiges (wenn überhaupt) zum Essen und keinen Zahltag….

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 17 Tage

@pfaelzerwald
…den Russen fliegt ihre eigene Munition um die Ohren…
😆

Faktenchecker
1 Monat 17 Tage

Schön!

n-tv

Faktenchecker
1 Monat 17 Tage

“Der Morgen in der Nähe von Dzhankoi begann mit Explosionen. Zur Erinnerung: Auf der Krim eines normalen Landes geht es um das Schwarze Meer, Berge, Erholung und Tourismus, aber auf der von Russen besetzten Krim geht es um Lagerhausexplosionen und ein hohes Todesrisiko für Eindringlinge und Diebe. Entmilitarisierung in Aktion.”

https://twitter.com/Podolyak_M/status/1559423365332586497?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Etweet%7Ctwtr%5Etrue

ieztuets
ieztuets
Superredner
1 Monat 17 Tage

Hoffentlich explodiern ihmen nou viele vin de Loger, obr weart olls nicht nutzn!

Faktenchecker
1 Monat 17 Tage

und es geht munter weiter….

+++ 13:34 Berichte über weitere Explosionen auf der Krim – Rauch über Luftwaffenstützpunkt +++

n-tv

https://www.n-tv.de/politik/13-34-Berichte-ueber-weitere-Explosionen-auf-der-Krim-Rauch-ueber-Luftwaffenstuetzpunkt–article23143824.html

Kinig
1 Monat 17 Tage

@Fakti….wenn wir Dich und die kleinen Kartoffeln nicht hätten, würden wir 1. dumm sterben und müssten 2. immer die Großen essen…..

Faktenchecker
1 Monat 17 Tage
Wunder
Wunder
Tratscher
1 Monat 17 Tage

Es lebe der CO² Ausstoß…🤬

.

mermer
mermer
Grünschnabel
1 Monat 16 Tage

De sein jo nou schlimmer wia insre strommoschtnsprenger…

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