Kavanaugh sieht sich mit harten Anschuldigungen konfrontiert

Mutmaßliches Opfer von US-Richter wird im Senat aussagen

Samstag, 22. September 2018 | 22:28 Uhr

Das mutmaßliche Opfer des US-Höchstrichterkandidaten Brett Kavanaugh hat sich zu einer Aussage im US-Senat bereit erklärt. Dies berichteten Medien unter Berufung auf den Anwalt der US-Professorin Christine Blasey Ford. Über die genauen Bedingungen und den Zeitpunkt der Aussage wird noch verhandelt. US-Präsident Donald Trump sorgte indes mit einem Frontalangriff auf die US-Professorin für Empörung.

Ford habe akzeptiert, “kommende Woche über ihre direkten Erfahrungen mit unangemessenem sexuellen Verhalten von Brett Kavanaugh” zu berichten, hieß es laut US-Medienberichten in einer Mitteilung von Fords Anwälten an den Justizausschuss des US-Senats. Ein Datum für die Aussage wurde in der Mitteilung nicht genannt. In einem Schreiben, aus dem die “Washington Post” zitierte, zeigten sich die Anwälte unzufrieden mit den Vorschlägen zu den Einzelheiten der Anhörung. Diese seien “völlig unvereinbar mit dem Versprechen des Ausschusses, eine gerechte, unabhängige Untersuchung ihrer Vorwürfe vorzunehmen”, hieß es demnach. Aber “wir sind guter Hoffnung, dass wir uns auf die Details einigen werden”.

Kavanaughs Berufung an den Supreme Court schien bereits sicher. Das änderte sich jedoch, als Ford sich an die Öffentlichkeit wandte und dem Richter einen schweren sexuellen Übergriff im Jahr 1982 vorwarf. Seitdem stockt der Prozess. Die Republikaner von US-Präsident Donald Trump, der den Abtreibungsgegner als Höchstrichter vorgeschlagen hatte, haben im Senat nur eine knappe Mehrheit.

Ford hatte sich bereits zuvor grundsätzlich zu einer Aussage im Senats-Justizausschuss bereit erklärt – ebenso wie Kavanaugh. Die Professorin lehnte aber den Vorschlag des Ausschussvorsitzenden Chuck Grassley ab, bereits am Montag in einer öffentlichen Anhörung auszusagen. Später schlug Grassley den Mittwoch vor und setzte Ford eine Frist bis Freitagabend, um darüber zu entscheiden. Andernfalls werde der Ausschuss am Montag über Trumps Wunschkandidaten für den mächtigen Supreme Court abstimmen – ohne sie vorher anzuhören. Später verlängerte Grassley die Frist dann bis Samstag 20.30 Uhr MESZ.

Die Republikaner werfen den Demokraten vor, das Verfahren hinauszögern zu wollen in der Hoffnung, dass sie Trumps Partei bei der Kongresswahl im November die Senatsmehrheit abnehmen und so womöglich doch noch eine Ernennung Kavanaughs und damit eine nachhaltig konservative Ausrichtung des Supreme Courts verhindern können.

Zweifelhafte Schützenhilfe für Kavanaugh kam indes von Trump. In einem Tweet stellte der US-Präsident die Glaubwürdigkeit Fords infrage. Er habe “keinen Zweifel”, dass Ford oder ihre “liebenden Eltern” damals unverzüglich Anzeige erstattet hätten, wenn der Angriff “so schlimm” gewesen wäre wie von der Psychologieprofessorin geschildert, schrieb er. Trump forderte Ford zudem auf, Dokumente über eine Anzeige vorzulegen, “so dass wir Datum, Zeit und Ort erfahren können”.

Wie zu Beginn der #MeToo-Debatte schilderten daraufhin hunderte Twitter-Nutzerinnen unter dem Hashtag #WhyIDidntReport (Warum ich es nicht angezeigt habe) Fälle sexuellen Missbrauchs und warum sie niemandem etwas davon erzählt, geschweige denn eine Anzeige erstattet hätten. “Ich wurde zweimal sexuell missbraucht. Einmal, als ich ein Teenager war. Ich habe nie eine Anzeige erstattet und 30 Jahre gebraucht, um es meinen Eltern zu sagen”, schrieb die Schauspielerin Alyssa Milano.

Die Schauspielerin Ashley Judd erklärte: “Als es das erste Mal passierte, war ich sieben.” Als sie Erwachsenen davon erzählt habe, hätten diese erwidert, der Täter sei ein “netter alter Mann, der es nicht so gemeint hat”. Als sie mit 15 Jahren ein weiteres Mal vergewaltigt worden sei, habe sie es nur ihrem Tagebuch anvertraut.

Auch die republikanische US-Senatorin Susan Collins, die Mitglied im Justizausschuss ist, zeigte sich “entsetzt vom Tweet des Präsidenten”. Es sei bekannt, dass sexuelle Übergriffe zu den am seltensten gemeldeten Fällen gehörten. Daher sei der Tweet des Präsidenten “völlig unangemessen und falsch”.

Ford hatte nach eigener Schilderung erst 2012 während einer Paartherapie mit ihrem Ehemann erstmals genauer von der sexuellen Attacke erzählt, die sie als 15-Jährige erlebt habe. Opfer von sexueller Gewalt scheuen häufig aus Scham und Furcht davor zurück, von dem traumatischen Erlebnis zu erzählen.

Von: APA/ag.