"Arnaud hätte nicht gewollt, dass wir aufgeben"

Mutter von getötetem Polizisten ruft zu Toleranz auf

Montag, 26. März 2018 | 20:38 Uhr

Die Mutter des als Held gefeierten französischen Polizisten Arnaud Beltrame hat nach dem Mord an ihrem Sohn zu Toleranz aufgerufen. “Arnaud hätte nicht gewollt, dass wir aufgeben”, sagte Nicolle Beltrame dem Rundfunksender RTL am Montag. “Ich bin hier, um ihn zu ehren (…), damit diese Tat irgendeinen Sinn hat, damit wir ein bisschen menschlicher, ein bisschen toleranter sind.”

Gegenüber dem Attentäter Radouane Lakdim empfinde sie keinen Hass, sagte die Mutter des Polizisten, der sich bei den Angriffen am Freitag in Südfrankreich gegen eine weibliche Geisel hatte austauschen lassen und dann von Lakdim wie drei weitere Menschen getötet worden war. “Ich empfinde Gleichgültigkeit und die allergrößte Form der Verachtung.”

Nicolle Beltrame empfahl in dem Interview, nicht über den Attentäter zu sprechen und auch keine Fotos von ihm zu zeigen. “Wir sollten die Fotos von Helden zeigen, nicht von Killern und Monstern.” Ihr Sohn wäre im April 45 Jahre alt geworden.

Der aus Marokko stammende Franzose Lakdim hatte am Freitag zunächst in der Stadt Carcassonne ein Auto geraubt und dann in einem Supermarkt in Trebes mehrere Geiseln genommen. Der 25-jährige Attentäter wurde später von der Polizei erschossen. Er hatte sich als “Soldat” der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) bezeichnet.

Der frühere Kleinkrimelle hatte auf einer Überwachungsliste der Antiterror-Ermittler gestanden, war aber als ungefährlich eingestuft worden. Wie am Montag aus Ermittlerkreisen verlautete, war seine 18-jährige Freundin ebenfalls auf der Liste. Sie sei vom Geheimdienst beobachtet worden. Die junge Frau befindet sich seit Freitag in Gewahrsam, ebenso wie ein 17-jähriger Freund Lakdims. Bei der 18-Jährigen gibt es nach Angaben der Ermittler Hinweise auf eine Radikalisierung.

Frankreich will den nach einem Terrorangriff in Südfrankreich gestorbenen Gendarmen am Mittwoch (11.30 Uhr) mit einer Zeremonie am Pariser Invalidendom ehren. Staatspräsident Emmanuel Macron wird, wie es bei einer nationalen Gedenkfeier üblich ist, die Trauerrede halten.

Es werden die Familien des Oberstleutnants und der drei weiteren Opfer der Anschläge vom vergangenen Freitag erwartet, wie der Elyseepalast am Montag berichtete.

Unterdessen sind am Montag im Zusammenhang mit dem Angriff zwei weitere Verdächtige in Polizeigewahrsam genommen worden. Festgehalten würden eine 18 Jahre alte Frau aus dem Umfeld des mutmaßlichen Täters sowie ein minderjähriger Freund, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt Francois Molins. Die junge Frau sei radikalisiert und habe bei ihrer Festnahme “Allahu akbar” (Gott ist groß) gerufen. Beide Verdächtige bestreiten demnach, etwas mit den Terrorangriffen vom Freitag zu tun zu haben.

Von: APA/ag.