Schottische Regierungschefin ist für ein zweites Referendum

Nach Brexit neuer Schwung für schottische Unabhängigkeit

Sonntag, 26. Juni 2016 | 13:55 Uhr

Nach dem Brexit-Votum gewinnen die Unabhängigkeitsbestrebungen in Schottland an Fahrt. Ihr Land, das sich in dem Referendum klar für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hat, wolle Mitglied in der Europäischen Union bleiben, sagte die Chefin der Regionalregierung, Nicola Sturgeon am Wochenende. Sie stellte eine neue Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Schottlands in Aussicht.

Nach dem Brexit-Votum strebt Schottland ein neues Referendum über eine Unabhängigkeit von Großbritannien an. “Ich werde alles tun, um die Interessen der Schotten zu schützen”, so Sturgeon. Dieses Vereinigte Königreich, für das Schottland vor zwei Jahren bei einem Unabhängigkeits-Referendum gestimmt habe, “existiert nicht mehr”, sagte Sturgeon am Sonntag dem Sender BBC. Die Schotten hatten sich im September 2014 in einem ersten Referendum mit einer Mehrheit von 55 Prozent für den Verbleib in Großbritannien ausgesprochen. Nach dem Nein der Briten zur EU sieht Sturgeon aber eine komplett neue Situation.

“Ein zweites Unabhängigkeitsreferendum ist ganz klar eine Option, die auf den Tisch muss und sie ist sehr präsent auf dem Tisch”, sagte Sturgeon am Samstag nach einer Sitzung ihrer Regionalregierung. In einer nach dem Brexit-Votum erstellten Umfrage der “Sunday Post” sprechen sich 59 der Schotten für eine Loslösung vom Vereinigten Königreich aus. Im September 2014 hatten sich die Schotten in einem Referendum noch dagegen entschieden.

In der BBC kündigte Sturgeon am Sonntag für die nächsten Tage direkte Verhandlungen mit der EU in Brüssel an. Ihre Aufgabe sei nun, herauszufinden, “wie ich die Interessen Schottlands am besten schützen kann, wie ich verhindern kann, dass wir gegen unseren Willen aus der EU ausgeschlossen werden.” Sowohl Schottland als auch Nordirland profitierten bisher stark von EU-Geldern.

Auch dort stimmte die Mehrheit der Wähler für einen Verbleib in der EU. Während die nordirische Regierungschefin Arlene Foster jeglichen Ideen eines Austritts Nordirlands aus dem Königreich eine Absage erteilte, warb ihr Stellvertreter, Martin McGuiness von der pro-irischen Partei Sinn Fein für eine Vereinigung mit der Republik Irland. Deren Ministerpräsident Enda Kenny hat solche Forderungen jedoch bereits nachdrücklich zurückgewiesen. Außenminister Charlie Flanagan sagte dem Sender RTE, die Wiedervereinigung mit dem Norden der Insel sei zwar zu einem späteren Zeitpunkt im besten Interesse der Bürger. Dies setze aber die Zustimmung der Mehrheit in Nordirland voraus.

Von: apa