Schäden an der Krim-Brücke

Nach Explosion auf Krim-Brücke: Tote bei russischen Attacken

Sonntag, 09. Oktober 2022 | 20:02 Uhr

Kurz nach der Explosion auf der Brücke zwischen Russland und der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim hat die russische Armee Ziele im Süden der Ukraine angegriffen. Kiew meldete zwölf Tote und Dutzende Verletzte in der Stadt Saporischschja. Den Angaben nach hatte Russland dort Wohnhäuser bombardiert. Im südukrainischen Gebiet Cherson bereiteten die russischen Besatzer unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven die Evakuierung von Zehntausenden Zivilisten vor.

Die schwere Explosion auf der einzigen Verbindungsbrücke zwischen Russland und der von Moskau annektierten Halbinsel Krim weckte international Befürchtungen vor einer weiteren Eskalation des Konflikts. Nach Angaben Moskauer Ermittler soll ein von russischer Seite kommender, mit Sprengstoff beladener Lastwagen explodiert sein. Durch die Detonation gerieten mehrere mit Diesel gefüllte Kesselwagen eines Güterzuges auf der höher gelegenen Eisenbahnbrücke in Brand. Drei Menschen starben demnach.

Offen sind weiterhin die Hintergründe der Explosion. Kremlchef Wladimir Putin hielt sich zunächst zurück. Er setzte eine Untersuchungskommission ein. Außerdem wies er per Dekret den Geheimdienst FSB an, die Kontrolle über die durch eine Explosion beschädigte Krim-Brücke zu verschärfen. “Dem FSB werden die Vollmachten übertragen zur Organisation und Koordination von Schutzmaßnahmen für den Transportweg über die Meerenge von Kertsch, für die Strombrücke der Russischen Föderation auf die Halbinsel Krim und die Gaspipeline vom Gebiet Krasnodar zur Krim”, heißt es in dem Dekret. Es ist die erste Maßnahme, die der Kreml nach der Explosion ergriff.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich nicht zu Gerüchten, sein Land sei bei der Explosion beteiligt gewesen. In der Ukraine sei es großteils sonnig und warm gewesen, “auf der Krim leider bewölkt, obwohl auch dort warm”, sagte er in seiner täglichen Videoansprache in Anspielung auf die Detonation. Näher ging er auf den Vorfall nicht ein.

Die Explosion dürfte nach Ansicht britischer Experten die Kapazität der Straßenverbindung erheblich verringert haben. Zwei der vier Fahrspuren seien auf einer Länge von 250 Metern eingestürzt. Die anderen beiden Spuren würden aber wahrscheinlich wieder genutzt, hieß es im täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums. Wie schwer die Schienenverbindung beschädigt ist, sei unklar, “aber jegliche schwerere Störung ihrer Kapazität wird höchstwahrscheinlich einen erheblichen Einfluss auf die bereits angespannten Fähigkeiten Russlands haben, seine Kräfte in der Südukraine zu versorgen”, so die Mitteilung.

Der Zugverkehr lief nach russischen Angaben am Sonntag aber wieder nach Plan. Die Güter- und Fernverkehrszüge rollten im normalen Betrieb, teilte das Verkehrsministerium in Moskau mit. Am Abend solle auch der Regionalverkehr wieder beginnen, hieß es. Die Aufräumarbeiten dauerten demnach an. Im Autoverkehr kam es zu stundenlangen Wartezeiten an der Brücke, wie Medien berichteten.

In seinem Telegram-Kanal veröffentlichte unterdessen Selenskyj Bilder schwer zerstörter Hochhäuser in Saporischschja. Dort sollen nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform zwölf Menschen getötet und 89 verletzt worden sein, darunter elf Kinder. Selenskyj sprach vom “absoluten Bösen”; die “Terroristen” würden vom Befehlsgeber bis zum Täter zur Verantwortung gezogen. Die Stadt Saporischschja wird anders als große Teile des gleichnamigen Gebiets nicht von russischen Truppen kontrolliert. Sie war bereits mehrfach Ziel von Angriffen. Nach ukrainischen Militärangaben sollen die russischen Truppen mindestens zwölf Raketen auf Wohngebäude abgefeuert haben. Eine russische Bestätigung gab es dafür nicht.

Nach zahlreichen Niederlagen bei ihrem Angriffskrieg haben die russischen Truppen in der Ukraine einen neuen Kommandanten. Der 55 Jahre alte Armeegeneral Sergej Surowikin sei von Verteidigungsminister Sergej Schoigu eingesetzt worden, um die “militärische Spezialoperation” zu führen, teilte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow in Moskau mit. Schoigu kommt damit nach Meinung von Kommentatoren seinen Kritikern entgegen, die angesichts von Niederlagen eine Neuaufstellung der Truppen in der Ukraine gefordert hatten.

Rund siebeneinhalb Monate nach Kriegsbeginn hat Russlands Inlandsgeheimdienst FSB der Ukraine insgesamt mehr als 100 Angriffe auf russisches Staatsgebiet vorgeworfen – alleine seit Anfang Oktober. Insgesamt seien in den vergangenen Tagen 32 Ortschaften in den an die Ukraine grenzenden Gebieten Brjansk, Kursk und Belgorod beschossen worden, teilte der FSB am Sonntag mit. Damit habe die Zahl der Angriffe zuletzt deutlich zugenommen. Unabhängig überprüft werden konnte das nicht. Bei den Angriffen seien ein Mensch getötet und fünf weitere verletzt worden, hieß es aus Moskau weiter.

Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Stadt Lyman im Osten der Ukraine fanden die Behörden wiederum nach eigenen Angaben rund 200 Gräber und ein Massengrab. Mit den Exhumierungen sei bereits begonnen worden, schrieb der Militärgouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, in seinem Kanal im Nachrichtendienst Telegram. Die zeitweise von russischen Truppen besetzte strategisch wichtige Kleinstadt war von den Ukrainern Anfang Oktober zurückerobert worden. Bei den Toten könne es sich ersten Erkenntnissen zufolge sowohl um ukrainische Soldaten als auch um Zivilisten handeln, hieß es.

Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven in dem von Moskau annektierten südukrainischen Gebiet Cherson bereiten die russischen Besatzer die Evakuierung von Zehntausenden Zivilisten vor. Unter anderem seien die russischen Regionen Krasnodar und Stawropol zur Aufnahme von Kindern und Erwachsenen bereit, schrieb der Besatzungschef von Cherson, Wladimir Saldo.

In der Region Cherson hat die Ukraine dem Militär zufolge im Rahmen ihrer Gegenoffensive 1.170 Quadratkilometer zurückerobert. Die Ukraine mache Fortschritte, sagt die Sprecherin des Militärkommandos im Süden, Natalia Humenjuk. Es müsse aber noch viel getan werden, um die Geländegewinne zu halten.

Im weitgehend von Russland besetzten Gebiet Luhansk im Osten ihres Landes hat die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Tagen sieben Orte zurückerobert. Dazu zählten etwa die Dörfer Nowoljubiwka und Grekiwka, schrieb der ukrainische Verwaltungschef für Luhansk, Serhij Hajdaj, am Sonntag auf Telegram. Bereits am Freitag hatte Präsident Selenskyj von sechs befreiten Luhansker Ortschaften gesprochen. Da diese aber nach der Vertreibung der russischen Truppen noch abgesichert werden mussten, könnten die Details erst jetzt genannt werden, meinte Hajdaj.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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15 Kommentare auf "Nach Explosion auf Krim-Brücke: Tote bei russischen Attacken"


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Stryker
Stryker
Superredner
1 Monat 17 Tage

Hattn sie schun long gsollt sprengen jede Verbindung noch Russland Richtung Ukraine.

Dauernoergler
1 Monat 16 Tage

Na hoffen wir das die Brennerautobahn nicht von Gegnern der neuen ital. Regierung gesprengt wird. Oder sollte man nicht dann auch alle Verbindungen zu einem faschistischen Italien kappen?

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
1 Monat 17 Tage

das war eine Himars. Kein LKW.
Die Russen können das nicht zugeben = Überlegenheit der US-Waffen.

magari
magari
Superredner
1 Monat 17 Tage

@bon jour: Die Raketen haben doch garnicht die Reichweite. Wie soll das gehen, natürlich war es ein LKW.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 16 Tage

Nah, das war eine einmalige Aktion. Gäbe es solche Raketen vor Ort, mit denen das bewerkstelligt werden könnte, würde man mehrere davon einsetzen, um den Nachschulb komplett zum Erliegen zu brigen.

Spartacus
Spartacus
Superredner
1 Monat 17 Tage

Also doch nicht nur das Geländer etwas verbogen. Wie hies es beim Versenken des russischen Kriegschiffs aus ihrer Sicht am Anfang „ Der Motor stottert ein wenig“

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

                                                 
Kirgisistan sagt in letzter Minute Militärübung mit Russland ab.
Die Übung sollte in Kirgisistan stattfinden.

Mit der Sowjetunion 2.0 wird es offensichtlich so schnell nichts.
Alles deutet auf den Beginn von Machtkämpfen in Russland und den Zerfall des russischen Machtbereiches hin.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 16 Tage

Hoffen wir mal das Beste

Spartacus
Spartacus
Superredner
1 Monat 17 Tage

Das ist die Rache für das Sprengen der Gasleitung.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
1 Monat 16 Tage

Die Russen auf der Krim packen langsam die Koffer.

Noggi
Noggi
Tratscher
1 Monat 16 Tage

Da fährt so schenn kein zug mehr, ganz sicher…

Gievkeks
Gievkeks
Superredner
1 Monat 16 Tage

Da sind jeweils 2 Spuren. Über die verbliebene Schienen und Auto-Spur sind jeweils schon wieder Autos und ein leerer Testzug gefahren.

Die Frage ist, wie stabil das ganze noch ist, bei Belastung.

Tigre.di.montana
Tigre.di.montana
Superredner
1 Monat 16 Tage

Russlands Präsident Putin, ein Massenmörder und Kriegsverbrecher, schäumt wegen des erfolgreichen und ihn as Versager bloß stellenden ulrainischen Angriffs auf die Krimbrücke vor Wut und spricht von einem terroristischen Akt.
Diese Brücke ist ein legitimes militärisches Ziel. Zerstört wurde ein Zug mit Dieseltreibstoff für russische Panzer.
Was der Präsident und Verbrecher aber nicht sagt: seine Truppen beschiessen ukrainische Wohngebiete mit Raketen und töten 12 unschuldige Menschen.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

                                                                            
Ich kann kaum glauben, dass die Hitze nicht den Stahlbeton und die Stahlschienen der Eisenbahnbrücke beschädigt haben soll.
Als Zugführer würde ich mich absolut weigern, da noch einmal drüber zu fahren.

Zugspitze947
1 Monat 16 Tage

Ein schöner Anblick ,diese Brücke hätte man NIE BAUEN lassen dürfen. Und sie muss gänzlich verschrottet werden ! 😝👌Die Opfer sind zwar zu beklagen,aber gemessen an den vielen Toten in der Ukraine nicht zu vermeiden !😝👌😢

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