Rund 700 Polizisten rückten auf den Tempelberg aus

Nach Protesten in Jerusalem weitere Zusammenstöße erwartet

Samstag, 08. Mai 2021 | 23:59 Uhr

Nach einer Nacht der Gewalt in Ost-Jerusalem haben sich die israelischen Sicherheitskräfte am Samstag auf neue Proteste vorbereitet. Das Hohe Komitee der Araber Israels rief zu landesweiten Solidaritätskundgebungen mit den Palästinensern auf. Zuvor waren bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der Polizei in Ost-Jerusalem und auf dem Tempelberg am Freitagabend mehr als 220 Menschen verletzt worden. Die USA, die UNO und die EU riefen zur Deeskalation auf.

Am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan hatten sich tausende Gläubige auf dem Tempelberg zum Gebet versammelt. Vor der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg attackierten Palästinenser die Sicherheitskräfte mit Steinen, während die Polizei Gummigeschoße und Blendgranaten abfeuerte. Auch in anderen Teilen der Stadt gab es gewaltsame Zusammenstöße.

205 Palästinenser wurden nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds verletzt, die israelische Polizei verzeichnete nach eigenen Angaben 17 verletzte Beamte. Nach Angaben der israelischen Polizei, welche die Zugänge zum Tempelberg bewacht, wurden die Beamten von “hunderten Randalierern” mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen.

Über der Altstadt stieg Rauch auf, dutzende Schüsse waren zu hören. Videoaufnahmen zeigten, wie israelische Sicherheitskräfte Schallgranaten im Inneren der Al-Aqsa-Moschee abfeuerten, wo zahlreiche Gläubige beteten, darunter Frauen und Kinder. Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas machte die israelische Regierung für die Unruhen verantwortlich und bezeichnete die Demonstranten als “Helden”.

Zuletzt hatten es im August 2019 gewaltsame Auseinandersetzungen mit mehreren Verletzten auf dem Tempelberg gegeben. Der Tempelberg ist eine heilige Stätte nicht nur des Islam, sondern auch des Judentums und des Christentums.

Die USA äußerten sich “tief beunruhigt” über die Lage in Jerusalem. Das Außenministerium rief zur Deeskalation auf und warnte vor Schritten, die zur Verschärfung der Situation führen könnten. Das Ministerium bezog sich dabei auf Zwangsräumungen und Israels Siedlungsaktivitäten. Der UN-Nahost-Koordinator Tor Wennesland rief die Konfliktparteien zur “Verantwortlichkeit” und Ruhe auf. Auch die EU rief die israelischen Behörden am Samstag “dringend” zur Deeskalation auf.

Russland warnte ebenfalls vor einer “Eskalation der Gewalt”. Das Außenministerium in Moskau erklärte, es verurteile “Angriffe auf Zivilisten”. Das Ministerium bekräftigte die russische Kritik an “Zwangsenteignungen” und am Bau israelischer Siedlungen, der gegen Internationales Recht verstoße.

Jordanien, das Ost-Jerusalem bis 1967 kontrollierte, verurteilte Israels “barbarischen Angriff” in Jerusalem und rief die internationale Staatengemeinschaft auf, die “Eskalation und die Übergriffe” in der Al-Aqsa-Moschee zu stoppen. Auch Ägypten, die Türkei, Katar und Bahrain übten scharfe Kritik am Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte. Der Iran sprach gar von einem “Kriegsverbrechen” des “illegitimen zionistischen Regimes”.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain übten ebenfalls Kritik. “Die VAE verurteilen nachdrücklich die Erstürmung der heiligen Al-Aqsa-Moschee durch die israelischen Behörden”, sagte der Außenminister des Landes, Khalifa al-Marar, laut der staatlichen Nachrichtenagentur WAM am Samstag. Bahrains Außenministerium verlangte von Israel, Provokationen gegen die Menschen aus Jerusalem zu unterlassen, wie die staatliche Nachrichtenagentur BNA berichtete.

Derzeit gibt es unter anderem wegen drohender Zwangsräumungen für palästinensische Familien im von Israel annektierten Ost-Jerusalem massive Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern. Seit einigen Tagen kommt es deswegen täglich zu teils gewaltsamen Protesten. Am Freitag versammelten sich auch zahlreiche Demonstranten im Stadtviertel Sheikh Jarrah, wo mehr als 30 Palästinensern die Zwangsräumung durch die israelischen Behörden droht. Auch dort trieb die Polizei die Menge mit Blendgranaten auseinander.

Anfang des Jahres hatte das Jerusalemer Bezirksgericht entschieden, dass die Häuser der palästinensischen Familien rechtmäßig jüdischen Familien gehörten. Nach israelischem Recht können jüdische Israelis vor Gericht Besitzanspruch auf Häuser in Ost-Jerusalem anmelden, wenn ihre Vorfahren vor dem arabisch-israelischen Krieg (1948-49) dort im Besitz von Grundstücken waren.

Von: APA/AFP/dpa

Kommentare

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14 Kommentare auf "Nach Protesten in Jerusalem weitere Zusammenstöße erwartet"


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Tanne
Tanne
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Sie können es eifach nicht lassen. Schon mehr als 2000 Jahre wo sie keine Ruhe geben.

BIERMANN
BIERMANN
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Südtirol gehört auch seit 100 Jahren zu Italien und du kannst es nicht lassen zu provozieren..

Tanne
Tanne
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

©BIERMANN Süd-Tirol wird N I E zu Italien gehören, Süd-Tirol bleibt Deutsch. So reden wir, so schreiben wir. Italienisch klingt etwas anders, auch wenn du es nicht verstehen willst.

Tanne
Tanne
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

©Biermann und was hat Süd-Tirol mit den Unruhen der Juden zu tun? Haben die Süd-Tiroler den Herrgott ans Kreuz genagelt?

BIERMANN
BIERMANN
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Tanne.. Südtirol ist italienischer Staatsboden, dass hat auch Österreich akzeptiert..

Igbo
Igbo
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Jetzt mach mal halblang mit jesus ans Kreuz nageln usw.

quilombo
quilombo
Tratscher
1 Monat 12 Tage

90% ihres Landes ist den Palästinensern bereits genommen worden. In Kürze werden sie keinen Quadratmeter mehr besitzen, und die Welt schaut zu.

Tanne
Tanne
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

©Igbo Beider Wahrheit bleiben wir schon noch! Oder?

Igbo
Igbo
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Erstens war es nicht der Herrgott sonden sein angeblicher Sohn. Zweitens ist dein Argument ein Relikt der NS Zeit und drittens sind so viele Menschen im Namen deines Herrgottes ermordet worden, dass es sehr unglücklich ist, die Juden für einen vermeintlichen mord so hart zu verurteilen

Tanne
Tanne
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

©Igbo. Na dann müssen es doch die Römer gewesen sein, wenn ich nur Daumen nach unten bekomme.

Igbo
Igbo
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Deinen Patriotismus in Ehren, aber ich glaube du gehst ein wenig zu weit.

eisern
eisern
Tratscher
1 Monat 12 Tage

Israel nimmt immer mehr Land von den Palästinensern und man vergisst das nicht die Palästinenser nach dem zweiten Weltkrieg dort einen Staat gründen durften weil sie ja schon immer da waren. Die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA bedeutete eine weitere Expansion Israels gegen die Palästinenser.

Offline
Offline
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

@eisern…da beißt keine Maus einen Faden ab, zu großen Teilen trägt (unsere Heimat) Deutschland !! die Schuld !!! am Verhalten Israels. Die nutzen seit Ende des II. Weltkrieges, in dem den Juden von uns unfassbares Leid zugefügt wurde, für das ich (Jg. 55) mich noch immer schäme, ihre “Opferrolle” gnadenlos für ihre Interessen aus, und ein Großteil der politischen Welt schaut verschämt weg.

inni
inni
Superredner
1 Monat 11 Tage

Die Welt gerät zusehends aus den Fugen.

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