Anhaltende Proteste in Myanmar

Nacht der Angst in Myanmar: Panzer und gesperrtes Internet

Sonntag, 14. Februar 2021 | 22:27 Uhr

Zwei Wochen nach dem Putsch in Myanmar hat das Militär am Sonntag seine Muskeln spielen lassen und die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Seit dem Abend waren in der größten Stadt Rangun zahlreiche Panzer auf den Straßen. Bei einer Kundgebung im Norden des Landes waren zuvor Schüsse gefallen. Viele Bürger rechneten mit Festnahmen und Gewalt. In der Vergangenheit hatte das Militär jeden Widerstand brutal niedergeschlagen.

In der Nacht auf Montag (Ortszeit) wurde auch das Internet in dem südostasiatischen Land lahmgelegt, wie die Organisation Netblocks mitteilte, die weltweit Internetsperren dokumentiert. “Wir wissen nicht, was in den nächsten Stunden mit uns passieren wird, wenn die Internetverbindungen unterbrochen werden”, schrieb eine Userin kurz vor dem Shutdown auf Twitter. “Bitte betet für uns!”

Zuvor waren am Sonntag landesweit wieder Zehntausende Demonstranten auf die Straße gegangen und hatten die Wiedereinsetzung der Regierung unter der entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi gefordert. Die 75-Jährige war bei dem Putsch in der Nacht zum 1. Februar zusammen mit zahlreichen weiteren Politikern in Gewahrsam genommen worden. Die Junta verhängte anschließend einen einjährigen Ausnahmezustand und ernannte ein neues Kabinett.

In Myitkyina im Norden des Landes sollen Sicherheitskräfte am Abend auf Teilnehmer einer Kundgebung gegen den Militärputsch geschossen haben. Auf Videos, die auf Twitter verbreitet wurden, war zu sehen, wie Menschen in Panik auseinanderliefen. Berichten zufolge könnte e dabei auch Tote und Verletzte gegeben haben. Ob es sich um scharfe Munition oder um Gummigeschosse handelte, war zunächst unklar.

Mehrere Journalisten, die das Vorgehen der Armee filmten, seien festgenommen worden, berichteten der lokale Journalist Mratt Kyaw Thu und andere Beobachter. Viele User forderten die internationale Gemeinschaft in sozialen Netzwerken verzweifelt auf, Myanmar zu helfen.

Rund ein Dutzend Botschafter in dem Land, darunter aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und den USA, forderten das Militär in einer Erklärung dazu auf, nicht gewaltsam gegen Demonstranten vorzugehen, die “gegen den Umsturz ihrer legitimen Regierung protestieren”. Die Diplomaten verurteilten auch scharf die Festnahme zahlreicher Politiker und Aktivisten sowie die Sperrung des Internets und anderer Kommunikationsmittel. “Wir unterstützen die Bevölkerung von Myanmar in ihrem Streben nach Demokratie, Freiheit, Frieden und Wohlstand.”

Vor der US-Botschaft in Rangun hatte sich am Wochenende eine Menschenmenge versammelt, um die harte Haltung Washingtons gegen die Putschisten zu unterstützen. Präsident Joe Biden hatte am Mittwoch im Weißen Haus Sanktionen gegen die führenden Generäle und mit ihnen verbundene Unternehmen angekündigt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Nacht der Angst in Myanmar: Panzer und gesperrtes Internet"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Faktenchecker
19 Tage 11 h

Was sagt die STF zu diesem Freiheitskampf? 🙊

Tirolisimo
Tirolisimo
Tratscher
19 Tage 4 h

“Na Gott sei Dank, schießen SIE zur Zeit bei uns net”

Peerion
Peerion
Grünschnabel
19 Tage 10 h

Myanmars zivile Politik hatte nach Ende der letzten Diktatur praktisch immer die Pistole des Militärs am Kopf, wie auch z. B. in der Türkei. Die zivile Politik konnte da auch bisher nichts gegen den Willen des Militärs tun.

ahiga
ahiga
Superredner
19 Tage 9 h

…genau genommen.. gehört das militär weltweit abgeschafft…braucht eigentlich niemand wirklich…
mit samt den ganzen oberwichtigen generälen, usw. ..welche zum größten teil noch nie im leben gearbeitet haben..( und ja..ich war beim militär)..
aber manche länder sind einfach noch zu dumm, zu korrupt, zu selbstverliebt, usw.
dafür gehört ein ordentliches system mit aller nur erdenklichen technik her..vom heli, bis zum BERGE panzer,  vom u-boot bis zum doc..
gekoppelt an eine art umweltpolizei…
sparen wir uns eine ganze unmenge an geld, an konflikten, an zerstörung usw..
( ok..ich weiss..jetzt träum ich weiter..)

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